Ein Zeugnis von historischer Bedeutung: Die eingeflossenen Leistungen beziehen sich fast ausschließlich auf Vor-Corona-Zeiten. FOTO: DPA
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Ein Zeugnis von historischer Bedeutung: Die eingeflossenen Leistungen beziehen sich fast ausschließlich auf Vor-Corona-Zeiten. FOTO: DPA

Schuljahresende

Rüsselsheim: Zeugnis einer Krise

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Das zweite Halbjahr fließt kaum in die Bewertung ein - Niemand muss sitzenbleiben

Rüsselsheim-Letzter Schultag, Zeugnisausgabe, akademische Feier - in diesem Jahr wird alles anders sein an den Rüsselsheimer Schulen. Wer Anfang Juli seine papierne Beurteilung in den Händen hält, wird Noten sehen, die sich aus den Leistungen von Prä-Corona-Zeiten zusammensetzen.

"Das ist vom Kultusministerium klar definiert", sagt Marc Rhein, Schulleiter der Max-Planck-Schule (MPS). Das bedeutet konkret: Die Leistungen, die bis zum 13. März erbracht wurden, werden benotet. Alles, was nicht im Präsenzunterricht geleistet wurde, kann positiv in die Bewertung einfließen, nicht aber negativ.

Falls noch Klausuren nach dem 13. März geschrieben wurden, können diese in die Benotung einfließen, dies ist aber individuell festzulegen. So verhält es sich auch an der Grundschule Königstädten: "Die Zeit des Homeschoolings wird nicht gewertet", sagt Schulleiterin Kristin Becker.

Es gibt freiwillige Wiederholungen

Klar ist: Selbst, wenn die Noten theoretisch nicht für eine Versetzung reichen, muss aufgrund der Situation nicht wiederholt werden. "Wir haben den Mai und Juni vor dem Notbeschluss Beratungsgespräche mit Eltern und Schülern geführt", berichtet Stefan Hammes, stellvertretender Schulleiter der Immanuel-Kant-Schule (IKS). Es gebe durchaus freiwillige Wiederholungen.

Etwas anders gestaltet sich das an der Gustav-Heinemann-Schule (GHS). Auch hier habe es Gespräche gegeben, sagt Schulleiterin Kerstin Horcher-Müller. Dennoch gingen die meisten zielstrebig das Abitur an.

Zusätzlich ist die Zahl der Schüler dafür auch noch gestiegen: Weil Praktika- und Ausbildungsmarkt weggebrochen sind, blieben viele Schüler, die eigentlich sonst nur ihr Fachabitur gemacht hätten. "Wir mussten die Schülerzahl noch mal korrigieren. Bei uns macht das 45 Schüler aus, die ich nachmelden musste", so die Pädagogin.

Zeugniskonferenzen im klassischen Sinne gab es kaum. "Bei uns gab es Absprachen zu den Kopfnoten, aber keine Konferenz", so Rhein. An der GHS ist zumindest eine Gesamtkonferenz geplant, die online ablaufen soll. "Das wird für mich spannend", sagt Kerstin Horcher-Müller.

An der Königstädter Grundschule wird die Zeugnis- und Gesamtkonferenz ganz klassisch mit Präsenz stattfinden - allein schon aus Datenschutzgründen, wie Kristin Becker betont. "Das geht bei uns im Aktionsraum mit Sicherheitsabstand gut", versichert sie.

Die Zeugnisübergabe wird an den verschiedenen Schulen weitgehend gestaffelt stattfinden müssen. "Man kann ja nicht alle auf einmal kommen lassen", sagt Marc Rhein. "Momentan ist vorgesehen, dass am jeweiligen letzten Schultag der einzelnen Klassen die Zeugnisse verteilt werden", erläutert Hammes. An der Kant-Schule sind pro Wochentag immer andere Klassen anwesend.

An der GHS kommen am letzten Tag vor den Sommerferien die aufgeteilten Kurse zu verschiedenen Uhrzeiten. So läuft es auch an der Grundschule Königstädten ab. Weil es noch keine vom Kultusministerium festgelegte Regel gibt, plane jede Schule das derzeit individuell, erläutert Marc Rhein. "Der Erlass besagt, dass die Zeugnisse am letzten Tag ausgegeben werden müssen. Das muss erst einmal geändert werden."

Abschlussfeier an der frischen Luft

Für die Abschlussjahrgänge gibt es verschiedene Lösungen. Klassische akademische Feiern sind kaum umsetzbar, geschweige denn Abschlussbälle. An der IKS findet die Abiturzeugnisausgabe beispielsweise am kommenden Donnerstagnachmittag an der frischen Luft statt. Das hat den Vorteil, dass zumindest auch ein paar warme Worte gesagt werden können, so Hammes. "Weil der Jahrgang mit knapp 80 Schülerinnen und Schülern so klein ist, können auch die Tutoren mit zur Freiluftfeier kommen." Zuschauer und Gäste sind dagegen nicht zugelassen. An der GHS werden die Zeugnisse an die Abschlussjahrgänge an zwei Tagen und gestaffelt verteilt. "Ein Jahrgangsfoto gibt es also nicht", sagt Horcher-Müller bedauernd.

Einen Corona-Vermerk wird es pauschal nicht auf den Zeugnissen geben. Weil an der Königstädter Grundschule allerdings teils kein Sportunterricht stattfinden konnte, wird ausnahmsweise in diesem Schuljahr keine Sport-Note vergeben, berichtet Kristin Becker. In diesem Fall wird Covid-19 als Verursacher tatsächlich in den Bemerkungen im Zeugnis verewigt werden. Stella Lorenz

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