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Was die Rüsselsheim prägt

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Besonders in der Innenstadt kann man kaum einen Schritt tun, ohne über ein Kunstwerk zu stolpern ? wie der Ausschnitt aus Sam Khayaris ?Artmap? zeigt.
Besonders in der Innenstadt kann man kaum einen Schritt tun, ohne über ein Kunstwerk zu stolpern ? wie der Ausschnitt aus Sam Khayaris ?Artmap? zeigt. © Goeckes, Robin

Ein Rüsselsheimer begibt sich auf Entdeckungstour durch seine Heimat, auf der Suche nach seinen eigenen Wurzeln und dem, was die Stadt ausmacht und prägt. Die Kunstwerke im öffentlichen Raum führt der Fotograf Sam Khayari in einer virtuellen Karte zusammen.

Manchmal geht alles ganz schnell. Da wird aus einem Gedanken ein kleines Projekt, aus einem kleinen Projekt eine große Erkenntnis. Und plötzlich wird aus einem einfachen Rundgang durch die Stadt, in der man aufgewachsen ist, eine ganz persönliche Reise zu den eigenen Wurzeln. So ergeht es derzeit Sam Khayari. Der Rüsselsheimer Fotograf mit marokkanischen Wurzeln ist gerade dabei, seine Heimatstadt noch einmal ganz neu zu entdecken. Mit seiner Kamera streift er durch Rüsselsheim, fotografiert Kunstwerke im öffentlichen Raum, Denkmäler, prägende Strukturen für die Stadt, ihre Stadtteile und ihre Bewohner.

Khayari kreiert daraus eine „Artkamp“, also eine Art Kunstkarte für Rüsselsheim, die im Internet auf einer eigens dafür geschaffenen Homepage frei einsehbar ist. „Meine Rüsselsheim-Reise“ nennt Khayari die Entdeckungstour, die ihn auch zu seinen eigenen Wurzeln führt – zu dem, was die Stadt prägt, die wiederum ihn geprägt hat. „Aufgewachsen bin ich im Dicken Busch. Dort gibt es den Dreiherrenstein, an dem ich als Jugendlicher fast täglich vorbeigekommen bin. Nur wirklich wahrgenommen habe ich ihn nie“, sagt Khayari. Was der Stein erzählt, die Geschichte hinter dem 1998 eingeweihten Gedenkstein an jener Stelle, an der die Grenzen Hasslochs, Königstädtens und Rüsselsheims einst aufeinandertrafen, war ihm nicht bewusst. „Viel gerät in Vergessenheit, weil es den Menschen nicht bewusst vor Augen steht“, sagt Khayari. Genau dies will er mit seiner Kunstkarte ändern.

„Keine Informationen“

Die Idee kam ihm bei einem Spaziergang über das Mainvorland mitsamt dem neuen Kunstpfad und dem Leinreiter. „An dem findet man nirgendwo Informationen, weshalb er dort überhaupt steht“, sagt der Fotograf, für den es weiter durch die Innenstadt ging. Europabrunnen, Löwenplatz, Vernapark. „Dabei ist mir erst einmal aufgefallen, an wie vielen Kunstwerken oder Gedenksteinen man jeden Tag vorbeigeht, ohne sie wirklich wahrzunehmen.“ Besonders die Innenstadt sei voll von solchen Orten. „Aber auch jeder Stadtteil hat seine eigene Geschichte, die sich auch in den Kunstwerken widerspiegelt.“ Für Khayari begann mit dieser Erkenntnis die Recherche. Im Internet, in Zeitungsarchiven, per Aufruf in den sozialen Netzwerken und über Beiträge in Facebook sammelte er alle Informationen, die er finden konnte, fotografierte die Kunst im öffentlichen Raum, schrieb Texte dazu. Und dann fügte er alles zusammen auf seiner Homepage. Irgendwann sei er schließlich an die Grenzen gestoßen, weshalb er sich an das Kulturdezernat der Stadt wendete und schließlich beim Stadtarchiv landete. Von dort erhofft er sich nun noch mehr Informationen.

Dass viele Kunstwerke und Gedenksteine aus dem öffentlichen Fokus verschwunden sind, bedauert Khayari. „Es ist einfach schade, weil das natürlich auch viel mit der Identifikation mit der Stadt zu tun hat, aus der man kommt.“ Er selbst habe viel über die historische Entwicklung Rüsselsheims gelernt bei seinen fotografischen Streifzügen von Denkmal zu Denkmal.

Für Khayari ist die Beschäftigung mit seiner Heimatstadt Rüsselsheim der zweite Teil einer Expedition zu sich selbst. Mit der marokkanischen Herkunft seiner Familie hat er sich bereits ausgiebig beschäftigt, ist in die Heimatstadt seines Großvaters gereist. Entstanden ist daraus ein Bildband mit dem Titel „Roots of Liberty“, in dem er seine eigene Sicht auf das Heimatland seiner Vorfahren abbildet.

Ein erster Schritt

Die „Artkamp“ ist Sam Khayaris Annäherung an jene Prägung, die er in der Stadt Rüsselsheim erfahren hat. Was er schon jetzt auf dieser Reise durch seine Heimatstadt gelernt hat, will er nicht für sich behalten. Die Kunstkarte ist nur ein erster Schritt für ihn. Am Ende seines Projekts soll eine App, also eine Anwendung für das Mobiltelefon, stehen, die als virtueller Stadtführer durch Rüsselsheim fungiert. Für alle, die als Gäste in die Stadt kommen oder aber – wie er – ihre Heimat noch einmal neu entdecken möchten.

Mit seiner Arbeit an der „Artkamp“ überholt Khayari die Rüsselsheimer Politik. Denn ein ähnlicher Ansatz wird auf Antrag der SPD auch aus dem Rathaus heraus verfolgt, um die Kunst im öffentlichen Raum der Stadt wieder sichtbarer werden zu lassen.

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