Brauen gemeinsam: Peter Freund, Julia Hinter, Jonas Lentner und Marilen Mayer (von links). Foto: Seipp
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Brauen gemeinsam: Peter Freund, Julia Hinter, Jonas Lentner und Marilen Mayer (von links). Foto: Seipp

Gastronomie

Rüsselsheimer Brauer wagt sich an neue Biersorte

  • vonAlexander Seipp
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Da braut sich was zusammen: Im "Rüsselsheimer Bräu" wagt man sich an eine neue Sorte. Ein Weizenbier, aber ohne Promille. In drei bis vier Wochen soll es zum ersten Mal im Brauhaus und auf der Sommerterrasse ausgeschenkt werden.

Rüsselsheim - Hopfen und Malz, Gott erhalt's! So geht der alte Brauerspruch. Dass dieser auch heute noch aktuell ist, das beweist der Rüsselsheimer Brauer Peter Freund. Denn am Mittwochnachmittag war es endlich so weit: In den großen Kupferkesseln in seinem Brauhaus am Mainufer wurde das erste Rüsselsheimer Bier hergestellt, dem eine besondere Eigenschaft fehlt: Alkohol.

Eingeladen hat er sich dafür drei andere Brauer: Jonas Lentner aus Remscheid, Julia Hinter aus Mariakirchen und Marilen Mayer aus München. Sie gehören wie das "Rüsselsheimer Bräu" zum selben Mutterkonzern. "Jedes Jahr treffen wir uns, brauen gemeinsam Bier und tauschen uns gegenseitig aus", sagt Chefin Julia Hinter.

Und diesmal wird das Bier eben alkoholfrei gebraut. "Die Art der Herstellung unterscheidet sich nicht wirklich von der eines normalen Bieres", sagt Mayer. Angefangen wird mit einem Gemisch aus Wasser und Malz.

Große Vielfalt mit Variation

Doch auch hier gibt es viel zu beachten. "Das normale Verhältnis ist ein Teil Malz und drei Teile Wasser, je nachdem wie stark das Bier sein soll, wird dieses Verhältnis verändert", weiß Freund.

Und Malz ist auch nicht gleich Malz. "Es gibt ganz unterschiedliche Malzsorten, die man miteinander kombinieren kann, um ganz unterschiedliche Biere zu brauen", erklärt der Brauer die Vielfalt. "Wenn ich zum Beispiel ein dunkles Bier brauen will, etwa ein Schwarzbier oder ein Bock, dann nehme ich einen Anteil an geröstetem Malz dazu." Das genaue Verhältnis ist selbstverständlich Betriebsgeheimnis.

Ein helles Bier besteht im Gegensatz dazu zu einem Großteil aus Pilsner Malz. Und bei bayerischen Weißbieren besteht das Malz nicht nur aus Gerste, sondern auch zu 50 Prozent aus Weizen.

Hinzu kommt dann die Hefe. Bei unterschiedlichen Temperaturen entfaltet diese ihre Wirkung und erzeugt den typischen Geschmack. Wie lange auf welcher Garstufe verblieben wird, das ist entscheidend für das spätere Aroma. Und auch hier gibt es unterschiedliche Arten von Hefe, jede mit anderem Aroma.

Am Ende wird das Malz abgeschöpft und der Hopfen kommt hinzu. Das Brauen ist ein langwieriger Vorgang. "Wir haben heute um 14 Uhr angefangen, das wird wohl bis in die Nacht dauern", spricht Peter Freund aus Erfahrung. Doch bis hierhin unterscheidet sich die Herstellung eines alkoholfreien Bieres nicht von der eines normalen.

Der Trick kommt nämlich erst dann, wenn das Bier in den Lagertanks ist. Normalerweise gärt dort das Bier für mehrere Tage vor sich hin. Der im Malz enthaltene und an die Mischung abgegebene Zucker verwandelt sich in diesem Prozess in Alkohol.

Gärprozess unterbrechen

Beim alkoholfreien Bier wird dieser Gärprozess unterbrochen. "Die Gärung benötigt angenehme Temperaturen, also kühlen wir das Bier auf etwa ein Grad herunter, damit wird der Gärprozess gestoppt", erklärt Braumeisterin Hinter den Ablauf. Ganz ohne Alkohol ist aber auch ein alkoholfreies Bier nicht. "0,4 Prozent sind rechtlich erlaubt, aber merken tut man das sowieso nicht", sagt Hinter lachend. "Da kann man 14 Gläser trinken, das einzige was man merkt, ist einen stärkeren Drang zur Toilette."

Bis das erste Rüsselsheimer alkoholfreie Bier ausgeschenkt werden kann, wird es aber noch etwas dauern. Denn zunächst muss es noch etwas ruhen. Währenddessen entsteht Kohlenstoff, das dem Schaum seinen Stand verleiht.

In drei bis vier Wochen wird es dann zum ersten Mal im Brauhaus und auf der Sommerterrasse ausgeschenkt werden. In Dosen und Flaschen abgefüllt wird es zunächst aber nicht. "Da wir das Bier nicht pasteurisieren, besteht die Gefahr, dass das Bier dann zu Hause nachgärt", sagt Freund.

Mit dem alkoholfreien Bier hofft der Brauer, eine weitere Lücke im Sortiment zu schließen. "Die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier steigt und bei dem warmen Wetter gibt es ja kaum etwas Besseres", sagt Freund. Nun gehe es darum zu schauen, wie das Alkoholfreie so ankommt.

Am Ende dauerte der Brauprozess übrigens bis um 23 Uhr. "Wir saßen danach noch zwei Stunden nebendran, bis wir die Kühlung angeworfen haben", sagt Freund zufrieden. (Von Alexander Seipp)

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