Rüsselsheim will Schülern den Weg zur Schule erleichtern. (Symbolfoto)
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Rüsselsheim will Schülern den Weg zur Schule erleichtern. (Symbolfoto)

Mobilität

Schluss mit „Taxi-Mama“: Wie Rüsselsheim den Schulweg besser machen will

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Der Kurt-Schumacher-Ring ist ein Problem, oder die vielen Ampeln auf der Adam-Opel-Straße. Der Stadtelternbeirat in Rüsselsheim sitzt über einem Plan, wie man den Weg von Kindern zu ihrer Schule anders gestalten kann. Und stößt damit bei der Stadt auf offene Ohren.

Rüsselsheim – Mit dem Fahrrad zur Schule - im Rüsselsheimer Stadtgebiet ist das für Schüler eigentlich gut machbar, was die Entfernungen betrifft. Aber wie sieht es mit der Qualität der Verbindung aus? Der Stadtelternbeirat (SEB) hat in diesem Zusammenhang einen Unterausschuss gegründet, der sich mit Mobilität befasst. Zwei Kernanliegen hat die Gruppe: Einerseits sollen bessere Verbindungswege erschlossen, andererseits die Abwendung vom Auto als Transportmittel zur Schule bestärkt werden.

Um beide Anliegen umsetzen zu können, hat der Ausschuss den Kontakt zur Stadt gesucht, um zu sehen, was möglich ist. Bei einem ersten Treffen stellen sie Vincenzo Trevisan, Leiter der Abteilung für Mobilität, ihre Ideen vor.

Schulweg in Rüsselsheim: Schumacher-Ring als Problemstelle

Ins Gespräch vertieft: Roland Lobenstein, Stadtelternbeiratsvorsitzender (rechts) erläutert Vincenzo Trevisan, Leiter der Abteilung für Mobilität, seine Überlegungen zu einem schülerfreundlichen Radverkehrsnetz.

„Wir haben uns Gedanken gemacht, wie man die Schülerströme gut lenken kann“, sagt SEB-Vorsitzender Roland Lobenstein. Er zeigt auf die große Stadtkarte - darauf markiert sind alle Rüsselsheimer Schulen und die gewünschten Verbindungswege aus den einzelnen Stadtteilen dorthin. Schnell wird klar, wo etwas getan werden muss. „Der Kurt-Schumacher-Ring ist ein Problem für die Bauschheimer Schüler“, sagt Lobenstein. Die insgesamt vierspurige Straße sei ein Relikt aus jener Zeit, zu der man in Rüsselsheim noch mit 100.000 Einwohnern rechnete, ergänzt SEB-Mitglied Gernot Scherer.

Eine Möglichkeit, den Schulweg hier besser zu gestalten, sei die Umfunktionierung von je einer Spur pro Richtung zur Fahrradstraße. „Vielleicht auch ein Radschnellweg?“, fragt Lobenstein. Trevisan gibt dabei zu bedenken, dass der Kurt-Schumacher-Ring relativ weit weg von Quellen und Zielen des Radverkehrs liegt. Aber der Umstand ist der Fachverwaltung bekannt, für ein neues Verkehrskonzept des Rings stehen dieses Jahr im städtischen Haushalt Mittel zur Verfügung.Eine weitere Baustelle sieht Lobenstein in der Nord-Süd-Achse, die Königstädten mit der Innenstadt verbindet.

Neue Mobilität für Schüler in Rüsselsheim: Fahrradstraßen schaffen

Zahlreiche Ampeln auf der Adam-Opel-Straße seien hinderlich. Eine Überlegung sei, aus der großteils parallel verlaufenden Georg-Jung-Straße eine Fahrradstraße zu machen. Die Verbindungen sind aber nicht die einzigen Ansatzpunkte, die laut den Eltern angegangen werden müssen.

„Wir sehen an der Evaluation des schulischen Mobilitätsmanagements, das grade an fünf Rüsselsheimer Schulen läuft, wo Defizite sind“, sagt Unterausschuss-Mitglied Anja Fitzek. Es gebe viele Rüsselsheimer Schüler, die nicht mit dem Rad fahren.

Schulen in Rüsselsheim: Teilweise kommen 20 Prozent mit dem Auto

An der Gerhart-Hauptmann-Schule kämen beispielsweise elf Prozent mit dem Auto, an der Sophie-Opel-Schule sind es 20 Prozent und auch an der Kant-Schule sind es 19 Prozent. „Aber dort sind es auch 35 Prozent, die mit dem Rad kommen“, das sei positiv.

Die Evaluation des Programms „Besser zur Schule“ des Integrierten Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt Rhein-Main (IVM), an dem sich Rüsselsheimer Schulen kostenfrei beteiligen konnten, befindet sich noch in der Auswertung. Darin wird unter anderem ermittelt, wie viele Schüler welches Verkehrsmittel für den Schulweg nutzen und in welchem Verhältnis die Wahl zum Wohnort bzw. Schulstandort steht.

Trevisan macht sich Notizen - er will die Anliegen der Eltern auch für das Radverkehrskonzept, das gerade für die Stadt erarbeitet wird, prüfen. Einig sind sich die Eltern und die Mobilitätsmanager der Stadt jedenfalls darüber, dass etwas passieren muss. „Wir wollen eine Kultur für nachhaltige Mobilität etablieren“, sagt Vincenzo Trevisan.

„Ein Herzensthema“: Den Schulweg in Rüsselsheim besser machen

Damit das passiert, komme es auf verschiedene Aspekte an. Dazu zähle auch, die Schulform und die sozioökonomischen Faktoren der Schüler zu berücksichtigen. „Wir müssen vorhandene Angebote präsent machen“, ist sich Trevisan sicher.

„Für uns ist das ein Herzensthema“, sagt Uwe Ernst. „Wenn ein Paradigmenwechsel im Verkehr stattfinden soll, dann müssen wir so viele Leute wie möglich an den Tisch holen.“ Ein ordentliches Konzept, dass den Fuß-, ÖPNV- und Radverkehr stärke, müsse her. Dafür Hand in Hand mit der Stadt zu arbeiten, sehen die Eltern als essenziell an. „Ich finde es klasse, wenn wir etwas anstoßen können“, schließt Roland Lobenstein. Von Stella Lorenz

Projekt „Besser zur Schule“

Mehr zum Projekt „Besser zur Schule“ kann man unter www.besserzurschule.de erfahren.

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