Kuratorin und Stiftungsvorstand Beate Kemfert kann das Programm für die weiteren Jahre planen. Kulturdezernent Dennis Grieser erläuterte gestern die Finanzierung des Hauses durch die Stadt. foto: olaf kern

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Stadt springt den Opelvillen zur Seite

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    vonOlaf Kern
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Opel ist als Unterstützer weg. Wie geht es mit dem renommierten Kunst- und Kulturhaus weiter? Das Defizit soll jetzt über einen höheren Zuschuss der Stadt ausgeglichen werden.

Rüsselsheim - Nach dem Rückzug des Unternehmens Opel aus der Förderung der Stiftung Opelvillen, unternimmt nun die Stadt Rüsselsheim einen Vorstoß, um die Finanzierung des renommierten Kunst- und Kulturhauses in Zukunft zu sichern.

Der städtische Zuschuss soll in einem ersten Schritt für das Jahr 2021 um 40 000 Euro auf insgesamt 261 400 Euro erhöht werden, um den Verlust aus dem Wegfall der Zahlung der Firma Opel zu kompensieren.

In einem zweiten Schritt soll laut Bürgermeister und Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne) auch der Zuschuss für die Bauunterhaltung des denkmalgeschützten Gebäudeensembles von derzeit 50 000 Euro auf 100 000 Euro erhöht werden und ab 2023 eine jährliche Anpassung entsprechend der Entwicklung des Baupreisindexes erfolgen.

In einem dritten Schritt soll auch der allgemeine städtische Zuschuss ab 2023 ebenfalls einer Indexsteigerung unterworfen werden, entsprechend den Personalkostenentwicklungen nach den Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes sowie der Inflationsrate für die übrigen Sachaufwendungen. Die städtischen Zuschüsse würden dann jährlich um 10 000 bis 15 000 Euro steigen.

Stadtverordnete müssen zustimmen

Noch ist das nicht ganz in trockenen Tüchern. Der Magistrat muss erst die Stadtverordneten fragen, ob sie diesem Vorhaben zustimmen. Eine Vorlage soll in der anstehenden Sitzungsrunde eingebracht werden.

Kulturdezernent Grieser hofft auf volle Unterstützung der Parlamentarier, glaubt allerdings auch nicht, dass dieses Thema strittig sein werde, sagte er gestern bei der Vorstellung des Finanzierungsplans für das Haus.

Dass die Stadt der Stiftung Opelvillen beispringt, war schon vor Corona ausgemacht gewesen. Zurückhalten wollte man die Finanzspritze allerdings jetzt nicht, auch wenn die Haushaltslage nicht mehr so rosig ausfällt, wie noch Anfang des Jahres angenommen. Die Stadt sei schließlich verpflichtet, für das Gebäude und das kulturelle Angebot aufzukommen.

Die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen wurde 2001 von der Stadt Rüsselsheim mit dem Ziel gegründet, das Gebäudeensemble an der Ludwig-Dörfler-Allee denkmalgerecht zu sanieren und zu pflegen sowie diese für kulturelle Angebote in Form von Ausstellungen zu nutzen.

Die Stiftung, die als gemeinnützige Einrichtung des bürgerlichen Rechts mit Unterstützung der Adam Opel GmbH gegründet wurde, verfügte von Anfang an über kein eigenes Kapital. Ihr Vermögen besteht allein aus einem Erbbaurecht an den Opelvillen, so dass sie auf jährliche Unterstützung der Stifterin und andere Spenden angewiesen ist.

Umso schwerer wog, dass Opel sich aus der finanziellen Förderung gänzlich zurückzog. Während Opel im 2002 noch rund 128 000 Euro zugezahlt hatte, betrug der Zuschuss zuletzt ohnehin nur noch 40 000 Euro, bevor er ab 2019 ganz entfallen war. Mittlerweile hat Opel auch die Unterstützung von Sachleistunten für die Opelvillen gestrichen, heißt es, so etwa auch die Übernahme der Opel-internen Infopost von den Opelvillen.

Davor hatte die Stadt den Anteil des Autobauers bereits teilweise kompensiert, allerdings im Rahmen der Haushaltskonsolidierungen von 2011 bis 2015 auch die städtischen Zuschüsse gekürzt. Seither gab es keine Anpassungen mehr, auch Kostensteigerungen wurden bisher nicht berücksichtigt.

Zulasten des Kunstbetriebs

Problematisch sei, dass die Erhaltung des Gebäudes zulasten des Kunstbetriebes gehe, da der derzeit für die Bauunterhaltung vorgesehene Zuschuss von 50 000 Euro nicht ausreiche. Allein die Erneuerung der wenigen Stufen der Eingangstreppe zur „Villa Wenske“ hatte beispielsweise rund 100 000 Euro gekostet. Ein großer Teil des Budgets machten auch die Personalkosten aus.

Das kleine Polster, das sich die Stiftung über die Jahre aufbauen konnte, werde spätestens Ende 2021 aufgebraucht sein. Würde das so weitergehen, gebe es irgendwann gar keine kulturellen Angebote mehr in den Opelvillen, weil das Geld nur noch für die Denkmalpflege ausreiche. Immer hin sei es „gut angelegtes Geld“, so Dennis Grieser.

Trotz notorisch knappem Budget, hat sich die Stiftung mit ihrem Programm ein beachtliches Renommee in der Kunst- und Kulturwelt erarbeitet. Verantwortlich zeichnet dafür vor allem Stiftungsvorstand und Kuratorin Beate Kemfert, die gestern auch an das breite Bildungsangebot für Kinder und jungen Menschen erinnerte, das Jahr für Jahr stattfinde.

„Der Erfolg des Hauses ist am Schluss auch ein Erfolg von Frau Kemfert“, fügte Grieser hinzu. (Olaf Kern)

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