Reinhard Ebert zeigt auf einer Karte die Areale, in denen mit einer Sondergenehmigung Wildschweine gejagt werden dürfen.
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Reinhard Ebert zeigt auf einer Karte die Areale, in denen mit einer Sondergenehmigung Wildschweine gejagt werden dürfen.

Umwelt

Rüsselsheim: Jagd auf Wildschweine im Ostpark

Weil die Wildschweinpopulation reduziert werden muss, legen sich seit Dezember zwei Jäger im Ostpark von Rüsselsheim auf die Lauer. Das ist nur unter strikten Auflagen möglich.

Rüsselsheim - Horden von Frischlingen. Süß, denken sich da viele Menschen. Doch ein Anstieg der Wildschweinpopulation kann zu einem großen Problem werden. Daher wird mittlerweile auch im Rüsselsheimer Ostpark Jagd auf das Schwarzwild gemacht.

Der Ostpark gehört eigentlich nicht zum Revier der Jagdgenossenschaft Raunheim, die auch Forst- und Landwirtschaftsbereiche der Rüsselsheimer Gemarkung betreut. Gejagt wird in dem Naherholungsgebiet derzeit dennoch. Allerdings nur mit einer Sondergenehmigung der Unteren Jagdbehörde. Denn die Population müsse reguliert werden, betont Reinhard Ebert, der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft. Diese sei mit ihrem Einsatz einer Bitte der Stadt Rüsselsheim nachgekommen.

Rüsselsheim: Wildschweine jagen Hunde

„Je mehr Schwarzwild in die Stadt hineinzieht, desto größer wird das Problem“, erklärt Ebert. Die Sauen hielten sich an der Peripherie auf, um Nahrung zu suchen. Sie könnten nicht nur Wildunfälle auf Straßen verursachen. Sie wühlten auch die Vorgärten auf, auf Schadensersatz hätten Grundstücksbesitzer keinen Anspruch. Es sei zudem schon vorgekommen, dass die Wildschweine Hunde jagen.

Die Stadt wolle Berliner Verhältnisse vermeiden, wo ganze Rotten durch die Stadt zögen und in den Mülleimern nach Nahrung suchten. Auch die aufkommende afrikanische Schweinepest mache die Reduzierung der Population notwendig.

Die borstigen Tiere merkten, dass im Ostpark eigentlich nicht Jagd auf sie gemacht werde, und zögen sich deshalb dorthin zurück. Die Sauen kämen aus dem Gebiet Im Robiger sowie einem Bereich an der Autobahn 67 und einem Abschnitt südlich der Horlache in den Ostpark. Dort werden sie gejagt und von dort tauchen sie in die sichere Parkanlage ab. „Wenn die Sauen merken, dass es knallt, verschwinden sie wieder“, schildert Ebert.

Wildschweine finden in Rüsselsheim Unterschlupf

Im Ostpark fänden sie beste Nahrungsbiotope und Unterschlüpfe vor. Sie fressen Eicheln und schlüpfen gerne in Brombeersträuchern und Reisighaufen unter. Der Betrieb auf den Spazierwegen störe sie nicht, weiß Ebert. Jäger hätten zufällig im Ostpark eine Rotte von bis zu 25 Tieren gesehen. Dort sei jetzt wegen der Schonzeit ein halbes Jahr nicht gejagt worden

Seit Anfang Dezember gehen nun zwei Jäger der Jagdgenossenschaft auf die Pirsch. Sie nutzten Mitte Dezember die Corona-bedingte nächtliche Ausgangssperre und brachten in dieser Zeit sechs Sauen zur Strecke. Dies sei immerhin ein Viertel der Gesamtzahl der gesichteten Rotte, so Ebert. Die Jäger dürfen noch bis Ende Januar, bis zum Beginn der Schonzeit, im Ostpark jagen. Dann ist nur noch der Abschuss von Frischlingen, aber nicht mehr von Bachen, Überläufern und Keilern erlaubt.

Jagen in Rüsselsheim: Sondergenehmigung erteilt

Die Untere Jagdbehörde habe das Problem erkannt und eine Sondergenehmigung erteilt. Im Ostpark dürfe nur unter der Einhaltung von strikten Auflagen gejagt werden, betont Ebert. Die bisherige Jagdgenehmigung galt nur für einen kleinen Abschnitt an der Wiese im nördlichen Teil des Naherholungsgebietes. Die Sauen hatten dies aber spitzbekommen und sich dort nicht mehr blicken lassen. Deshalb wurde die Sondergenehmigung nun auf den gesamten Park ausgeweitet. Sie ist auf zwei Jahre befristet und gilt ausschließlich für die beiden beauftragten Jäger.

Der Ostpark mit seinen rund 52 Hektar gehört zum befriedeten Bezirk. Als in einem bebauten Areal liegender Abschnitt sei er keinem Jagdgebiet zugeordnet, so Ebert. Es gebe daher auch keine Möglichkeit, das Gebiet für die Jagd zu verpachten.

Wildschweinjagd in Rüsselsheim: Jäger dürfen nur vom Hochsitz schießen

Die Jäger dürften nur von einem Hochsitz aus ihre Waffen abfeuern. Es müsse absolut sichergestellt sein, dass die Kugel bei einem Fehlschuss im Erdreich verschwindet und es keine Querschläger gibt, sagt Ebert. Außerdem müsse die Bevölkerung informiert werden.

Die Jäger befinden sich nur nachts auf der Pirsch und ziehen mit einem mobilen Hochsitz durch den Ostpark. Die Beleuchtung der Straßen reiche ihnen für eine gute Sicht aus. Zudem seien sie mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet. (Rüdiger Koslowski)

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