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Nur wenige Opelaner sprechen am Donnerstag mit den Kamerateams.

Stammwerk in Rüsselsheim

So reagieren die Opelaner auf die drastische Drosselung der Produktion 

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Opel muss wohl den nächsten Rückschlag verkraften: Die Produktion in Rüsselsheim soll drastisch gedrosselt werden. Die Stimmung vor dem Stammwerk spricht Bände. Und während der OB schweigt, wird der Landrat deutlich.

Rüsselsheim - Die Stimmung beim Schichtwechsel vor dem Opel-Werkstor 60 ist am Donnerstagmittag so eisig wie das Wetter. Zur Nachricht, die zuvor die Runde machte, wonach fast die Hälfte der Produktion in Rüsselsheim wegfallen soll, will sich kaum ein Arbeiter äußern. Die Gesten sind zum Teil eindeutig: „Bleibt weg“. Mancher, der doch mit den Reportern und Kamerateams spricht, scheint noch gar nicht im Bilde zu sein, was da in diesem Jahr auf ihn und seine Kollegen zukommt.

Nur noch 68 000 statt 123 000 Autos werden Gewerkschaftsinformationen zufolge in diesem Jahr produziert. Opel will die Zahlen nicht kommentieren und erntet dafür bisweilen scharfe Kritik (Mehr dazu auf Seite 7).

So ist es kaum verwunderlich, dass einige junge Männer, die am Donnerstag zur Spätschicht schreiten, mit „keine Ahnung“ und „davon habe ich noch nichts gehört“ antworten, als sie an den Reportern vorbeigehen. Nur einer bekennt, dass er Angst um seinen Job habe und berichtet, dass es Kollegen ähnlich gehe.

Drosselung fordert persönliche Schicksale

Auch die Reaktionen der Rüsselsheimer Stadtpolitik fallen zurückhaltend aus. Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) will sich zu Produktionsfragen bei Opel gar nicht erst äußern.

Opelaner am Donnerstagmittag beim Schichtwechsel an Tor 60.

CDU-Chef Thorsten Weber äußert sich wie folgt: „Ich möchte mich nicht an Spekulationen zu Opel beteiligen, solange keine Fakten auf dem Tisch liegen. Letztlich geht es hier um Arbeitsplätze und damit direkt verbunden um Menschen, Familien und persönliche Schicksale.“ Da sei es auch eine Frage des Respekts, „dass man so ehrlich ist, dass man als ehrenamtlicher Rüsselsheimer Kommunalpolitiker keinerlei Einfluss auf betriebswirtschaftliche Entscheidungen von PSA hat.“

SPD-Vize Frank Tollkühn zeigt sich besorgt, angesichts von „mehreren Einschlägen“, die es jüngst bei Opel gegeben habe. Damit spielt Tollkühn darauf an, dass der Autobauer im vergangenen Jahr auch die Zahl der Ausbildungsanfänger halbierte und sich von Teilen seines Entwicklungszentrums trennen will.

Politiker erinnern an Zusagen von Opel: keine betriebsbedingten Kündigungen 

Mit Blick auf die Produktion moniert Tollkühn, dass noch immer unklar sei, welches zweite Modell die Produktion des auslaufenden Zafira in Rüsselsheim ersetzt. Opel schulde seinen Mitarbeitern Offenheit. Die Politik könne lediglich an die Zusagen erinnern, die Opel gegeben habe, etwa die, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.

Im Kreishaus hat die neuerliche Hiobsbotschaft zu Opel Irritationen und Verärgerung ausgelöst. „Die Politik im Kreis weiß um die herausragende Bedeutung der Automobilindustrie für die Region und für den Kreis Groß-Gerau“, sagt Landrat Thomas Will (SPD). „Natürlich machen wir uns in der Kreisverwaltung bei dem drastischen Sparkurs in erster Linie Sorgen um die vielen Arbeitsplätze und insgesamt um den Automobilstandort in Rüsselsheim, in der größten Stadt des Kreises Groß-Gerau. Wir haben noch immer die Hoffnung nicht verloren, dass Opel nach der PSA-Übernahme doch wieder eine positive Entwicklung nimmt.“

Doch die Nachricht, dass Opel nun künftig erheblich weniger Autos produziert als ursprünglich anvisiert, stimme nachdenklich. Es sei bedauerlich, dass der Konzern auch zu Beginn des neuen Jahres nicht zur Ruhe kommt. Es sei „schlicht unerträglich“, dass die vielen zum Großteil hochqualifizierten Mitarbeiter wieder um ihre Jobs bangen müssten.

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