Udo Biebel wie er sich am liebsten präsentiert: Hinter der Theke seiner Verkaufsstände. Die ganze Arbeit alleine stemmen kann er aber natürlich nicht. archivFOTO: sura
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Udo Biebel wie er sich am liebsten präsentiert: Hinter der Theke seiner Verkaufsstände. Die ganze Arbeit alleine stemmen kann er aber natürlich nicht. (Archivfoto)

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Weihnachtsmärkte in Rüsselsheim: Schausteller mit Absage - „Tut mir in der Seele weh“

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Der Buden- und Fahrgeschäftsbetreiber Udo Biebel findet kein Personal und muss jetzt sogar Weihnachtsmärkte absagen. Doch nicht nur das schmerzt ihn.

Rüsselsheim – Die Adventszeit steht vor der Tür und dies bedeutet: Derzeit beginnen wieder die Weihnachtsmärkte. Einer jedoch wird zumindest in Rüsselsheim nicht mit dabei sein: Schausteller Udo Biebel. "Es tut mir als Rüsselsheimer wirklich in der Seele weh, aber ich musste unsere Teilnahme an den Weihnachtsmärkten in Königstädten und Alt-Haßloch absagen", sagt Biebel.

Der Grund: Biebel findet schlichtweg nicht genug Personal. "In normalen Jahren hätte ich acht bis neun Leute. In diesem Jahr sind es zwei", schildert er seine Situation. Damit sind es einfach nicht genug, um alle Standorte aus den "normalen" Jahren zu betreuen und die Attraktionen dort aufzubauen.

Daher musste er kürzen. "Und da die anderen beiden Weihnachtsmärkte in Neustadt an der Weinstraße und Nauheim vier Wochen lang laufen und wir daher nur einmal aufbauen müssen, rechnet es sich einfach mehr, als die Zwei-Tages-Veranstaltungen in Königstädten und Haßloch", erklärt Biebel. Diese Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, doch es habe einfach keine andere Möglichkeit gegeben.

Schausteller sagt schweren Herzens Weihnachtsmärkte ab – auch in Rüsselsheim

Auch die Anfragen von anderen Weihnachtsmärkten habe er schweren Herzens absagen müssen. "Das waren so um die neun Stück, aber es geht halt einfach nicht", sagt Biebel.

Auf die Frage, ob sich das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr lohne, lacht er kurz. "Das ist wie in eine Glaskugel zu schauen, wenn ich das wüsste, würde ich Lotto spielen", meint der Schausteller.

Und dies hänge nicht nur davon ab, dass es in diesem Jahr sehr schwer zu kalkulieren sei, was man alles verkaufen könnte. Man wisse vor allem nicht, was kommt. "Die Corona-Regelungen können sich ja noch ändern. Schlimmstenfalls baue ich morgen in Neustadt auf und darf am Montag wieder abbauen", ergänzt Biebel. Für ihn wäre dies wohl eine Katastrophe. Trotzdem wird er in Neustadt am Start sein. "Denn was soll ich sonst tun?"

Rüsselsheimer Weihnachtsmarkt: Schausteller kämpft mit Corona-Regeln

Gerade ob es eine 2G-, 3G- oder gar keine Regelung geben wird, dürfte wohl entscheidend sein. "Mich nervt das mittlerweile wirklich. Ich bin genesen und geimpft, und trotzdem könnte es sein, dass ich mich jeden Tag testen lassen muss. Zum Glück sind die Tests ja wohl mittlerweile wieder kostenlos", sagt er in Bezug auf die sogenannte "2G+-Regelung", die mancherorts im Gespräch ist.

Die Situation lässt ihn Parallelen zum vergangenen Jahr ziehen. "Da wusste niemand anfangs, was möglich sein wird, und plötzlich mussten wir fast alles abbauen." Im Laufe dieses Jahres sei hingegen immer wieder gesagt worden, dass alles davon abhänge, wie viele Personen geimpft seien.

Steigende Corona-Inzidenzen lassen Rüsselsheimer Schausteller verzweifeln

"Wir haben wirklich Hoffnung geschöpft", erklärt Udo Biebel. "Nun haben wir genug Geimpfte, aber dank der Impfdurchbrüche und hohen Inzidenzen steht wieder alles in der Schwebe." Dabei sei ja bewiesen, dass die Krankheitsverläufe bei den Impfdurchbrüchen milde verliefen.

Bei den Schaustellern hat dies eine große Unsicherheit ausgelöst. "Wir wissen einfach nicht, was die Zukunft bringt", blickt Biebel nach vorne. In Darmstadt und Offenbach hätten die Weihnachtsmärkte schon begonnen, in Frankfurt gehe es auch bald los. "Wann sagt man den Leuten, ob wir sie durchziehen können oder eben nicht?"

Klare Regeln könnten helfen: Schausteller warten auch in Rüsselsheim auf Corona-Entscheidung

Denn die Teilnahme an einem Weihnachtsmarkt sei immer auch eine finanzielle Investition. "Da gehören Vorräte dazu, aber auch Fahrtkosten. Und das Personal braucht schließlich auch Sicherheit", blickt der Schausteller enttäuscht auf die Situation. Biebel glaubt, dass diese Woche entscheidend sein wird. "Ich hoffe, es kommt eine klare Ansage, was genau möglich ist", sagt er.

Man könne nicht ewig in der Schwebe bleiben. Schließlich seien ja nicht nur Weihnachtsmärkte, sondern auch viele andere Arten von Veranstaltungen betroffen, wie etwa Adventsfeiern.

Und am Ende stelle sich schließlich immer auch die finanzielle Frage, gibt Biebel zu bedenken. "Die Hilfen für uns Schausteller enden bald, wie es dann weitergeht, das ist noch gar nicht klar." (Alexander Seipp)

Ob der Rüsselsheimer Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden kann, stand lange Zeit auf der Kippe. Grund war nicht nur die Pandemie, sondern auch ein nicht genehmigter Haushalt.

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