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Bei den meisten Anbietern hat eine Säule zwei Ladepunkte, manchmal auch drei, mit denen also mehrere E-Autos gleichzeitig aufgeladen werden können.

E-Mobilität

Zahl der Ladepunkte für E-Autos wächst rasch

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Bis 2020 sollen 1300 E-Ladepunkte in Rüsselsheim am Straßenrand, auf Parkplätzen und öffentlichem Gelände errichtet werden. 72 Einwohner werden sich dann eine Steckdose teilen – das wäre die größte Ladepunkt-Dichte in der EU. Aber auch in anderen Städten treibt man die Entwicklung des Ladenetzes voran, wie im letzten Teil der Serie zu „Rüsselsheim wird elektrisiert“ aufgezeigt werden soll. Beispielsweise in Oslo.

Rüsselsheim  - Hamburg ist mit bisher 785 öffentlich zugänglichen Ladestationen für Elektroautos Spitzenreiter in Deutschland. Das geht aus einer neuen Erhebung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor. Dahinter folgen Berlin mit 743 Ladepunkten, München (392), Stuttgart (382) und Düsseldorf (209). Bei den Bundesländern liegt Bayern (2715) vor Nordrhein-Westfalen (2345), Baden-Württemberg (2205), Hessen (1179) und Niedersachsen (1172).

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Der Durchbruch der Elektromobilität könne erst gelingen, wenn die Automobilindustrie „endlich Modelle auf den Markt bringt, die in Preis und Leistung mit Verbrennern konkurrieren können“, so BDEW-Geschäftsführer Stefan Kapferer.

Weil mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge zuhause oder am Arbeitsplatz stattfinden, sei es außerdem wichtig, dass der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur erleichtert wird: „durch den Abbau rechtlicher Hürden sowie finanzielle Anreize“, forderte Kapferer. Wer ein Elektroauto als Dienstwagen auch privat nutzt, kann ab 2019 mit Steuervorteilen rechnen – auf diese Weise soll die Nachfrage stärker steigen.

Vorzeigeland in Sachen E-Mobilität ist Norwegen

Beim Rüsselsheimer Autobauer Opel will man bekanntlich in diesem Jahr einen entscheidenden Schritt nach vorne gehen in Sachen Elektromobilität. 2019 will das Unternehmen mit einer e-Version des kleinen „Corsa“ den Markt aufmischen. Auch der Mokka X kommt als rein elektrisches Modell, alle anderen Modelle sollen folgen. Opel-Chef Michael Lohscheller hat sich Skandinavien als Vorbild genommen. Dort „wollen die Kunden den Fortschritt und verlangen nach E-Autos“, sagt er.

Norwegen ist das Elektro-Vorzeigeland Europas – jeder dritte Neuwagen fährt dort elektrisch. Der Run auf die Stromer ist so groß, dass bereits zu wenig Ladesäulen zur Verfügung stehen.

Die Elektro-Lobby riet sogar dazu, sich erst einmal nur dann ein E-Auto zu kaufen, wenn man dafür einen privaten Stellplatz mit eigener Lademöglichkeit hat. Die Kommunen sind teilweise mit der rasanten Entwicklung überfordert. Die öffentliche Infrastruktur kommt nicht mit. Und dabei kommt in der norwegischen Hauptstadt Oslo laut Berechnung des Center of Automotive Research (CAR) bereits eine öffentliche Ladesäule auf 488 Einwohner. In Amsterdam sind es 650 Einwohner pro öffentlicher Säule. Beides sind Spitzenwerte, wenn man es mit Deutschland vergleicht.

Das größte Problem in Oslo: 60 Prozent der Osloer Bevölkerung leben in Wohnungen und nicht in einem Einfamilienhaus mit Garage, in der sie ihren Wagen über Nacht aufladen können. Wohnungsbaugenossenschaften und große Vermieter sollen ihre Parkgaragen deshalb möglichst mit Steckdosen ausstatten.

Auch fürs E-Fahrrad können die Ladestationen in Rüsselsheim genutzt werden

Die Anzahl der Ladestationen einfach zu vergrößern, wird aber dort auch nicht alle Engpässe lösen können. Das System soll effektiver werden. Schon jetzt denkt man darüber nach, dass es auch viel besser wäre, auch Möglichkeiten zum Aufladen von E-Fahrrad, E-Motorrad, E-Scooter und so weiter zu schaffen.

Hierzulande ist man davon noch weit entfernt. Insgesamt gibt es in Deutschland inzwischen mehr als 16 100 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte. Das sind 2600 oder 20 Prozent mehr als noch Mitte des Jahres. Erfasst werden Ladesäulen etwa von Energieunternehmen, Parkhaus- und Parkplatzbetreibern, Supermärkten und Hotels. In der Zahl nicht enthalten sind private Lademöglichkeiten.

Rein rechnerisch kommen demnach bei derzeit knapp 160 000 gemeldeten Elektro- und Hybridautos, die auch an der Steckdose aufgeladen werden können (Plug-in), etwa zehn Autos auf jeden Ladepunkt. Diese Quote entspricht der Empfehlung der Europäischen Kommission. Der BDEW hatte Ende Juni 13 500 Ladepunkte erfasst, ein Jahr zuvor waren es laut Verband lediglich 10 700.

Auch die Stadt Frankfurt will das Thema E-Mobilität voranbringen und dazu das Netz von Ladesäulen erweitern. Es gebe deutlichen Bedarf im Bereich der Lade-Infrastruktur, sagte der zuständige Abteilungsleiter bei der Frankfurter Wirtschaftsförderung, Ansgar Roese.

Taxi- und Bus-Unternehmen sollen auch auf E-Mobilität setzen

Derzeit werde nach geeigneten Standorten gesucht, zudem liefen Gespräche mit potenziellen Investoren. In der Stadt gibt es seinen Angaben zufolge insgesamt 49 Standorte mit knapp über 100 Lademöglichkeiten. In dem bundesweiten Ranking tauchte die fünftgrößte Stadt nicht einmal unter den Top Ten auf, dafür aber Aachen und Ingolstadt.

Eine Schnellladesäule koste mindestens 40 000 Euro, um hierfür Geldgeber zu finden, brauche es den entsprechenden Bedarf, sagte Roese. Aktuell sind seinen Angaben zufolge 953 rein batteriebetriebene Fahrzeuge mit E-Kennzeichen in der Stadt unterwegs. Hinzu kommen 825 Hybrid-Fahrzeuge, die mit Batterien und herkömmlichem Motor fahren.

Neben der Taxi-Branche versucht Frankfurt in weiteren Bereichen wie etwa Handwerksbetrieben sowie Paket- und Pflegediensten, die E-Mobilität voranzutreiben, unter anderem auch im öffentlichen Busbetrieb und bei der Müllabfuhr. Landesweit gibt es zahlreiche weitere Projekte, auch die hessische Polizei fährt mit ersten E-Fahrzeugen.

Speziell für Taxis werden in Frankfurt Standorte für Schnell-Ladestationen geprüft. Ein Projekt, insgesamt 50 E-Taxen auf den Frankfurter Straßen zu haben, sei in der Vorbereitung. Bisher sind es nach Angaben der Frankfurter Taxi-Vereinigung insgesamt drei. ok/dpa

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