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2018 schwieriges Jahr

Rüsselsheimer GPR-Klinikum schreibt rote Zahlen

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Wie hoch das Defizit für das Jahr 2018 am GPR-Klinikum ausfallen wird, ist noch unklar. Doch schon in diesem Jahr soll vieles besser werden.

Wenn das GPR-Klinikum nur 13 Kilometer weiter auf der anderen Rheinseite stünde, würde es in Geld schwimmen. Dieser Auffassung ist Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne), der als Dezernent und Aufsichtsratsvorsitzender auch für das Rüsselsheimer Krankenhaus zuständig ist. In Rheinland-Pfalz seien die Kliniken gut finanziert, in Hessen weniger gut, ergänzt GPR-Geschäftsführer Achim Neyer. Fünf bis acht Prozent könnten die Kollegen im benachbarten Bundesland pro Fall ausgeben.

Die Rüsselsheimer müssen dennoch zurechtkommen, und das war im vergangenen Jahr schwierig. Viele Umstände hätten dazu geführt, dass das Haus 2018 mit einem deutlichen Defizit abschließen werde. Wie hoch das sein wird, steht vermutlich erst in einem halben Jahr genau fest. Auf jeden Fall wird das Loch größer sein als 2017, als unterm Strich 1,6 Millionen Euro fehlten. Doch Neyer ist sicher, dass auch für 2018 die Stadt nicht einspringen muss. Die Ressourcen das Krankenhauses reichten aus.

Aus den Fugen geratene Krankenhausfinanzierung

Eine „aus den Fugen geratene Krankenhausfinanzierung“ macht Neyer zum einen für das Ergebnis verantwortlich. Außerdem seien Rückstellungen für verschiedene Unwägbarkeiten gemacht worden. In mehreren Fachbereichen sei die Abrechnung nicht klar. „In vielen zentralen Bereichen wie Geriatrie, Schlaganfallbehandlung und Chemotherapie müssen die Kliniken bis zum Bundessozialgericht klagen, um ihre berechtigten Ansprüche durchzusetzen“, sagt Neyer. Zudem werde vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) mittlerweile jede fünfte Krankenhausrechnung angezweifelt und bis zur Klärung nicht bezahlt.

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Hinzu komme die mangelhafte Finanzierung der Notaufnahme, wo viele Fälle mit weniger als fünf Euro vergütet würden. Das Verhalten der Kassen habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits als „Irrsinn, Wahnsinn, Starrsinn“ bezeichnet. „Unfair“ nennt es Grieser. Zu den rückläufigen Erlösen kamen höhere Personalkosten wegen Tariferhöhungen.

Zahl der Patienten leicht zurückgegangen: Gründe sind Feuer an Pfingsten und größerer IT-Ausfall im Januar

Mit diesen Problemen haben alle Krankenhäuser zu kämpfen. In Rüsselsheim kam dazu, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Patienten leicht zurückgegangen ist. Als Gründe führt der Geschäftsführer einen größeren IT-Ausfall im Januar und einen Brand an Pfingstmontag an.

Neyer ist zuversichtlich, dass das GPR-Klinikum gut aufgestellt ist, um kommende Aufgaben zu meistern, auch wenn er möglicherweise bald höhere Gehälter für die Ärzte einplanen muss. Die Tarifverhandlungen mit der Ärztegewerkschaft Marburger Bund stünden noch in diesem Quartal an.

GPR-Klinikum setzt auf eine gute Ausbildung

Das GPR setzt unter anderem auf gute Ausbildung – die Zahl an der Pflegeschule ist erhöht worden –, die weitere Verkürzung der Verweildauer eines Patienten wegen besserer Therapiemöglichkeiten und guter Organisation, auf die Anschaffung hochmoderner Medizintechnik und auf Digitalisierung. „Die Krankenhausprozesse werden in zehn Jahren vollkommen anders aussehen als heute“, kündigt Neyer an. Als Beispiel nennt er Stürze: Heute müssen Pflegekräfte regelmäßig in den Zimmern nachsehen, künftig bemerken Sensoren im Boden, wenn ein Patient aus dem Bett fällt.

Kommentar von Angelika Ohliger zum erwarteten Defizit des GPR-Klinikums

Das Klinikum fährt ein Millionendefizit ein, so viel ist sicher. Im Jahr 2017 waren es 1,6 Millionen Miese, wie viele am Ende für 2018 in der Bilanz stehen werden, ist noch unklar. Größer wird das Minus mit Sicherheit ausfallen. Viele Unwägbarkeiten, auf die das Krankenhaus keinen Einfluss hat, sind noch nicht aus dem Weg geräumt.

Die gute Nachricht: Die Geschäftsleitung ist sicher, dass das Defizit mit Rücklagen und Eigenkapital ausgeglichen werden kann. Die Stadt als Gesellschafter muss in diesem Fall nicht einspringen.

Dennoch sind die politisch Verantwortlichen unzufrieden, weil das finanziell nicht auf Rosen gebettete Rüsselsheim stattdessen ein höchst defizitäres Krankenhaus in der unmittelbaren Nachbarschaft über die Kreisumlage mitfinanzieren muss.

GPR-Geschäftsführer Achim Neyer ist optimistisch, dass 2018 nur ein Durchhänger war. In diesem Jahr soll es wieder bergauf gehen.

Neyer und sein Team haben viele gute Ideen, um das Rüsselsheimer Klinikum konkurrenzfähig zu halten. Es ist trotz allem auf einem guten Weg.

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