Muss der RRK für die Spiele nach Wiesbaden ausweichen? Derzeit wird intensiv über eine Ausweichmöglichkeit nachgedacht. Grund ist der kaputte Kunstrasenplatz am Sommerdamm, für den sich so schnell keine Lösung abzeichnet. FOTO: ha
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Muss der RRK für die Spiele nach Wiesbaden ausweichen? Derzeit wird intensiv über eine Ausweichmöglichkeit nachgedacht. Grund ist der kaputte Kunstrasenplatz am Sommerdamm, für den sich so schnell keine Lösung abzeichnet.

Angst vor Verletzungen

Desolater Zustand: Hockeyspieler wollen nicht mehr auf den Platz: „Eine Zumutung“

Das Problem ist lange bekannt, jetzt stehen die RRK-Spieler auf: Weil der Platz in Rüsselsheim von Algen befallen ist, wollen sie darauf nicht mehr spielen.

Rüsselsheim - Den Hockeymannschaften des Rüsselsheimer Ruder-Klubs (RRK) droht Ungemach. Der Platz im Stadion am Sommerdamm ist in einem derart desolaten Zustand, dass zum Beispiel die Spitzenspielerinnen des Vereins, darunter Nationalspielerin Pauline Heinz, eine extreme Verletzungsgefahr sehen und überlegen, den Platz nicht mehr zu betreten.

Das Problem kam am Montagabend (20.09.2021) zum Ende der Hauptversammlung der Hockeyabteilung des RRK zur Sprache, als sich einige Spielerinnen der ersten Mannschaft zu Wort meldeten. "Der Platz ist eine Zumutung geworden", beklagte eine Spielerin. Es sei gefährlich dort zu spielen. Die Wahrscheinlichkeit, sich einen Kreuzbandriss zuzuziehen, enorm.

Algen auf Kunstrasenplatz in Rüsselsheim: Hohe Rutschgefahr für Sportler

Grund für den Ärger sind Algen, die sich nach längeren Regenfällen oder dem Wässern des Platzes auf dem Spielfeld bilden und eine erhebliche Rutschgefahr für die Spielerinnen bedeuten. Zudem verströmen sie einen üblen, fauligen Geruch.

Das Problem sei der Stadt, welcher der Platz gehört, seit Jahren bekannt. Sie habe versucht Abhilfe zu schaffen, indem beim Bewässern des Platzes Chlor zugemischt wurde, um die Algen abzutöten, so Hockey-Abteilungsleiter Jürgen Kaul. Doch während sich die Algen als robust erwiesen und munter weiterwuchsen, sei die Bewässerungsanlage wegen der aggressiven Chlormischung kaputtgegangen. Die Beregnungsgeräte ebenso wie die Pumpe.

Rüsselsheim: Ärger wegen Kunstrasenplatz am Sommerdammm – Sanierung kostet Zeit und Geld

Bei einer Untersuchung des Platzes wurde schon vor längerem festgestellt, dass nicht nur der Belag ausgetauscht werden muss, sondern auch der marode Untergrund. Das kostet Zeit und natürlich Geld. Mit anderen Worten: Die Spiele der zweiten Bundesliga, in welche die Hockeyfrauen in der Coronazeit abgestiegen sind, müssen wohl noch bis zur nächsten Sommerpause auf dem mit Algen durchsetzten Platz stattfinden. Bis dahin wolle die Stadt den Platz verstärkt reinigen, sagte Jürgen Kaul. Doch das scheint nicht optimal zu funktionieren. Aus der Versammlung heraus wurde beklagt, nach einer immerhin 5000 Euro teuren Reinigung sehe der Platz noch schlimmer aus als vorher.

