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Zum Internationalen Frauentag referieren Jasmin Khokhar (links) und Fakhar Ahmed über die Rechte der Frauen im Islam.

Religion

Frauen der Ahmadiyya-Gemeinde berichten von den Rechten der Frauen im Islam

Zum Internationalen Frauentag hatte die Ahmadiyya-Gemeinde Rüsselsheim-West zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Die Frauen haben überraschende Ansichten zum Thema Emanzipation.

Rüsselsheim - Es ist eines der markantesten Häuser Rüsselsheims. Hier, in der Hans-Sachs-Straße 5, soll heute eine Infoveranstaltung der Ahmadiyya-Gemeinde zum Thema Frauenrechte stattfinden. Im sechsten Stock des Gebäudes hat die Gemeinde Rüsselsheim-West einen Andachtsraum.

An der Haustür gibt es keine Klingel. Ein freundlicher Bewohner mit seinen Wochenendeinkäufen in den Händen öffnet die Tür und erklärt, dass die Klingelanlage schon lange kaputt sei. Auch einer der beiden Aufzüge streikt. Deshalb dauert die Fahrt nach oben einen Moment.

Am Ende eines langen Ganges ist die gesuchte Wohnung. Die zwei Räume sind mit rotem Teppich ausgelegt und sonst relativ leer.

Fünfmal am Tag können die Männer der Gemeinde hierherkommen, um ihr Gebet zu verrichten. Die Frauen täten das zu Hause, erklärt Asmara Saeed, die Beauftragte für den interreligiösen Dialog der etwa 200 Mitglieder zählenden Gemeinde. Drei weitere gebe es in Rüsselsheim, sagt sie. Abitur und Studium

Mit rund 1100 Mitgliedern sei Rüsselsheim Heimat einer der größten Ahmadiyya-Gemeinden in Deutschland. Die meisten Mitglieder seien aus Pakistan geflüchtet, weil sie dort verfolgt würden. 90 Frauen gehören in Rüsselsheim-West zur Frauenorganisation „Lajna Imaillah“. Ab dem Alter von 15 Jahren wird jede Frau dort automatisch Mitglied.

Eine davon ist Hafsah Ahmed. Die junge Frau ist in Iserlohn geboren, lebt aber seit der 5. Klasse in Rüsselsheim. Ihr Abitur hat sie an der Gustav-Heinemann-Schule gemacht, jetzt studiert sie in Frankfurt Mathematik und Deutsch auf Lehramt. „Ich bin immer gerne dabei, wenn es hier Veranstaltungen gibt“, sagt sie. Die Religion sei eine Stütze für sie, hier fühle sie sich wohl und könne sich mit den anderen Frauen austauschen.

Heute hat sie ihre Freundin Melisa Pepeljak mitgebracht. Die beiden 20-jährigen kennen sich seit der Schulzeit. „Ich bin auch Muslima, aber ich folge der sunnitischen Rechtsschule“, sagt Pepeljak. Anders als ihre Freundin trägt sie kein Kopftuch. Zwar würde sie das gerne tun, doch ihre Eltern seien dagegen, obwohl sie selbst gläubig seien, „sie haben Angst, ich könnte anecken“.

Auch die beiden Referentinnen studieren. Fakhar Ahmed, die über die Frauenrechte bei den Ahmadiyyas berichtet, ist 34, Mutter zweier Kinder und studiert Medizin. Die 22-jährige Jasmin Khokhar studiert Lehramt für die Grundschule. Sie gibt einen kurzen Abriss der Geschichte der Ahmadiyya-Religion.

Gegründet wurde die sehr junge Religionsgemeinschaft in den 1880er Jahren von Mirza Ghulam Ahmad, mittlerweile ist sein fünfter Nachfolger, Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, das Oberhaupt der Gläubigen. Belege im Koran

Schon im Islam seien die Frauenrechte ein fester Bestandteil gewesen. Vieles, was die Frauen im Westen in den vergangenen hundert Jahren erkämpft hätten, wie das Eigentums- und das Wahlrecht, sei schon viel länger ein Recht der muslimischen Frauen. Zur Bestätigung der Thesen werden Koranverse zitiert. Der Koran sei es auch, der das Tragen eines Kopftuches vorschreibe. „Es ist ein Gebot im Koran, und wenn man glaubt, muss man die Gebote verfolgen“, sagt Khokhar strikt.

Es gehe darum, seine Schönheit nicht zur Schau zu stellen und Distanz zu den Männern zu wahren. Die Geschlechtertrennung sei ein wichtiges Prinzip der Religion, Freundschaften zwischen Frauen und Männern seien nicht erwünscht. Die aktuelle MeToo-Debatte gebe ihnen recht, finden die Referentinnen. So lange Männer sich so verhielten, müssten die Frauen sich schützen vor deren niederen Instinkten.

Nach Ende des offiziellen Teils sind alle zu einem kleinen Büfett eingeladen. Margit aus Nauheim ist eine der wenigen nicht-muslimischen Frauen heute. Sie ist mit einer Frau aus der Gemeinde befreundet. Deren Essen sei immer köstlich, schwärmt sie. „Ich interessiere mich für andere Kulturen und bin offen für alles“, sagt sie. Dass die Frauen im Islam von Beginn an gleichberechtigt gewesen sein sollen, habe sie aber doch erstaunt.

von Maraike Stich

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