Seit in der Lenbachstraße in Rüsselsheim kontrolliert worden ist, parken die Anwohner versetzt.
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Seit in der Lenbachstraße in Rüsselsheim kontrolliert worden ist, parken die Anwohner versetzt.

Verkehr

Rüsselsheim: Vor der Haustür Knöllchen kassiert – Parken kostet plötzlich 55 Euro

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Das Ordnungsamt Rüsselsheim kontrolliert parkende Autos: Alle, die teilweise auf dem Bürgersteig stehen, erhalten auf einmal ein Knöllchen. Das ärgert die Anwohner.

Rüsselsheim – Wilfried Negatsch ist wütend. "Für mich ist das Abzocke", sagt der Rüsselsheimer. Denn direkt in nebenan in der Lenbachstraße in Rüsselsheim, dort wo er und viele Anwohner oft ihr Auto abstellen, war vor Kurzem das Ordnungsamt unterwegs. 55 Euro sollen alle die dort geparkt haben, nun zahlen.

Negatsch ist sich keiner Schuld bewusst. "Jahrelang haben alle dort so geparkt und plötzlich kommt der Hammerschlag", sagt er. Aufgeschrieben wurden alle, die teilweise auf dem Bürgersteig standen. Dies ist dort nicht erlaubt, wurde jedoch jahrelang so gehandhabt.

Ordnungsamt Rüsselsheim: Es sollen alle zahlen, die auf dem Bürgersteig parken

"Eine andere Möglichkeit gibt es ja auch gar nicht", sagt Negatsch. Denn die Straße ist so schmal, würden dort zwei Fahrzeuge gegenüber parken ohne sich teilweise auf den Bordstein zu stellen, würde kein Verkehr mehr passieren können.

"Der Fußgängerüberweg ist außerdem sehr breit, selbst wenn man mit einem Reifen darauf parkt, kommt noch ein Doppel-Kinderwagen durch, man steht also niemandem im Weg", meint Negatsch. "Und so kommen wenigstens die Feuerwehr und die Müllwägen vorbei." Trotzdem: Erlaubt ist das Parken auf dem Bürgersteig dort nicht. Und deswegen sollen nun alle zahlen.

Knöllchen fürs Parken: Anwohner in Rüsselsheim ungerecht behandelt

"Wenn der Fußgängerweg blockiert wäre, würde niemand etwas sagen, aber unter den Umständen wirkt das für alle wie Abzocke", sagt Negatsch. "Man hat den Eindruck, die Stadt will Löcher im Haushalt durch solche Kontrollen stopfen."

Die Anwohner in Rüsselsheim fühlen sich außerdem ungerecht behandelt. "Das Problem gibt es doch nicht nur bei uns", sagt Negatsch. "Direkt um die Ecke in der Franz-Marc-Straße herrscht genau dieselbe Situation, dort wurde nicht kontrolliert", weiß der Anwohner. "Da fühlt man sich wirklich schlecht behandelt." Ein Blick genügt: Auch an diesem Tag stehen zahlreiche Fahrzeuge in der Franz-Marc-Straße teilweise auf dem Gehweg.

Der Stadt ist das Problem in der Lembachstraße bekannt. "Es handelte sich dabei jedoch nicht um eine Sonderkontrolle", heißt es aus dem Rathaus auf Nachfrage. Die Kontrollen im Stadtgebiet Rüsselsheim würden in der Regel immer dann durchgeführt, wenn es Beschwerden von Anwohnern gebe, etwa wenn es nicht möglich sei, den Gehweg zu benutzen.

Rüsselsheim: Das genaue Strafmaß fürs Parken auf dem Gehweg ist noch unklar

Das genaue Strafmaß der Ordnungswidrigkeit, denn darum handelt es sich beim Parken auf dem Bürgersteig in diesem Fall, sei noch unklar, denn aufgrund eines Formfehlers befindet sich die eigentlich seit Frühjahr 2020 geltende Straßenverkehrsordnung noch auf dem Prüfstand. Die Stadt warte aktuell noch auf eine Antwort des zuständigen Ministeriums. Die Stadt beobachte die Situation allerdings genau. "Eine Möglichkeit besteht darin, zu prüfen, ob das Gehwegparken dort zugelassen werden kann", sagt der Sprecher. Dies sei an vergleichbaren Orten im Stadtgebiet bereits geschehen.

Andernorts wurden Parkflächen vorgegeben, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten. Letztlich liege es aber auch bei den Anwohnern, die Verkehrssituation zu entschärfen. "Bei den Kontrollen vor Ort wurde immer wieder festgestellt, dass vorhandener Parkraum auf privaten Anwesen nicht genutzt wird", sagt die Pressestelle der Stadt. Dazu gehören Einfahrten und private Stellplätze auf den Grundstücken. Bevor die Straßenverkehrsbehörde also über entsprechende Maßnahmen nachdenke, sollen zunächst diese Parkplätze verstärkt genutzt werden. "Generell gilt: Es gibt immer mehr Fahrzeuge, aber die Stellplätze entlang der Straße sind begrenzt", sagt die Stadt.

Ähnliche Probleme gebe es überall im Stadtgebiet Rüsselsheim, die Lenbachstraße sei daher kein Einzelfall. Für Negatsch macht das Sinn. "Viele sind bequem und parken lieber an der Straße, anstatt das Tor zu öffnen und aufs Grundstück zu fahren", sagt er. Er hofft, dass sich bald eine Lösung für die Verkehrsverhältnisse in der Lenbachstraße findet. Für ihn ist klar: Die aktuelle Situation ist nicht länger tolerierbar. "Es muss sich etwas ändern, wir müssen Sicherheit haben", ist er überzeugt. (Von Alexander Seipp)

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