Segula-Deutschland-Chef hat schlechte Nachrichten für seine Mitarbeiter.
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Segula-Deutschland-Chef hat schlechte Nachrichten für seine Mitarbeiter.

Arbeitsmarkt

Rüsselsheim: Corona-Krise fordert massiven Stellenabbau bei Segula

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Grund ist die schlechte Auslastung: Dem Ingenieursdienstleister Segula in Rüsselsheim brechen die Aufträge ein. Jetzt sollen Kollegen den erst vor einem Jahr gestarteten Betrieb wieder verlassen. Ob auch Ex-Opelaner betroffen sind, will der Konzern derzeit nicht ausschließen.

  • Aufgrund der Corona-Krise muss der Ingenieursdienstleister Segula Aufträge zurückfahren.
  • Es fehlen die Alternativen, um das Unternehmen zu retten.
  • Die Entscheidung zum Stellenabbau fiel im Hauptsitz in Frankreich.

Rüsselsheim - Die Corona-Krise schlägt auch beim französischen Ingenieursdienstleister Segula voll durch. Deutschland-Chef Martin Lange kündigte in einem Video an die Mitarbeiter an, 300 Stellen am Standort Rüsselsheim streichen zu wollen. Grund sei die schlechte Auslastung und der zurückgegangen Umsatz. Größter Kunde von Segula ist der Rüsselsheimer Autobauer Opel, der seine Aufträge an Segula mit Beginn der Corona-Pandemie stark zurückgefahren hatte.

Rüsselsheim: Unternehmen Segula braucht dringend Alternativen

Der geplante Umsatz für dieses Jahr lag zunächst bei 126 Millionen Euro. "Wir werden das Jahr eher in der Größenordnung Richtung 90 Millionen Euro abschließen, also deutlich unter unserem Plan", korrigierte nun Marin Lange. Rund 300 der insgesamt 1100 Mitarbeiter hätten derzeit keine Arbeit. Man sehe auch nicht, dass sich dies kurzfristig bessern würde. Man habe keine Alternative, um das Unternehmen im Bestand zu erhalten und müsse diesen Weg jetzt gehen.

Lange schlug den Bogen zu den großen Automobilkonzernen, aber auch zu Bosch oder Conti. Überall sei großer Stellenabbau zu verzeichnen. "Leider geht dieser Kelch auch nicht an uns vorbei", so Lange in seiner rund achtminütigen Ansprache. Vor einem Jahr, als Segula mit seinem Deutschlandgeschäft an den Markt ging, hätte sich Geschäftsführer Lange nach eigenen Aussagen diese Situation "natürlich nicht vorgestellt".

Segula: Mitarbeiter vom Partner Opel hatten eigentlich Kündigungsschutz

Damals schloss der Konzern die strategische Partnerschaft mit Opel ab. Segula übernahm große Teile des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim. 2000 Ingenieure sollten von Opel zu Segula wechseln. Der Widerstand beim Opel-Betriebsrat war groß. Am Ende waren es 700. Ob diese jetzt auch vom Stellenabbau betroffen sind, blieb offen. Der Konzern wollte sich dazu nicht weiter äußern und verwies auf die Gespräche mit den Sozialpartnern, die zunächst anstünden. Man habe bereits Kontakt mit dem Betriebsrat aufgenommen. Besonders pikant: Segula hatte den Ex-Opelanern eigentlich bei ihrem Wechsel vor einem Jahr einen Kündigungsschutz bis 2023 zugesichert.

Stellenabbau bei Segula in Rüsselsheim: Abgesprochen mit Frankreich

Der Job-Abbau sei in den vergangenen Wochen innerhalb der Geschäftsleitung intensiv diskutiert worden, sowie auch mit dem Management des Konzerns am Hauptsitz in Nanterre bei Paris.

Zunächst hatte man noch gedacht, mit dem Instrument der Kurzarbeit die reduzierte Auslastung im Zuge der Corona-Krise auffangen zu können. "Das ist jetzt leider nicht mehr der Fall, so Lange, der ergänzte: Es gebe derzeit keinerlei Liquiditätsprobleme, ergänzte Lange. "Wir können unseren Verpflichtungen wie erfordert nachkommen", erklärte er. Auch die Gruppe sei trotz der Corona-Krise gut und solide aufgestellt. Es gebe keine akute Gefahr, was den Bestand des Unternehmens angehe. Grundsätzlich wolle man am Geschäftsmodell nichts ändern. Segula betreibt auch in Dudenhofen Prüfstände.

Allerdings werde man strukturelle Änderungen im Betrieb vornehmen und von zehn Arbeitsbereichen auf sechs zurückgehen. Weiterhin wolle man in die einzelnen Teams noch hineinschauen, um zu sehen, wo man Mitarbeiter einsparen könne. Von Olaf Kern

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