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Langsam, aber sicher: Die Arbeiten am alten Karstadtgebäude in Rüsselsheim laufen auch trotz Corona weiter. 

Arbeiten am Friedensplatz

Bei Abriss des Karstadt-Gebäudes: Bauarbeiter machen überraschende Entdeckung

Lange Zeit stand das ehemalige Karstadt-Gebäude in Rüsselsheim leer, dann fiel die Entscheidung zum Abriss. Beim Abbruch gab es eine Überraschung.

  • Abriss des alten Karstadt-Gebäudes in Rüsselsheim voll im Zeitplan
  • Aufwendige Entkernung des Gebäudes kostet Zeit
  • Beim Abbruch in Rüsselsheim entdecken Bauarbeiter einen unbekannten Raum

Rüsselsheim - Für alle, die derzeit am Friedensplatz und an der Frankfurter Straße unterwegs sind, ist die Veränderung unübersehbar. Dort, wo noch vor wenigen Monaten das alte Karstadt-Gebäude stand, sind nur noch ein paar ruinenartige Reste übrig. Tag für Tag schrumpft das Gebäude weiter, und die Überreste werden in Lkws abtransportiert.

„Wir haben Glück gehabt und liegen bei den Abbrucharbeiten absolut im Zeitplan“, freut sich die Sprecherin der zuständigen Gewobau, Petra Löhr. Dabei sah es zeitweise so aus, als würden die Bauarbeiten komplett stillstehen.

Gerade als die Corona-Krise in Deutschland an Fahrt gewann, bewegte sich kaum noch etwas. Das heißt jedoch nicht, dass sich dort nichts getan hätte, ganz im Gegenteil, wie die Sprecherin berichtet. „Der erste Schritt war ja, mögliche Gefahrenstoffe zu sichern und auszubauen.“ Bei den Schadstoffuntersuchungen wurde überraschend Asbest gefunden, dieser musste teuer entfernt werden.

Karstadt-Abriss in Rüsselsheim: Aufwendige Entkernung

Doch selbst danach tat sich im Gebäude am Friedensplatz einiges. „Ein Gebäude besteht nicht nur aus Beton und Stahl, sondern auch aus Stromleitungen, anderen Metallen und sogar aus Holz“, weist die Sprecherin auf die zahlreichen verbauten Materialien hin.

Daher sei das Gebäude entkernt worden, um diese oft wiederverwertbaren Materialien herauszuholen. Gleichzeitig wurde mit der Beseitigung der nicht tragenden Strukturen, wie etwa dem Mauerwerk, begonnen. Diese Arbeiten habe man von außen nicht sehen können, seien jedoch sehr wichtig gewesen.

Erst dann konnte mit dem Außenabbruch begonnen werden. Doch auch dort mussten die Bauarbeiter geordnet vorgehen. „Man kann nicht einfach irgendwo anfangen, die Statik des Gebäudes muss ja weiterhin intakt bleiben, damit die Arbeiter vor Ort nicht gefährdet sind“, informiert Löhr über die Arbeiten. Im schlimmsten Falle könnte das Gebäude unkontrolliert in sich zusammenfallen.

Karstadt-Abriss in Rüsselsheim: Viele Werkstoffe werden wiederverwendet

Daher arbeitete sich das Abriss-Team mithilfe von Kränen und speziellen Baggern von oben nach unten vor. Diese sogenannten Longfrontbagger sind mit Zusatzgeräten wie einer großen Zange und einer Säge ausgestattet, um das Gebäude in kleine Teile zu zerlegen. Aufgrund ihres langen Armes können sie viel weiter als andere Bagger in die Ruine vordringen. Die kleineren Arbeitsmaschinen übernehmen dann den Abtransport des Bauschutts und das Verladen auf die Lkws.

Mancher Bauschutt, wie Beton oder Ziegelsteine, landete dabei oft im ehemaligen Keller des Gebäudes, um dort gesammelt zu werden. „Wir rechnen insgesamt mit etwa 12.000 Tonnen Abbruchmaterial und Bauschutt, 5000 Tonnen davon lagern derzeit im Keller, um später abtransportiert zu werden“, sagt die Gewobau-Sprecherin. Auch hier werden die Werkstoffe am Ende wiederverwendet: Sie werden zerkleinert und recycelt, um in anderen Bauprojekten eingesetzt zu werden.

Abbrucharbeiten an Karstadt in Rüsselsheim: Immer für eine Überraschung gut

Aufgrund der Lage des Gebäudes hätten von Anfang an Gesundheitsschutz und insbesondere Staubschutz eine enorm große Rolle gespielt. „Es wurden vom Sicherheits- und Gesundheitskoordinator passende Maßnahmen eingeleitet.“

Vom alten Karstadt-Gebäude in Rüsselsheim ist nur noch das Skelett übrig. 

„Dazu gehören etwa spezielle Netze, um den Staub abzufangen, damit dieser nicht auf den Platz oder die Straße geweht wird“, sagt die Sprecherin. Damit sollte verhindert werden, dass die Abrissarbeiten auf Kosten der Anwohner der Frankfurter Straße, Löwenstraße und dem Friedensplatz gehen. Daher sollen auch die Wände in Richtung der Frankfurter Straße und am Friedensplatz zuletzt fallen.

Doch nur, weil der Abriss ohne Verzögerungen ablief, heißt das nicht, dass es keine Überraschungen gab. „Einige Rüsselsheimer werden sich sicherlich noch an die ehemalige Bäckerei Bopp erinnern“, sagt die Sprecherin. Die Bäckerei befand sich früher in der Frankfurter Straße 15. „Dort fanden die Bauarbeiter beim Abbruch einen kleinen Kellerraum, von dem niemand zuvor wusste. Rüsselsheim ist also immer für eine Überraschung gut.“

Aufgrund der Komplikationen rechnet die Gewobau mit deutlich erhöhten Kosten für den Abriss. 1,9 Millionen Euro, so gab die Gewobau im März an, soll der Abriss am Ende kosten.

Alexander Seipp

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