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Udo Hinn steht neben seinem Kürbisfeld samt grünem Randstreifen.

Subvention

Die Sache mit dem Greening

Wegen einer EU-Reform müssen Landwirte Teile ihrer Felder begrünen und können dort keine Pflanzen sähen. Udo Hinn, Landwirt in der Hessenaue, beschreibt seine Erfahrung mit dem „Greening“.

Von MANUELA WITTKAMP

Bei einer Fahrt mit offenen Augen durch die Landschaft sind seit Beginn des Jahres Veränderungen an den Äckern und Feldern auffällig: Plötzlich wurden bei manchen Äckern nicht mehr die gesamten Flächen mit den jeweiligen Kulturpflanzen eingesät, sondern am Rand breite Grünstreifen angelegt oder andere Pflanzen gesät. Der Grund dafür ist die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union.

Deutschland setzt diese Reform mit dem sogenannten Greening um. Dabei geht es um die Umverteilung des Fördergeldes für die Landwirtschaft, wobei etwa ein Drittel des Geldes nun für eine ökologischere Landwirtschaft gezahlt wird. „Ob der Nutzen für die Natur dadurch so groß ist, wie erwartet, weiß ich nicht. Aber der Verwaltungsaufwand ist unglaublich hoch“, beschreibt Landwirt Udo Hinn seine Erwartungen und Erfahrungen mit dem „Greening“.

Mit Hilfe eines komplexen Systems können die Landwirte genau errechnen und planen, was sie wann und wo pflanzen können, um die größten Subventionen zu erhalten. Natürlich ist das mit einem hohen bürokratischen Aufwand nicht nur für die einzelnen Landwirte verbunden, die mit den Subventionen finanziell entlohnt werden. Die Verwaltungsstellen der Länder und des Staats werden erst in der Zukunft sehen, ob sich dieser Aufwand gelohnt hat und die angestrebten Ziele erreicht werden.

Auch sonst steigt der Aufwand. Da die Ackerrandstreifen meist später als die Hauptfrucht ausgesät werden, muss der Landwirt die Flächen ein zweites Mal anfahren. Erst nach dem 1. Juli des Jahres dürfen Flächen diese dann weiter bearbeitet werden.

Jeder Landwirt kann sich entscheiden, ob er bei diesem System des „Greenings“ mitmachen will oder auf Subventionen verzichtet. Für den Einzelnen bedeutet dies im Normalfall, dass er fünf Prozent seiner Ackerfläche als „ökologische Vorrangflächen“ zurückbehält und entweder nicht bewirtschaftet oder mit anderen Pflanzen bestellt. Dabei sind nur die ohnehin von Kiesanbau, Bebauung, Aufforstung oder Straßenbau immer weiter dezimierten Ackerflächen vom „Greening“ betroffen. Möchte der Landwirt etwas von den Subventionen der EU bekommen, muss er mitmachen. Jedoch zeigt die Erfahrung auch, dass die Flächenprämie insgesamt weniger wird.

Einige Landwirte in Trebur haben sich dem System angenommen und sind damit erfolgreich. Da es sich um ein komplexes System handelt, das erstmal verstanden werden muss, ist einige Hilfe sinnvoll. So bietet sich die gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden an: Der Landwirt hat zwar bürokratischen und weiteren Aufwand, jedoch können Unstimmigkeiten auch mal am Telefon geklärt werden, bevor es zu offiziellen Schritten kommt. „Wenn die Mitarbeiter der Behörde merken, dass man ihnen wohlgesinnt ist, reagieren sie auch positiv auf die Wünsche und manche Versehen der Landwirte“, so Hinn.

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