Noch nicht viel los: Im Anmeldebereich werden die Daten der zu Impfenden und Fragen zum Gesundheitszustand beantwortet. Foto: Ittmann
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Noch nicht viel los: Im Anmeldebereich werden die Daten der zu Impfenden und Fragen zum Gesundheitszustand beantwortet.

Kreis Groß-Gerau

Ruhiger Start im Impfzentrum

Eine festgefrorene Schranke und kurzzeitiger Stromausfall waren nur kleine Hindernisse: Dann lief es wie geplant: 115 Menschen nehmen am ersten Tag ihre Termine für den Pieks gegen das Virus wahr.

Nur wenige Sekunden dauert der entscheidende Moment im Impfzentrum an der Martin-Buber-Schuler. Die 85 Jahre alte Rosemarie Port aus Trebur ist dort eine der ersten, die die Spritze mit dem Vakzin gegen das Coronavirus verabreicht bekommt. "Das ging ganz schnell und war auch nicht schlimm", sagt Port beim Verlassen des Impfzentrums.

Länger habe sie hingegen auf einen Termin warten müssen. "Die Vergabe war sehr chaotisch", berichtet Jörg Port, der seine Mutter zum Impftermin nach Groß-Gerau begleitet. Erst im sechsten Anlauf konnte er seine Mutter anmelden. Dass sie sich impfen ließ, stand für Rosemarie Port außer Frage. "Macht man es nicht und man bekommt's, macht man sich nur Vorwürfe", sagt sie. "Und gespürt habe ich auch nichts", zeigt sie sich erleichtert. Ohnehin schildert sie die Atmosphäre im Impfzentrum als sehr ruhig und angenehm. "Es wahr ja fast nichts los."

Für den Anfang sei das auch so gewollt, sagt Erster Beigeordneter Walter Astheimer (Grüne) bei einem Pressetermin. 115 Termine hatte man für den ersten Tag am Impfzentrum in Groß-Gerau vergeben. "Und es zeigt sich, dass das Impfzentrum unter Einsatzbedingungen funktioniert", ergänzt Landrat Thomas Will (SPD).

Kleinere Pannen am Morgen

Allerdings mit kleineren Abzügen in der B-Note, wie Impfzentrumsleiter Andreas Franz berichtet. "Heute morgen ist alles erst einmal in die Grätsche gegangen", sagt er. Das habe allerdings keinen Einfluss auf die Impfungen gehabt. Vielmehr sei eine Schranke festgefroren, die den Einbahnverkehr regelt, und ein kurzzeitiger Stromausfall habe dazu geführt, dass die Software zum Erfassen der Impflinge vorübergehend nicht funktionierte. Sogar 30 zusätzliche Personen, die außerhalb der Terminierung erschienen waren, konnten geimpft werden. "Dafür haben wir kurzfristig 30 zusätzliche Impfdosen geliefert bekommen", so Franz. Das sei aber eine Ausnahme.

In den kommenden Wochen soll dann die Schlagzahl erhöht werden. Während bis zum 2. März täglich 120 Personen geimpft werden, sollen danach jeden Tag 160 Menschen zur Erst- und 120 zur Zweitimpfung nach Groß-Gerau kommen. Damit hat das Impfzentrum in den Sporthallen der Martin-Buber-Schuler aber noch längst nicht seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Das sei für 1300 Menschen pro Tag ausgelegt, so Will. Bislang reiche die Terminplanung bis Ende Mai, berichtet Impfzentrumsleiter Franz. Bis zu welcher Prioritätsgruppe man bis dahin gelangt ist, könne er noch nicht abschätzen. Vielmehr vermutet er, dass es einen fließenden Übergang geben wird. Zunächst können nur Personen der Prioritätsgruppe eins einen Termin vereinbaren. Das sind laut Impfverordnung Menschen über 80 Jahre sowie das Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten.

Wöchentlich zwei Lieferungen

Im Impfzentrum selbst wird der Impfstoff von Biontech/Pfizer verabreicht. Der lagert bei etwa -70 Grad Celsius auf Trockeneis und wird von Apotheker Fritz Klink gemischt. Daneben stehen dem Impfzentrum 700 Dosen des Vakzins von Astra Zeneca zur Verfügung. Damit würde jedoch nur das Klinikpersonal der Prioritätsgruppe eins geimpft werden. Die Lagerung des Wirkstoffs gestalte sich bei 2 bis 8 Grad Celsius hingegen wesentlich leichter. Hinzu kommen 200 Dosen des Moderna-Impfstoffs, mit dem die Pflegeheime bedacht werden. "Die Dosen sind personell genau zugewiesen. Wöchentlich werden wir zweimal beliefert, so dass eine ständige Ausgabe stattfindet", erläutert Franz.

Gegen Mittag zeichnet sich ein ruhiger und fließender Betrieb in den umgebauten Sporthallen ab. Verantwortlich dafür sind die 25 Ärzte, Assistenten und Helfer, die am Dienstag erstmals gemeinsam im Einsatz sind. "Momentan arbeiten wir noch mit der doppelten Anzahl der benötigten Kräfte. So können die Mitarbeiter in der ersten Woche die Abläufe lernen", berichtet Franz. Um die Einstellungen für den Kreis hat sich die Dienstleistungsagentur mfs Rettungsdienst gGmbH aus Kelsterbach gekümmert. Rund 1500 Bewerber hätten sich bei ihnen gemeldet. "Die Bereitschaft zur Unterstützung war sehr groß", sagt der stellvertretende Leiter Jochen Melchior erfreut. Somit sei das Impfzentrum personell gut abgedeckt. Komplett ausgelastet könnten so 50 Mitarbeiter in drei Schichten von 7 bis 22 Uhr eingesetzt werden. Im Moment hat das Impfzentrum vorerst von 9 bis 18 Uhr geöffnet, wird die Zeiten aber bei Bedarf erweitern. Dass es dazu kommen wird, hofft zumindest Walter Astheimer. Denn er hätte sich gewünscht, mit deutlich mehr Impfungen starten zu können. Von Johanna Thaben

Die Leitung des Impfzentrums weist darauf hin, dass über die Einrichtung keine Termine vereinbart werden können und auch Anfragen nicht beantwortet werden. Terminvereinbarungen für Impfungen sind möglich unter den Rufnummern 116 117 sowie 0611 - 50 59 28 88, außerdem im Internet auf www.impf terminservice.hessen.de.

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