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Gelb angemalter Stahl: So sehen die Pfandringe aus.

Politik

Für Sammler: SPD will Pfandringe an Abfalleimern

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In anderen Städten gibt es sie schon: Pfandringe an Abfalleimern. Sie sollen es den Flaschensammlerin erleichtern, an das Gut zu kommen. Die SPD schlägt die Idee jetzt für Rüsselsheim vor.

Um ihr Einkommen aufzubessern, sammeln viele bedürftige Menschen Flaschen. Zwischen 8 und 15 Cent Pfand gibt es für Mehrwegflaschen, bei Einwegflaschen sind es sogar 25 Cent. Suchen müssen die Sammler mitunter dort, wo Menschen, denen es anscheinend finanziell besser geht, das Leergut entsorgt haben: im Müll.

Wenn es nach der SPD geht, wird das „entwürdigende Wühlen“ im Müll in Rüsselsheim bald der Vergangenheit angehören. Die Sozialdemokraten bringen in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten (ab 18 Uhr im Rathaus) einen Antrag ein, der zunächst das Anbringen mindestens zehn sogenannter Pfandringe an der Außenseite öffentlicher Abfalleimer in der Stadt vorsieht. Nach einem Jahr soll dem Antrag zufolge geprüft werden, ob es sinnvoll ist, die Flaschenhalterungen flächendeckend einzuführen. Mit ihnen ließen sich Pfandflaschen unterwegs abstellen, ohne dass sie im Müll selbst landen. Sammler müssten sich nicht mehr die Hände schmutzig machen. Beziehungsweise könnten sie dann, wie es im SPD-Antrag heißt, „einfacher, sauberer, sicherer und ohne die für sie oftmals öffentliche, demütigende Situation dem Sammeln von Pfandflaschen nachgehen“.

Zudem würden Glas und Plastik so im Wertstoffkreislauf bleiben, statt vernichtet zu werden. Auch könne die Einführung von Pfandringen geeignet sein, einen positiven Beitrag gegen die „zunehmende Vermüllung“ öffentlicher Anlagen und Plätze in Rüsselsheim zu leisten. Bislang seien in vielen deutschen Städten Pilotprojekte zur Erprobung der Ringe gestartet worden, in der Region zuletzt etwa in Hofheim.

Trotz der von der SPD genannten Vorteile stößt der Vorschlag teilweise auf harsche Kritik. Auf der Internetplattform Facebook hat Boris Trautwein, der frühere Wahlkampfmanager des letztlich erfolglosen Oberbürgermeisterkandidaten Joachim Walczuch (WsR), in einem Beitrag über den Antrag gespottet: „Als nächster Schritt soll durch eine Erhöhung des Flaschenpfandes auf 50 Cent auch die Altersarmut beseitigt werden.“ Anschließend kritisiert er unter anderem das Beispiel Hofheims.

Der Kommentar eines anderen Nutzers geht in eine ähnliche Richtung. Der Staat, so schreibt er, ziehe sich aus der Verantwortung. Private Personen oder Gesellschaften sorgten für das Leben von Bürgern. Dieser Ansatz sei falsch, denn es garantiere keine konstante Lebensgrundlage.

Die Idee des Pfandrings geht auf den Kölner Designer Paul Ketz zurück. Der gelbe Ring aus Stahl ummantelt dabei den jeweiligen Abfalleimer. „Menschen mit unterschiedlichsten sozialen Hintergründen sammeln Pfandflaschen, um sich ein Zubrot zu verdienen. Dafür müssen sie in die Mülleimer greifen, in denen sich neben Speiseresten auch Scherben, Spritzen oder Tüten mit Hundekot befinden können“, beschrieb der 25-jährige Designer sein Projekt einst.

2012 hatte er dafür den Nachwuchsdesignerpreis „ecodesign“ erhalten. Ihm gehe es auch darum, dass „Flaschen und Dosen im Recyclingkreislauf bleiben und nicht mehr verbrannt werden“. Das bedeute weniger Kosten, einen geringeren CO2-Ausstoß durch weniger fälschlich verbrannte Wertstoffe und einen geringeren Reinigungsaufwand für die Stadt.

Der Preis für den Pfandring variiert stark. Einzelne Modelle zu Testzwecken kosten schon mal um die 650 Euro, weil sie einzeln angefertigt werden. Als die Stadt Köln beispielsweise einst den Pfandring einführen wollte, lag der Preis bei einer Abnahme von zehn Stück zwischen 160 Euro und 210 Euro, je nach Mülleimermodell, da er in Serie produziert wurde.

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