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Gemeinde soll mehr für Kinder tun

Sanierung der Spielplätze - Bürger und Fraktionen kritisieren Untätigkeit der Verwaltung

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Zweieinhalb Stunden diskutierten Bürger und Gemeindevertreter von GLT, SPD und FW über Themen, die die Gemeinde bewegt – wie die Sanierung der Spielplätze in Geinsheim.

Mit so viel Andrang hatte die GLT-Fraktionsvorsitzende Sonja Mars am Dienstagabend nicht gerechnet. Die Grüne Liste Trebur hatte in den Fritz-Treber-Saal im Eigenheim zur öffentlichen Fraktionssitzung eingeladen. Rund 20 Bürger waren gekommen, auch Kollegen aus der Gemeindevertretung wie der SPD-Parteivorsitzende Willi Rühl und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler (FW) Rüdiger Lukas waren der Einladung gefolgt.

Die Fraktion informierte unter anderem über die Spielplatz-Situation in der Großgemeinde, vornehmlich im Ortsteil Geinsheim, wo sich seit August eine Elterninitiative unter anderem für den Erhalt und die Sanierung der Spielplätze in der Jahnstraße und Gutenbergstraße einsetzt. Es zeigte sich: Der Frust bei den Bürgern ist nach wie vor groß, obwohl die Gemeindevertretung den Verkaufsbeschluss mittlerweile rückgängig gemacht hat.

„Warum hat die Gemeinde in 30 Jahren nicht geschafft, was die Elterninitiative in Monaten erreicht hat?“, fragte Fiona Mirza von der Elterninitiative. Denn die engagierten Geinsheimer haben in den vergangenen Wochen auf eigene Faust Sponsoren gesucht und gefunden, die Spielgeräte für die Plätze kaufen wollen, das teilte Sprecherin Inge Schneider an dem Abend mit. Ihr Ziel und das ihrer Mitstreiter ist es, im nächsten Jahr wieder vier Spielplätze in Geinsheim nutzen zu können, einer davon speziell für Kleinkinder.

Das Schlagwort heißt „Bespielbare Stadt“. Jüngst hatte Professor Bernhard Meyer von der Evangelischen Fachhochschule in Darmstadt bei einem Infoabend über sein Konzept gesprochen, das in Griesheim erfolgreich umgesetzt wurde und auch in Trebur Anklang findet. Die Idee: Unter Beteiligung der Kinder werden für sie wichtige Orte wie Schulen und Spielplätze durch ein Netz sicherer Wege verbunden, die zusätzlich durch Spielobjekte aufgewertet werden.

Inge Schneider war mit ihrer Enkeltochter extra nach Griesheim gefahren, um sich die bespielbare Stadt anzusehen. „Wir waren auf einem traumhaften Waldspielplatz mit Klettergeräten, Volleyballfeld und Tischtennisplatten“, schwärmte sie. Anschließend testeten die beiden den Generationen-Aktiv-Park; auch er sei hervorragend ausgestattet, aber „es war niemand da“. Ein Überangebot an Spielmöglichkeiten sieht Schneider deshalb kritisch, genauso wie die Spielgeräte an Straßen und Wegen, die die Kinder beispielsweise auf ihrem Schulweg kaum nutzen könnten, weil ihnen die Zeit zum Spielen fehle. „Die Sanierung der Spielplätze ist erst einmal wichtiger“, lautete ihr Fazit.

Die Anwesenden wunderten sich, wie die Anlagen über viele Jahre so stark verkommen konnten. „Eine Reparatur kostet schließlich weniger, als neue Geräte zu kaufen“, wirft ein Bürger ein und erntet Kopfnicken von seinen Sitznachbarn. Heruntergekommen ist auch der Spielplatz Mainstraße. Anwohner wollen wissen, wie es mit dem Platz weitergeht, ob der Verkaufsbeschluss bestehen bleibt. Sonja Mars informierte: „Der Verkaufsbeschluss sollte bestehen bleiben, weil er nicht Teil des Antrags ist und früher beschlossen wurde.“

Auch dieser Spielplatz sollte vor etwa zwei Jahren einem privaten Wohnungsbauprojekt weichen. Bis heute ist das Grundstück unbebaut. Es heißt, eine Bebauung sei nicht möglich, weil wichtige Versorgungsleitungen unterirdisch verlaufen. Der Investor habe das Projekt einstellen müssen. Angaben von offizieller Stelle gibt es jedoch keine.

Die Familie hätte, anders als die Geinsheimer Elterninitiative, eine Bebauung begrüßt. „Der Spielplatz wurde zweimal hergerichtet, jedes Mal haben ihn die Jugendlichen zerstört“, klagte der Anwohner. Wegen Vandalismus und Ruhestörung habe er schon öfters die Polizei gerufen – ohne Erfolg. Nun verwildere auch diese Anlage; die verbliebenen Spielgeräte wachsen zu, Ruhebänke stehen dort keine mehr, die Beutelspender für Hunde seien zerstört und später ganz entfernt worden. „Früher war es dort sehr schön“, erinnerte sich der Mann, der seit mehr als 40 Jahren in der Weichselstraße wohnt.

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