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In Rüsselsheim singt Kollegah nicht.

Stadtverordnete haben nach langer Debatte entschieden

Rüsselsheim: Kollegah-Konzert wird abgesagt

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Der Hessentag wird ohne Kollegah gefeiert. So haben die Rüsselsheimer Stadtverordneten entschieden. Nach Rüsselsheim kommen soll der Rapper aber trotzdem.

Mit 18 Ja-Stimmen gegen 17 Nein-Stimmen beschlossen die Rüsselsheimer Stadtverordneten am gestrigen Abend nach kontroverser Debatte, die Rap-Night während des Hessentags 2017 abzusagen. Sie folgten damit einer Empfehlung von Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU). Der hatte nach massiver Kritik an dem für die Veranstaltung gebuchten Rapper Kollegah empfohlen, das seit Monaten umstrittene Konzert abzusagen. Streitpunkt waren vor allem die Texte des Rappers, welche als sexistisch, gewaltverherrlichend und antisemitisch angesehen werden. Zuletzt hatte auch der Zentralrat der Juden in Deutschland Kritik geäußert (wir berichteten).

„Ich habe das Konzert von Anfang an verteidigt, dazu stehe ich auch. Der Grund für meine Empfehlung liegt in der Debatte. Das hält der Hessentag, das hält Rüsselsheim nicht aus“, begründete Burghardt seine Empfehlung. Der Rüsselsheimer Rathauschef sprach auch davon, dass die öffentliche Debatte von den Kritikern des Konzerts „gewollt und gesteuert“ gewesen sein soll.

Die folgende kontrovers geführte Debatte im Parlament war lediglich die Fortsetzung mehrerer Wortbeiträge, die gestern den ganzen Tag über die sozialen Netzwerke im Internet verbreitet wurden. Schon am Vormittag kündigte Boris Fistric (CDU) an, sich der Empfehlung Burghardts nicht anschließen zu wollen. „Es dürfte doch klar sein, dass der Schaden von Beginn an mit der unzureichenden Auseinandersetzung der Thematik entstanden ist. Die Verpflichtung der Rap-Musiker schlug solche Wellen, dass der Image-Schaden von 0 auf 100 bis zum Anschlag entstand“, so Fistric. Auch die Junge Union (JU) in Rüsselsheim hatte vor der Debatte bereits angekündigt, bei ihrer Unterstützung für das Konzert bleiben zu wollen. „Es hätte einen anderen Lösungsweg geben können – beispielsweise Farid Bang auszuladen, der in junger Vergangenheit Kontakt zur salafistischen Szene hatte“, schreibt die JU.

Eine kleine Gruppe junger Stadtverordneter mehrerer Fraktionen scheiterte mit einem Antrag, eben dies zu erreichen.

Über mögliche finanzielle Nachteile, die der Stadt wegen der Konzert-Absage etwa durch Schadenersatzforderungen entstehen könnten, wurde gestern nichts öffentlich bekannt. Burghardt verwies auf eine Verschwiegenheitspflicht. Die Summen, die die Stadt nun möglicherweise zahlen muss, seien aber nicht sechsstellig.

Der Rapper Kollegah wird trotz der Konzertabsage nach Rüsselsheim kommen. Und zwar für eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Antisemitismus. Dies habe er mit dem Musiker telefonisch vereinbart, berichtete Burghardt. Einen Termin dafür gibt es aber noch nicht.

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