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Kein schönes Bild: Einweg-Kaffeebecher sind ein Problem ? auch an der Hochschule Rhein-Main.

Studie der Hochschule Rhein-Main

So kann das Abfallkonzept der Stadt funktionieren

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Studierende der Hochschule Rhein-Main haben untersucht, wie gut das Abfallkonzept am Standort Rüsselsheim funktioniert – und wie es verbessert werden kann.

Rüsselsheim - Papier und Restabfall – das ist die einzige Trennung, die an der Hochschule Rhein-Main in Sachen Müll erfolgt. Zwar stehen in den Fluren dreifach unterteilte Abfallbehälter – Papier, Verpackungen, Restmüll –, aber letztlich kommt, bis auf das Papier, alles in eine Tonne.

Ein Unding, finden Miriam Winklhofer, Linda Großmann und Vanessa Eschweiler. Die drei angehenden Ingenieurinnen für Umwelttechnik haben sich deshalb gemeinsam mit vier anderen Kommilitonen in einer Projektarbeit mit der Entwicklung eines nachhaltigen Abfallwirtschaftskonzepts beschäftigt.

Seperate Mülleimer für Bio-Müll erforderlich

„Das jetzige Konzept ist nicht optimal“, sagt Vanessa Eschweiler. Mit verschiedenen Maßnahmen sind sie vorgegangen, um Verbesserungsvorschläge zu finden.

Zunächst wurde selbst angepackt: „Eine Woche lang haben wir alle Mülleimer in einem Teil der Hochschule entleert, den Inhalt gewogen, danach sortiert und die einzelnen Müllarten noch mal gewogen“, erzählt Linda Großmann. Die Quote der Fehlwürfe sei wie zu erwarten hoch gewesen.

„Hier entsteht viel Biomüll, weil jeder hier in der Hochschule auch isst“, sagt Miriam Winklhofer. Davon lande aber alles im Restmüll, weil es keine separaten Eimer für Biomüll gibt – was letztlich ja auch egal sei, weil die vertraglich verpflichtete Gewerbeabfallsortieranlage der Hochschule nur in Papier und Restmüll trennt.

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Dazu komme, dass nur die Eimer auf den Fluren unterteilt sind. „In den Seminar- und Büroräumen gibt es meist nur einen Eimer“, so Winklhofer. Auf den Fluren gebe es zu wenige Abfalltrennsysteme, und so schmissen die meisten einfach alles in den einen Behälter im Seminarraum.

In einer Umfrage mit 287 Studierenden, Mitarbeitern und Lehrenden sei herausgekommen, dass gut 40 Prozent privat Mülltrennung betreiben, in der Hochschule aber nur 23 Prozent. „Die meisten fragen sich: Warum soll ich zu den Trenneimern laufen, wenn es doch sowieso alles verbrannt wird?“, erklärt Winkelhofer.

Auffällig sei weiterhin der hohe Anteil an weggeworfenen Einweg-Kaffeebechern im Müll gewesen. „Viele Studierende benutzen die immer noch, weil die Porzellantassen zu klein sind, sobald man Milch zum Kaffee nimmt“, weiß Professor Ursula Katharina Deister vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften. Sie hat die Arbeit betreut.

„Man muss beruflich kellnern, um das Getränk kleckerfrei in der Tasse zu transportieren“, sagt Linda Großmann. Außerdem könne man die Tasse nach 16 Uhr nicht mehr zurückgeben, da habe die Mensa geschlossen. Eine von den Öffnungszeiten unabhängige Rückgabestation gibt es nicht.

Den Becher selbst mitzubringen, ist aus Hygienegründen nicht erlaubt, umschütten sei aber nach dem Bezahlen möglich. „Da verbrüht man sich doch“, moniert Miriam Winklhofer. „Und es ist oft eine Riesensauerei“, ergänzt Linda Großmann.

Gäbe es diese Faktoren nicht, wären viele durchaus gewillt, auf Einweg-Becher zu verzichten – das macht die zweite Umfrage klar, an der sich 251 Personen beteiligt haben. 36 Prozent fänden es gut, wenn die Becher komplett abgeschafft würden, 50 weitere Prozent nur dann, wenn es ein geeignetes Mehrwegsystem gebe.

Kommunikation zur Lösung der Müll-Probleme schwierig

Mit dem Studierendenwerk Frankfurt, das die Mensa betreibt, lasse sich in diesem Punkt aber nicht reden, bemängeln die Studentinnen. „Das sind einseitige Gespräche, alle Vorschläge zur Verbesserung werden abgeschmettert“, so Winklhofer.

Was an der Uni Mainz mit einem Mehrweg-Pfandsystem über den externen Dienstleister „Con-Cup“ funktioniere, werde hier nicht mal in Erwägung gezogen. „Da besteht kein Interesse“, sagt Winklhofer ernüchtert.

Insgesamt liege es also in erster Linie nicht an den Abfallverursachern und Kaffeetrinkern. „Der Wille ist da, die großen Hürden müssen nur genommen werden“, folgert Vanessa Eschweiler.

Bezüglich der Abfalltrennsystems will Deister auch noch mal auf die Liegenschaftsverwaltung zugehen. „Das ist sicher eine Geldfrage, aber der Chef der Verwaltung hat sich den Bericht über das Projekt geben lassen. Ich glaube, da ist auch ein Wille, etwas zu verbessern“, sagt sie. Positives hat sich seit der Projektarbeit dennoch schon getan: Auf Anregung der Umfrageteilnehmer sei eine Sammelstation für alte Handys erfolgreich in Betrieb genommen worden.

Und die Rückmeldungen über die Kommentarfunktion der Umfrage seien durchweg konstruktiv gewesen. Endlich gehe das Thema mal jemand an, so der Tenor.

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