Ralph Wangemann, seit Januar 2019 Geschäftsführer Human Resources und Arbeitsdirektor bei Opel, arbeitet an einer dauerhaften Lösung für mobiles Arbeiten. foto: opel
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Ralph Wangemann, seit Januar 2019 Geschäftsführer Human Resources und Arbeitsdirektor bei Opel, arbeitet an einer dauerhaften Lösung für mobiles Arbeiten.

Testpflicht der Bundesregierung

Opel-Personalchef über Corona-Testpflicht: „Wir brauchen dafür keinen politischen Druck“

  • Olaf Kern
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Opel-Personalchef Ralph Wangemann spricht im Interview über Arbeiten in Corona-Zeiten und den Kampf gegen das Virus zwischen Hygienekonzepten und Homeoffice.

Rüsselsheim – Corona stellt auch Opel vor neue Herausforderungen. Jetzt will das Unternehmen den Mitarbeitern Selbsttests anbieten - und später auch eine Impfung. Opel-Personalchef Ralph Wangemann verrät im Gespräch mit Echo-Redaktionsleiter Olaf Kern auch, wie künftig mobiles Arbeiten möglich sein soll.

Herr Wangemann, Opel hat in dieser Woche bekanntgegeben, dass es Corona-Tests für die Mitarbeiter geben soll, wenn sie nicht im Homeoffice arbeiten. Sie kamen der Verordnung des Arbeitsministers Heil damit zuvor. Was waren Ihre Beweggründe?

Die aktuell hohen Infektionszahlen zeigen, dass die Corona-Pandemie noch nicht überwunden ist. Es bedarf weiterer Anstrengungen, um diese schwierige Phase gemeinsam zu meistern. Deshalb bieten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit gestern die Möglichkeit, sich ein bis zwei Mal die Woche selbst auf das Coronavirus zu testen. Natürlich kostenlos und absolut freiwillig.

Opel in Rüsselsheim: Mehr als 3.000 Corona-Tests pro Woche

Wir erweitern damit unsere Teststrategie und unsere bisherigen weitreichenden Schutzmaßnahmen, denn die Gesundheit unserer Beschäftigten steht an erster Stelle. Wir packen mit an, um diese Krise gemeinsam zu meistern - da sind umfangreiche Selbsttests ein zusätzlicher Baustein. Dafür brauchen wir keinen politischen Druck, das ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Mit wie vielen Tests pro Woche rechnen Sie in Rüsselsheim?

Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die vor Ort - auch tageweise - in Präsenzarbeit tätig sind, stellen wir wöchentlich ein bis zwei Corona-Selbsttests zur Verfügung. Pro Woche kommen so am Standort Rüsselsheim mehr als 3.000 Tests zusammen.

Wie wird das Testen hier am Unternehmenssitz ablaufen? Wird es dafür eigene Räume geben und inwieweit sind die Betriebsärzte miteinbezogen?

Die Tests werden über die Fachbereiche an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt und dann von den Beschäftigten selbst durchgeführt. Unsere Empfehlung ist es, sich vor dem Betreten des Campus selbst zu testen, beispielsweise nach dem Wochenende oder wenn man in Ausnahmefällen nach einigen Tagen mobiler Arbeit ins Büro kommt.

Opel in Rüsselsheim: 200.000 Corona-Tests bestellt

Sollte ein Test positiv ausfallen, greift ein klar definierter Prozess: Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt dann, telefonischen Kontakt mit einem Arzt, dem Gesundheitsamt oder einem Testzentrum aufzunehmen und sich zunächst in häusliche Isolation zu begeben.

Kann man überschlagen, wie viel die Corona-Tests das Unternehmen kosten werden?

In einem ersten Schritt haben wir 200.000 Tests bestellt. Natürlich kommt da ein signifikanter Betrag zusammen, aber dazu gibt es keine Alternative. Wir müssen alle unseren Beitrag leisten, um diese Krise gemeinsam durchzustehen.

Wird es auch ein Impfangebot an die Mitarbeiter von Opel geben, sobald die Betriebsärzte mit eingebunden werden können?

Wir treiben die internen Vorbereitungen mit Hochdruck voran und könnten kurzfristig starten. Momentan fehlt es aber noch an Impfstoff.

Opel in Rüsselsheim: Mehrere hundert Corona-Impfungen pro Tag wären realistisch

Klar ist: Wir wollen schnellstmöglich unsere Beschäftigten impfen und könnten im zweiten Schritt auch die Angehörigen impfen. Denn wir haben ein kompetentes und eingespieltes Team von Betriebsärzten. Mehrere hundert Impfungen am Tag durch Opel wären mehr als realistisch - nach einer Anlaufphase sogar deutlich mehr.

