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Viele Fahrradfahrer nutzen die Regionalparkroute am Main bei Rüsselsheim. Das Gemeinschaftsprojekt steht jedoch finanziell auf wackligen Füßen. Mit Fraport verliert die Gesellschaft einen wichtigen Förderer. Der Aufsichtsrat möchte den Park aber weiterhin erhalten.

Umwelt

Weniger Geld für den Regionalpark - Fraport zieht sich aus finanzieller Verantwortung zurück

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Das Land Hessen und die Fraport AG sind die größten Geldgeber für den Regionalpark Rhein-Main. Letztere will ihre Zahlungen im Jahr 2021 ganz einstellen. Die übrigen Gesellschafter müssen nun in die Bresche springen.

Rüsselsheim - Die Stadt Rüsselsheim hat nicht nur Opel zu bieten, wie viele ortsfremde denken. Die Stadt am Main ist auch Gesellschafter der Regionalpark-Gesellschaft Ballungsraum Rhein-Main. Eine Fahrrad- und Wanderroute verläuft entlang der südlichen Mainseite. Sie verbindet den Horlachegraben mit dem Mainufer und führt weiter in Richtung Raunheim. Kulturell hat Rüsselsheim ebenfalls einiges zu bieten. Entlang der Strecke können sich Ausflügler an Stelen unter anderem über den Opelsteg, den Verna-Park, die Opelvillen und die Festung informieren.

Doch das kleine Paradies im Rhein-Main-Gebiet scheint bedroht. Die Finanzierung des Regionalparks erfolgt im Wesentlichen durch Gesellschafterbeiträge, Zuschüsse des Landes Hessen und durch Geld der Fraport AG. Seit der Gründung des Regionalparks unterstützt Fraport die Gesellschaft auf freiwilliger Basis. Die Förderzusagen wurden jedoch von 800 000 Euro im Jahr 2010 schrittweise reduziert. 2020 sollen es nur noch 400 000 Euro sein. Ab 2021 werden die Zahlungen ganz eingestellt.

„Um den schrittweisen Wegfall von mehr als einem Drittel des Regionalparkhaushaltes zu kompensieren und ein positives Zeichen für die Region und für den Erhalt des Regionalparks als langfristiges Projekt zu setzen, ist ein stärkeres Engagement aller Gesellschafter von Nöten“, heißt es in der Beschlussvorlage des Kreises Groß-Gerau, der ebenfalls einer von zwölf Gesellschaftern ist.

An Vorbehalt gebunden

Das bedeutet für die kommunalen Gesellschafter höhere Beiträge. Seit der Gründung der Gesellschaft zahlten die Stadt Rüsselsheim und der Kreis Groß-Gerau jährlich je 75 000 Euro. Rückwirkend zum 1. Januar 2019 soll der Beitrag nun auf 100 000 Euro erhöht werden. Die Beitragshöhe orientiert sich nicht an der Einwohnerstärke der Gesellschafter, sondern berechnet sich nach den Beteiligungsverhältnissen, die bei den meisten Mitgliedern bei rund 6,67 Prozent liegen.

Die zusätzlichen 25 000 Euro stünden im Haushalt 2019 bereit, teilt die Stadt Rüsselsheim mit. Der Magistrat habe der Erhöhung der Gesellschafterumlage im November 2018 zugestimmt, teilt die Stadt mit. Der Beschluss sei aber an den Vorbehalt gebunden, dass auch alle anderen Gesellschafter zustimmen. „Fraport zieht sich aus der Verantwortung zurück. Die Stadt Rüsselsheim fordert daher die Gesellschafter (Land und Stadt Frankfurt) auf, auf Fraport einzuwirken, zu ihrer Verantwortung für das hoch betroffene Umland zu stehen“, fordert die Stadt. Die Einbuße an Lebensqualität durch den zunehmenden Flugverkehr müsse durch die Aufwertung von Naherholungsgebieten ausgeglichen werden.

„Politischer Skandal“

Ähnliche Reaktionen gibt es aus dem Kreis bei anderen Politikern: „Für mich ist das ein politischer Skandal, wir müssen jetzt in die Bresche springen“, sagte Landrat Thomas Will (SPD) im Regionalausschuss des Kreises. Die Kreistagsfraktionen sehen den Rückzug der Fraport aus den Geschäften des Regionalparks sehr kritisch.

Oliver Görlich (SPD) kommentierte, dass Anteile der Aktiengesellschaft mehrheitlich im Eigentum der öffentlichen Hand seien – nämlich zwischen dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt aufgeteilt sind. „Deshalb sollte Fraport ihrer Verantwortung für die Region gerecht werden.“ Am Geld könne es jedenfalls nicht liegen, vermeldete Fraport doch für 2018 ein Umsatzplus und steigende Passagierzahlen. Marco Müller (Grüne) ergänzte, dass Fraport nicht mehr mit seinem Engagement für den Regionalpark werben dürfe, wenn sich das Unternehmen aus der Finanzierung zurückzieht. Der Kreistag hat stimmte wenige Tage später der Erhöhung der Umlage inzwischen zugestimmt.

Den Gesellschaftern scheinen die Hände gebunden: Der Aufsichtsrat der Regionalpark-Gesellschaft hatte bereits in seiner Sitzung vom 21. Juni 2018 beschlossen, den Gesellschaftern eine Beitragserhöhung anzuraten. Durch eine Erhöhung aller Beiträge um 25 000 Euro könnte knapp die Hälfte der ursprünglich durch die Fraport zur Verfügung gestellten 800 000 Euro kompensiert werden, so die Einschätzung.

Die Finanzierung der zweiten Hälfte könnte durch ein verstärktes Engagement des Landes oder des Regionalverbands sichergestellt werden. Erste Gespräche seien bereits aufgenommen worden, der Regionalverband habe seinen Beitrag bereits erhöht, heißt es in der Beschlussvorlage des Kreises.

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