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Glücklich: Matthias Endres (3. von rechts) von der Firma Falter und seine Mitarbeiter freuen sich gemeinsam mit Michael Sander (2. von links) und den Ehrenamtlern der Rüsselsheimer Tafel darüber, dass der Grundstein für ein neues Kühlfahrzeug gelegt ist.

Tag des Ehrenamts

Wie ist die Rüsselsheimer Tafel organisiert?

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Die Rüsselsheimer Tafel braucht dringend ein neues Kühlfahrzeug. Wir haben uns zum Tag des Ehrenamts angeschaut, wie die Tafel organisiert ist.

Dienstagmorgen. In der Hans-Sachs-Straße, gegenüber der ehemaligen Zulassungsstelle, geht es geschäftig zu: Ein weißer Transporter fährt vor, Menschen steigen aus, laden aus, packen aus. Kaum ist der Wagen wieder abgefahren, kommt bald schon ein zweiter, ganz ähnlicher, und das Ganze beginnt von vorne.

Das ist das übliche Bild, dass bei der Rüsselsheimer Tafel von Montag- bis Donnerstagvormittag herrscht. Die Transporter bringen Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden. Im Gebäude sortieren ehrenamtliche Mitarbeiter seit früh morgens, ständig kommen neue Kisten. Darin: Obst, Gemüse, Käse, Wurst, Backwaren, sogar vegane Speisen. Ohne die zwei Lieferwagen käme nichts an.

Einer davon ist aber fast nicht mehr einsatzfähig: „Unser zweites Auto ist fast neun Jahre alt und hat gut 140000 Kilometer auf dem Buckel“, erzählt Michael Sander von der Tafel. Der zweite Wagen dagegen ist recht neu. Ein Glücksfall, durch den die Organisation den Movano von Opel vor zwei Jahren gespendet bekam. Ähnlich viel Glück, zumindest aber die Unterstützung von Privatpersonen oder Firmen in Rüsselsheim, erhofft sich Sander für den Ersatz des alten Wagens.

Es fehlt noch einiges

Ein neues Kühlfahrzeug, das den Transport frischer Lebensmittel ohne Unterbrechung der Kühlkette gewährleistet sei dringend nötig. Dass dafür viel Geld zusammenkommen muss, weiß Sander. Je nach Hersteller geht er von mindestens 30 000 Euro an Anschaffungskosten aus. „Dann kommen noch etwa 19 000 Euro für den Ausbau innen durch eine Spezialfirma dazu“, sagt er. Dazu gehört der Einbau einer Isolierung und einer Klimaanlage, die den Innenraum auf zwei bis zehn Grad herunterkühlen kann.

Einen ersten, bedeutsamen Schritt in Richtung Kühlfahrzeug hat die Firma Falter gerade getan. 2000 Euro hat Geschäftsführer Matthias Endres gespendet – Geld, das normalerweise in Weihnachtsgeschenke für Kunden fließt.

Fleißig: Die ehrenamtlichen Helfer sortieren die Backwaren, bevor die Kunden kommen.

„Uns geht es allen sehr gut“, weiß er. So viel Geld würde verschwendet. Durch die Firmenspende hofft er, einen Anregung für andere Unternehmen zu sein, es ihm gleich zu tun. Auch privat hat er Freunde überzeugen können, statt in Geschenke in die ehrenamtliche Arbeit der Tafel zu investieren.

Denn sie ist auf Spenden angewiesen – auch solche von den Supermärkten, die an vier Tagen in den Woche angefahren werden. Frische und haltbare Ware wird dort von einem Kernteam, das in Gruppen abwechselnd Dienst hat, abgeholt. Um 8.30 Uhr starten die Helfer, zwei bis drei Touren macht ein Kühlwagen pro Vormittag. Was die Supermärkte abgeben, ist in Grundsatzgesprächen festgelegt worden, grundsätzlich geht es aber darum, Lebensmittel zu retten.

„Was nicht mehr in den Verkaufsprozess kann, holen wir ab und bereiten es auf“, erklärt Sander. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine faule Mandarine aus einem Netz entfernt wird, die guten aber weitergegeben werden. Verarbeitete Speisen oder nicht industriell verpackte Lebensmittel werden nicht genommen.

2000 Menschen versorgt

Jeweils rund 140 Kunden versorgt die Tafel Dienstags und Donnerstags mit Lebensmitteln. „Wenn man die Personen im Haushalt, die an einem Kunde dranhängen, bedenkt, versorgen wir etwa 2000 Personen pro Woche“, sagt Michael Sander. Die Rüsselsheimer arbeiten mit einem einzigartigen Digitalsystem, das einen gerechten und geregelten Ablauf der Ausgabe garantiert.

Wer am Dienstag um 14 Uhr kommt, kommt beim nächsten Mal erst um 14.20 Uhr. So ist gewährleistet, dass nicht immer dieselben die volle Auswahl haben. Jeder Abholer bezahlt zwei Euro, weitere Fixeinkünfte hat die Tafel nicht – dafür aber Ausgaben.

„Die laufenden Kosten liegen bei bis zu 35 000 Euro“, weiß Sander. Die größte Position auf der Abrechnung nehmen dabei die Fahrzeuge und deren Instandhaltung ein. Gleichzeitig sind sie unabdingbar: Sie sind die Voraussetzung für das Funktionieren der Tafel und damit der Rettung von Lebensmitteln.

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