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Kunden in Rüsselsheim betroffen

Stromversorger DEG meldet Insolvenz an – Stadtwerke springen ein

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Das süddeutsche Unternehmen DEG war in Zahlungsnöte geraten und stellte die Stromlieferung ein. Das hat auch Folgen für Kunden in Rüsselsheim.

Rüsselsheim - Das Unternehmen Deutsche Energie GmbH (DEG) mit gut 50 000 Kunden und einst rund 100 Mitarbeitern war kurz vor dem Jahreswechsel in Zahlungsnöte geraten und wollte die Probleme zunächst in Eigenregie lösen. Doch daraus wurde nichts. Das Amtsgericht Heilbronn hat nun ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die Pleite betrifft auch Strom- und Gaskunden in Rüsselsheim. Es handelt sich um etwa drei Dutzend Haushalte, die den einst günstigen Tarif des Energiediscounters aus Süddeutschland wählten.

Diese Haushalte werden trotz der Pleite weder eine dunkle Stube noch eine kalte Heizung haben. Die Stadtwerke Rüsselsheim springen, wie gesetzlich vorgesehen, als Grundversorger ein. Die Energieversorgung ist somit weiter gesichert. Betroffen sind auch weitere Kunden im Kreis Groß-Gerau, die im Netzgebiet der Mainzer Netze und des Überlandwerks Groß-Gerau versorgt werden, wie ein Sprecher bestätigte. Wie viele genau, konnte man gestern auf Anfrage nicht mitteilen.

Drei Monate Ersatzversorgung

Maximal drei Monate erfolgt die Ersatzversorgung, in denen man zu einem neuen Anbieter wechseln kann. Möglicherweise haben diese Kunden allerdings nun das Problem, das sie bereits Vorauszahlungen an die DEG geleistet haben und ihr Geld nicht zurück erhalten. Zudem kommt der Grundversorgungstarif für die betroffenen DEG-Kunden teurer. „Der Hauptgrund dafür: Kunden, die in der Grund- und Ersatzversorgung sind, erfordern, wie der vorliegende Fall zeigt, in der Summe mehr Arbeit“, heißt es in einer Mitteilung der Stadtwerke.

Grund für Insolvenz

Zur Insolvenz der DEG führte Ende vergangenen Jahres die Entscheidung großer Übertragungsnetzbetreiber wie Tennet, dem Stromverkäufer wegen ausstehender Zahlungen zu kündigen. Nach Darstellung von Tennet hat die DEG es trotz mehrfacher Aufforderung versäumt, die anfallende Ökostrom-Umlage an den Netzbetreiber zu zahlen. Die Deutsche Energie konnte deshalb die eigenen Kunden nicht mehr mit Strom und Gas beliefern.

Diese Kündigung war aus Sicht der DEG „völlig unnötig, da dadurch ein beachtlicher wirtschaftlicher Schaden für Kunden, Netzbetreiber, Mitarbeiter, Vertriebspartner und für den gesamten Energiemarkt Deutschlands entsteht“, schrieb das Unternehmen damals. Bei Tennet sah man den Vorgang entsprechend anders. „Der Übertragungsnetzbetreiber nutze lediglich die gesetzlichen Rechte und wende den Schaden zu Lasten der Verbraucher ab“, erklärte eine Tennet-Sprecherin.

Unternehmen in Erlenbach

Das Unternehmen mit Sitz im 5000-Einwohner Örtchen Erlenbach in Baden-Württemberg belieferte Kunden im gesamten Bundesgebiet mit Strom, darunter auch die Hamburger Elbphilharmonie, den Deutschen Bundestag oder die Stadt Erfurt. In Mannheim sind laut Medienberichten knapp 200 Kunden betroffen, darunter sowohl Haushalte als auch Unternehmen.

Auch im Sponsoring-Bereich tat sich das Unternehmen hervor und unterstützte nach eigenen Angaben als Hauptsponsor die deutschen Volleyball-Nationalmannschaften. Bis 2015 trug die DEG den Namen Envitra und änderte den Namen, um „eine zweite Marke am Markt zu etablieren“.

Das Unternehmen um Geschäftsführer Tillmann Raith wurde in der Zeitschrift Finanztest 10/2013 als „unseriös“ bezeichnet. Raith selbst, der zuvor in der Telekommunikationsbranche und im Online-Vertrieb tätig war, fiel dort laut Presseberichten mit zweifelhaften Praktiken auf.

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