Engagement

Was tun die Rüsselsheimer Integrationslotsen?

Mit einer Infoveranstaltung warb das Netzwerk der Rüsselsheimer Integrationslotsinnen- und Lotsen des Integrationsbüros am Dienstagabend im Rathaus um neue Aktive. Dabei stellten die Verantwortlichen ihre Arbeit vor.

„Ich habe viel im Ausland gearbeitet und habe gemerkt wie schwer es sein kann, sich in einem fremden Land zurecht zu finden“, erzählt Anne Sturm, die sich seit 2015 neben ihrem Beruf als Integrationslotsin engagiert. „Als ich wieder nach Deutschland kam und von dem Programm hörte, wusste ich sofort, dass möchte ich machen. Ich finde es wichtig fremden Menschen zu helfen, Deutschland besser kennen zu lernen und die Strukturen zu begreifen.“

Schon 2005 habe sich Rüsselsheim mit dem Thema Integration befasst, berichtet der Leiter des Interkulturellen Büros, Mostafa Lyazami am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung des Netzwerks der Rüsselsheimer Integrationslotsinnen- und Lotsen im Rathaus. Damals sei es vor allem um die Teilhabe an der Gesellschaft von Frauen mit Migrationshintergrund gegangen. Seit 2010 habe sich der Fokus auf die Gesamtgruppe der Neuzugewanderten verschoben. Im gleichen Jahr habe die erste Qualifizierung von damals 15 Personen als Integrationslotsen stattgefunden. „Wir bieten in diesem Jahr bereits die achte Qualifizierung an. In den letzten Jahren haben so rund 70 Personen die Schulung durchlaufen. Davon sind aktuell 20 aktiv“, informiert Lyazami.

Doch was müssen Integrationslotsen tun? Sie unterstützten Zuwanderer und Flüchtlinge bei sprachlichen Problemen, begleiteten sie bei Behördengängen und helfen ihnen, bis sie alleine in Deutschland zurechtkommen, fasst Mostafa Lyazami zusammen. „Sie sind dabei keine Sozialpädagogen und ersetzten keine behördlichen Einrichtungen im sozialen Bereich“, betont der Leiter des Interkulturellen Büros. Es gehe um Hilfe zur Selbsthilfe und nicht um eine dauerhafte Hilfe über mehrere Jahre. Lyazami macht deutlich: „Wir achten besonders darauf, dass Lotsinnen nicht als Übersetzer eingesetzt werden. Dafür gibt es andere Beratungsangebote in Rüsselsheim.“ Die Lotsinnen versuchten vielmehr die Sprachbarriere zu überwinden und beispielsweise zwischen einer Behörde und einer Person mit Migrationshintergrund zu vermitteln.

Zudem dürfe ein Integrationslotse nicht mehr als sechs Stunden in der Woche arbeiten. „Es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit, die wir mit einer Aufwandsentschädigung von 5 Euro pro Stunde honorieren“, erklärt Mostafa Lyazami und fügt hinzu: „Wir freuen uns über das Engagement der Lotsinnen und wollen dies durch die Aufwandsentschädigung deutlich machen.“

Vor allem bei den Sprechstunden für neu Zugewanderte würde dass das Team der Integrationslotsinnen eng zusammenarbeite, berichtet Lyazami. Es sei nicht so – wie beim Patenmodell – dass einer Lotsin oder einem Lotsen eine Familie oder eine Person zugewiesen werde. „Vielmehr arbeiten die Lotsinnen und Lotsen oft gemeinsam an den Fällen und unterstützen sich gegenseitig.“

Im Herbst werde vom 16. Oktober bis zum 18. Dezember eine neue Qualifizierung stattfinden, kündigt Lyazami an. „Die Schulung umfasst 34 Unterrichtsstunden und ist die Voraussetzung um ehrenamtlich als Integrationslotsin- oder Lotse tätig zu sein.“

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