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Im oberen Teil des Chausseehauses befinden sich Wohnungen, die Gaststätte steht seit Jahren leer.

Kultur in Rüsselsheim

Rüsselsheimer Künstler Sam Khayari will dem Chausseehaus neues Leben einhauchen

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Ein altes Gasthaus steht kurz davor, wiederbelebt zu werden. Zu verdanken ist das einem bekannten Rüsselsheimer Künstler, der daraus einen ganz besonderen Treffpunkt machen will. Wir haben uns im Chausseehaus umgesehen.

Rüsselsheim - Von der alten Einrichtung des Gasthauses zum Chausseehaus ist nichts mehr übrig. Die alte Bar und das Podest auf dem Boden wurden aus den seit etwa 17 Jahren leerstehenden Räumen des historischen Gebäudes unweit des Bahnhofs entfernt. „Der Gastraum soll großzügiger werden“, sagt Pächter Sam Khayari. Die alte Küche werde dafür deutlich verkleinert. Insgesamt stehen im Erdgeschoss, oben gibt es noch Wohnungen, um die 100 Quadratmeter zur Verfügung – inklusive einer kleinen Grünfläche, aus der ein Biergarten werden soll.

Statt selbst zu kochen, setzt Khayari auf Kooperationen mit dem Bistro Mitch und der Bäckerei Hofferberth. Eine Bar wird es freilich wieder geben. Doch der Fokus liegt nicht allein auf dem kulinarischen Angebot.

Schwieriger Begriff

Ab Mitte Juni, rechtzeitig zum Beginn des Kultursommers, soll das neue Chausseehaus zum Treffpunkt für Künstler und Kulturschaffende werden. Und für alle, die sich dafür interessieren. Den Begriff Kultur-Café findet Khayari indes schwierig. „Das hört sich so an, als ob man unter sich bleiben möchte. Aber das ist es nicht. Wir wollen unseren familiären Gedanken mit anderen teilen“, betont Khayari, der als Künstler selbst zuletzt mit der Culture Map auf sich aufmerksam gemacht hat.

Sam Khayari hat das Chausseehaus gepachtet.

Damit Kunst im Chausseehaus künftig angemessen präsentiert werden kann, werden die Wände als Ausstellungsfläche vorbereitet. Das beinhaltet eine spezielle Galerieaufhängung und Scheinwerfer, um sie ins rechte Licht zu rücken. Für Musikveranstaltungen sind ein DJ-Pult und eine Mischanlage vorgesehen. „So können Musiker einfach herkommen und ihre Instrumente anschließen“, erläutert Khayari. Eine Leseecke wird es auch geben. Lesungen, Ausstellungen, Konzerte, Poetry Slams – all diese Formate will Khayari im Chausseehaus beheimaten.

Nicht in Ruhe gelassen

Die Idee für das Projekt sei entstanden, als er im vergangenen Jahr im Zuge der Vorstellung der Culture Map auf der Suche nach Atelierfläche gewesen sei. Zunächst habe er versucht, im Opel-Altwerk Kontakte zu knüpfen.

Allerdings sei das erfolglos geblieben. Im F-Bau sei nicht das Richtige für ihn dabei gewesen. Doch am Ende eines Besichtigungsrundgangs sei er dann auf das Chausseehaus aufmerksam geworden. „Das hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen. Ich konnte mich noch an den großen Bierkrug an der Fassade erinnern, der dort hing, als ich ein Kind war.“

Er habe angefangen, sich Gedanken zu machen, wie man „das Ganze wieder interessant revitalisieren“ könnte. „Ich bin gereist, habe in anderen Städten viele Gaststätten mit ähnlichem Konzept gefunden – Wohnzimmerflair mit Kunst, die für jedermann zugänglich ist.“

Mit diesem Konzept sei er zum Eigentümer gegangen. Da habe es am Anfang Überzeugungskraft gekostet, überhaupt einen Termin zu bekommen. Als die beiden sich dann aber ausgetauscht hätten, habe dieser gesagt: „Ja, das fehlt noch.“

Der Pachtvertrag läuft Khayari zufolge über zehn Jahre. Seinen Job als IT-Berater wird er vorerst ruhen lassen. Zwar sei Gastronomie immer ein Hochrisikogeschäft, aber es gebe gute Beispiele, wo es funktionier. Außerdem habe er in den vergangenen Monaten viel Unterstützung von Freunden und Familie erhalten. „Ich denke, wenn das Angebot fair und die Qualität gut ist, funktioniert das“, ist er überzeugt.

Bis der Betrieb beginnt, will Khayari die Verwandlung des Chausseehauses in einem Internetblog dokumentieren. Zu finden ist der unter chausseehaus.net.

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