Die Hockeyfrauen wollen aber keinesfalls mehr bis nächsten Sommer auf dem maroden Untergrund die Hockeyschläger schwingen. Man habe außerdem auch eine Verantwortung für die Gastvereine, sagte eine Spielerin, die beobachtet hatte, dass am vergangenen Wochenende sogar ein Schiedsrichter auf dem Platz ausgerutscht und auf die Nase gefallen war. Man habe Angst, dass demnächst ein Schiedsrichter ein Punktspiel absage, weil er den Platz für nicht bespielbar halte.

Rüsselsheim: „Wollen auf diesem Platz nicht mehr spielen“

Doch was tun? Aus der Versammlung kam die Anregung, bis zur Sanierung des Sportplatzes Training und Punktspiele auf einem Platz in Wiesbaden auszutragen. Dort gibt es einen Verein, der einen ziemlich neuen Platz, derzeit aber keine Hockeymannschaft hat. Mit diesem Verein will der Hockeyclub in Kontakt treten. "Wir wollen auf diesem Platz nicht mehr spielen, das ist eine Zumutung", machte eine Spielerin deutlich. Doch es trifft nicht nur die Spitzenspielerinnen des Vereins, sondern alle Mannschaften bis hinunter in den Kinder-und Jugendbereich.

Man müsse mit der Stadt ein paar ernste Worte reden, damit die Platzsanierung umgehend angegangen werde. Ein Mitglied warnte davor, die Stadt und die Politik zu verärgern, denn letztlich müsse das Stadtparlament die Geldmittel freigeben und zum Sportamt habe man einen guten Kontakt. Deshalb kam die Anregung, die Vertreter der im Parlament vertreten Fraktionen zu einer Ortsbesichtigung einzuladen.

Abteilungsleiter Kaul warnte zudem davor, die Stadt könne handeln wie vor einigen Jahren beim Hallenbad. Wenn der Verein zu viel Druck aufbaue, könne der Platz von der Stadt womöglich kurzerhand gesperrt werden und dann für keine der Mannschaften mehr zur Verfügung stehen. Schließlich einigte man sich nicht nur auf eine Ortsbegehung mit der Politik, sondern auch den Versuch, den Platz in Eigenregie zu säubern. Eine entsprechende Maschine könne dazu ausgeliehen werden.

Stadt Rüsselsheim: Sanierung frühestens September 2022

Die Stadt bestätigte gestern auf Anfrage, dass sie bereits seit einigen Jahren mit einer Veralgung des Platzes zu kämpfen habe. Planungen zur Sanierung des Hockeyplatzes wurden bereits vergeben. Derzeit liefen immer noch Voruntersuchungen.

Im Rahmen eines Pilotprojektes der Uni Geisenheim sei im Jahr 2018 damit begonnen worden, dem Beregnungswasser Chlor beizumischen, das habe bis zum vergangenen Jahr auch den entsprechenden Erfolg gezeigt. Leider gebe es mit der Chlorlösung aber nun Probleme, weil diese nicht ablaufe und die technischen Anlagen beschädige, so dass diese mehrfach ausgetauscht werden mussten.

Die Stadt bestätigt auch, dass es eine erhebliche Verdichtung der Asphalt- und Schotterschicht gibt. Ein reiner Austausch des Belags werde nicht ausreichend sein. Die Arbeiten führten dann zu Kostensteigerungen, die derzeit ermittelt würden, um den Magistrat informieren zu können. Eine Sanierung könne nur außerhalb der Feldsaison erfolgen. Hierfür komme erst September 2022 in Betracht, da die Witterung, aber auch die fehlende Haushaltsgenehmigung dies vermutlich vorher noch nicht zulassen würden. Bis dahin werde weiter gereinigt, um die Feldsaison zu gewährleisten, kündigt die Stadt an. Parallel dazu suche man nach Möglichkeiten, um Chlor auf dem Platz aufzubringen, ohne dass die technischen Anlagen weiter geschädigt würden. (ha)

Für Aufregung sorgt in Rüsselsheim auch der Müll - er nimmt überhand. Die Stadt muss die Polizei hinzuziehen.

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