Der Fortschritt ist vor dem "Quartier der Zukunft" angekommen: Seit gestern steht vor dem Haus Nummer 14 in der Moritz-von-Schwind-Straße eine E-Ladesäule der Stadtwerke. Auf den zwei Parkplätzen davor dürfen nur E-Autos parken. Foto: Olaf Kern

Mobilität

Endlich: Eine Ladesäule für alle

Nach einen riesigen bürokratischen Aufwand installieren die Stadtwerke Rüsselsheim die erste E-Station im öffentlichen Raum.

Rüsselsheim - Der eine kommt, der andere fährt gerade zum Bahnhof in der Innenstadt. Kurz hintereinander rauschen zwei Busse des öffentlichen Nahverkehrs durch die Moritz-von-Schwind-Straße. Maik Landwehr, zuständig für "Digitalen Service" bei den Stadtwerken muss deshalb seine Rede unterbrechen. Gerade war er dabei, die Zukunft zu erklären, während die Kolosse im Hintergrund anfahren und plötzlich wie Dinosaurier wirken. Zumindest so klingen.

Heute wird an dieser Stelle eine Ladesäule eingeweiht. Man hätte vermutlich nicht so viel Tam-Tam darum gemacht, wäre es nicht die erste E-Ladestation im öffentlichen Raum von Rüsselsheim.

Es gibt zwar schon andere Ladestationen im Stadtgebiet, auch öffentlich zugängliche, aber diese befinden sich meist auf privaten Grundstücken und sind Kunden von Arztpraxen oder Gästen von Einkaufsmärkten vorbehalten.

Die Zukunft, sie lässt noch etwas auf sich warten in der selbst ernannten "Electric City". Immerhin ist nun ein "sichtbarer Meilenstein" hinzugekommen, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Hans-Peter Scheerer es formuliert.

Die Ladesäule in der Moritz-von-Schwind-Straße vor Haus Nummer 14 ist von nun an für jeden zugänglich, der mit seinem elektrisch angetriebenen Auto einen der zwei eigens davor geschaffenen Parkplätze ansteuert, sofern er ein elektrisch betriebenes Auto besitzt. Ausgerüstet ist die Säule mit der gängigen Standardt-Technik. Über die üblichen Apps lässt sich der Strom abrechnen.

Angebot fürs Car-Sharing

Eingebettet wurde das Angebot in das viel größere Projekt "Quartier der Zukunft", mit dem die Stadtwerke zusammen mit Partnern aus Wissenschaft und Technik seit zwei Jahren das Wohnen von morgen erproben. Die Wohnungen und Häuser am Horlache- Park in Haßloch-Nord werden dabei eifrig mit den Möglichkeiten der digitalen Welt verknüpft.

Man denkt etwa an Dinge, wie eine automatische Rolladen-Steuerung, die sich nach dem Wetter über dem eigenen Dach richtet. Oder an ein virtuelles Netzwerk zur Nachbarschaftshilfe. Und nun an eine Ladesäule, für die auch noch ein Car-Sharing-Auto spendiert wurde. Opel hat sich gegen andere Anbieter durchgesetzt und stellt einen nagelneuen Corsa-e vor die Tür. Mit im Boot ist auch die Gewobau, die nicht nur 76 Wohnungen im "Quartier der Zukunft" besitzt, sondern auch ganz umtriebig ist in der Errichtung von Ladepunkten, vor allem für ihre Mieter, viele weitere in Planung hat und selbst über einen stattlichen Fuhrpark an E-Autos verfügt (das älteste stammt aus dem Jahr 2011). Das "Car-Sharing"-Angebot richtet sich exklusiv an die Bewohner im Quartier. Ein Jahr lang lässt sich das Auto, maximal einen Tag pro Ausleihe, sogar kostenfrei ausfahren.

Registrieren über eine Plattform

So genannte "Zukunftsversteher" sollen im Auftrag der Stadtwerke bei ersten Terminen "Berührungsängste" mit dem neuen Gefährt abbauen. Zu ihnen gehört auch der junge CDU-Stadtverordnete Luca Karger. Registriert wird sich über eine Plattform. Dafür dienen die ersten Nutzer in den kommenden Monaten quasi als Versuchskaninchen. Wie wird das Angebot überhaupt angenommen? Reicht ein Auto aus oder müssen es in Zukunft doch mehr sein? Oder vielleicht eher ein Lastenrad? Darauf will man Antworten finden. Ebenso, wie man den Service später in eine Geschäftsmodell umwandeln kann.

So wie es sich bei einer Befragung von etwa 15 Prozent der Bewohner überhaupt erst herausgestellte, dass die Mieter und Eigentümer stark an einem Car-Sharing-Angebot interessiert sind. Ursprünglich war lediglich die Ladesäule am Quartier geplant. Und eigentlich auch schon zu einem früheren Zeitpunkt als Ende August 2020.

Doch der bürokratische Aufwand fraß ein halbes Jahr Zeit auf. Ganze fünf Ämter seien an der Genehmigung für diese erste Ladesäule im öffentlichen Raum laut Projektleiter Maik Landwehr beteiligt gewesen.

Viel Zeit verstrich allein dabei, die zuständigen Ansprechpartner bei der Stadt zu finden, die eigentlich schon 2018 verkündet hatte, den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge massiv vorantreiben zu wollen. ok

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