Grünanlage verwildert

Rüsselsheimer Lehrgarten liegt im Dornröschenschlaf

Im Januar 2015 löste sich der Obst- und Gartenbauverein Rüsselsheim auf. Zunächst kümmerten sich noch neun Pächter um ihre Parzellen im 4000 Quadratmeter großen Lehrgarten an der Kläranlage. Doch die Arbeit nahm überhand, so dass das Gelände schon vorzeitig an die Stadt zurückgegeben wurde.

Schmetterlinge und Bienen laben sich an den blühenden Pflanzen und Büschen auf dem Gelände des ehemaligen Lehrgartens des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Rüsselsheim. Johannisbeersträucher und Kirschbäume tragen noch immer ihre Früchte. Doch diese sind vertrocknet. Die Parzellen des Gartens sind verwildert, zeigen sich urwüchsig und werden langsam von Unkräutern vereinnahmt. Nachdem einige Pächter nach der Vereinsauflösung den Garten noch weiter gepflegt hatten, wurde auch der Garten schließlich zum 31. Dezember des vergangenen Jahres aufgelöst.

Vorher gab es noch einen Pflanzenflohmarkt, auf dem sich private Gartenbesitzer mit Gartengeräten und Pflanzen eindecken konnten. Da sei viel verkauft worden, erinnert sich Herbert Beisenkötter vom OGV. Ein Holztisch und zwei Holzbänke, die vorher in der Vereinshütte gestanden hatten, wurden vor einigen Tagen als Möbelspende an die Freiwillige Feuerwehr in Haßloch übergeben. Der Garten scheint in einer Art Dornröschenschlaf zu liegen. Gesundheit und Alter nennt Beisenkötter als Gründe für die Übergabe des Geländes ein Jahr vor dem offiziellen Termin. Allein die Kirschen und Johannisbeeren zu ernten, sei allein und ohne Helfer nicht zu meistern gewesen. „Bei manchen Sachen tut’ s schon weh, sie so zu sehen, wenn man weiß, wie es früher ausgesehen hat“, sagt er und blickt über den Garten, der in der Hitze flimmert.

Weiße und violette Hibiskussträucher stehen in voller Blüte. Ein Rosenbogen stützt die bereits vertrockneten Ranken. Es gibt noch vieles, was ausgegraben und im eigenen Garten neu angepflanzt werden könnte. Gerade die kleinen Kirschbäume würden einen Ortswechsel gut überstehen. Natürlich erst im Herbst. Oktober oder November wäre der geeignete Zeitpunkt für das Umpflanzen, weiß der ehemalige Gartenfachwart des OGV Rüsselsheim. Daher hofft Beisenkötter auf Interessenten, die sich bei ihm melden, um die Pflanzen abzuholen. Auch Pflanzsteine in verschiedenen Größen und Obstbüsche gäbe es noch. Ebenso zwei Gerätehütten und das Vereinshaus selbst, das an Interessierte abgegeben werden könnte. Denn irgendwann wird alles verschwinden, da die Stadt das Grundstück anderweitig nutzen wird. Angedacht war, dort den Standort für die fusionierten Betriebshöfe hinzuverlegen.

Auf Anfrage, was mit dem Gelände geschehen wird, informiert die Pressestelle der Stadt Rüsselsheim: „Das Gelände des Obst- und Gartenbauvereins wurde zwischenzeitlich an die Stadt übergeben. Zurzeit dient die Fläche der Bevorratung, bis geklärt ist, wie es mit dem Städteservice und dem Wertstoffhof oder einer möglichen Erweiterung der Kläranlage weitergeht.“ Zeit also, die eine oder andere Pflanze noch zu retten. Wer Interesse hat, kann telefonisch mit Herbert Beisenkötter unter (0 61 42) 5 56 54 Kontakt aufnehmen.

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