Wenn Sie das vergangene Jahr bilanzieren, wie sehr hat Corona Auswirkungen auf die einzelnen Arbeitsbereiche (Produktion, Entwicklung, Verwaltung) gehabt?

Die Corona-Krise hat im vergangenen Jahr natürlich tiefe Spuren hinterlassen. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war das nicht immer einfach. Ich möchte mich daher auch auf diesem Wege dafür bedanken, dass alle bei der Einhaltung der strengen Corona-Schutzmaßnahmen so gut mitgezogen haben. Alles in allem haben wir gezeigt, dass wir mittlerweile ein wetterfest aufgestelltes Unternehmen sind.

Rüsselsheim: Opel trotz Corona mit Gewinnen im dritten Jahr in Folge

Das belegen auch unsere Jahreszahlen mit einem operativen Gewinn von 527 Millionen Euro. Wir sind nachhaltig profitabel, auch in stürmischen Zeiten. Und zwar schon das dritte Jahr in Folge - nach fast zwei Jahrzehnten kontinuierlicher Verluste. Das Ergebnis resultiert aus großartiger Teamarbeit der Opel-Mannschaft. Als Anerkennung für diese Leistung zahlen wir diesen Monat eine freiwillige Erfolgsprämie an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie beläuft sich auf 500 Euro und wird steuerfrei sein. Doch die Herausforderungen bleiben: Das Virus ist noch nicht besiegt. Wir erleben gerade die größte Herausforderung der Nachkriegszeit. Sie trifft zusammen mit der heftigsten Disruption der Automobilindustrie seit 50 Jahren.

Können Sie beziffern, wie viele Mitarbeiter in Rüsselsheim sich wegen Corona bislang haben krankschreiben lassen müssen?

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich zu diesen Interna nicht öffentlich äußern möchte. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Krankheitsquote sogar geringer ist als in der Vergangenheit.

"Wir wollen unsere gesellschaftliche Verantwortung übernehmen", sagte Opel-CEO Michael Lohscheller. Am Standort Kaiserslautern hat das Unternehmen der Stadt pachtfrei Werksflächen und -gebäude zur Verfügung gestellt, um das dortige Impfzentrum aufbauen zu können. In Rüsselsheim hat man Ähnliches angeboten. Stehen Sie weiterhin für den Kreis Groß-Gerau zur Verfügung, wenn Platz benötigt werden sollte?

Absolut - und das ist auch mehr als ein Lippenbekenntnis! Wir stehen zu unserem Wort. Wir packen im Kampf gegen die Pandemie von Anfang an mit an. Wir haben bereits seit Frühjahr 2020 strenge Hygiene- und Gesundheitsprotokolle an unseren Standorten umgesetzt, haben in Kaiserslautern Werksflächen für das lokale Impfzentrum zur Verfügung gestellt, bieten nun umfangreiche Selbsttestmöglichkeiten für unsere Beschäftigten und wollen beim Impfen mithelfen. Wir werden unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht. Unser Angebot, Flächen für die regionalen Impfzentren zur Verfügung zu stellen, galt und gilt für alle Standorte - auch für Rüsselsheim.

Das Gros der Opel-Mitarbeiter in den Bürobereichen arbeitet seit Ausbruch der Corona-Krise im Homeoffice. Hat da ein grundsätzliches Umdenken stattgefunden? Können Sie sich vorstellen, dass es auch nach Ende der Corona-Krise mehr Homeoffice bei Opel geben wird?

Auf jeden Fall. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben uns zurückgespielt, dass das ihr Wunsch ist. Wir arbeiten gerade gemeinsam mit dem Betriebsrat an einer dauerhaften Regelung zum Thema mobiles Arbeiten. Die Einführung soll schnellstmöglich erfolgen und mobiles Arbeiten bis höchstens durchschnittlich 70 Prozent der Arbeitszeit ermöglicht.

Rüsselsheim: Opel bereitet Homeoffice auch nach Corona vor

Die vergangenen Monate haben nämlich auch gezeigt, dass zeitweise Präsenz durchaus wichtig ist. Wir wollen eine gesunde Mischung finden. Im Zusammenhang mit dem Homeoffice-Konzept möchten wir - wie auch bei vielen anderen Unternehmen üblich - ein flexibles und modernes Bürokonzept einführen. Auch hierzu sprechen wir gerade mit dem Sozialpartner. (Interview: Olaf Kern)

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