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Die schicken Schlitten von der Leinwand

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Von: Alexander Schneider

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Eine riesige Wagenburg der automobilen Begehrlichkeit: das Klassikertreffen aus der Vogelperspektive.
Eine riesige Wagenburg der automobilen Begehrlichkeit: das Klassikertreffen aus der Vogelperspektive. © Maik Reuß

Bestes Ausstellungswetter, 3000 Old- und Youngtimer, 30000 Gäste – die 18. Opel Classics bot wieder Automobilgeschichte pur. Sogar Filmstars waren gekommen.

Kultfilme bleiben lange im Gedächtnis, weil da die Schauspieler noch etwas jünger und schlanker waren, so wie man selbst damals, aber auch weil sie mit Autos unterwegs waren, die nicht zuletzt wegen ihrer Filmpräsenz zu Klassikern wurden. Viele solcher Filmautos waren gestern rund um die Opel-Villen, im Vernapark und auf dem Mainvorland, wo Opel zur 18. Opel Classics eingeladen hatte, zu sehen.

Etwa 3400 Oldies und Youngtimer waren von ihren stolzen Besitzern zu einer riesigen Wagenburg der automobilen Begehrlichkeit zusammengefahren worden. Bis in den Nachmittag hinein trafen immer wieder neue Aussteller ein, das Bollern der schweren Motoren war in der ganzen Stadt zu hören. Nach Schätzungen des Veranstalters könnten rund 30 000 Besucher in Nostalgie geschwelgt haben und überall unter den mächtigen Bäumen des Vernaparks hatten sich die Besitzer der zum großen Teil mustergültig restaurierten Karossen zum markenübergreifenden Picknick versammelt. Gesprächsstoff gab es über alle Hubraum- und PS-Klassen hinweg, sodass Enten-Fahrer und Rolls Royce-Eigner auf Augenhöhe zueinander fanden.

50 Jahre Opel GT

Stolz waren nicht nur die Aussteller, stolz war auch Opel. Der Autobauer hatte Dutzende Opel GT vor den Opel-Villen auffahren lassen, denn es gab etwas zu feiern: Die mit dem Werbeslogan „Nur fliegen ist schöner“ bekannt gewordene Mini-Corvette wird in diesem Jahr 50!

Zur Eröffnung der 18. Opel Classics betonte Rüsselsheims Stadtrat Nils Kraft (SPD) die enge Verbundenheit der Stadt mit Opel: „Egal was passiert, wir lassen uns nicht auseinanderbringen und wenn es sein muss, leiden wir auch zusammen.“ Zum GT hat Kraft eine besondere Beziehung, sein Vater war Mitglied des Entwicklungsteams, das unter Chefdesigner Erhard Schnell die Sportwagenikone auf die Räder stellte. Anke Felder, Arbeitsdirektorin bei Opel, betonte die gefühlte Nähe zwischen so legendären Autos wie dem GT und dem heutigen Flaggschiff Insignia: „Tolle, zuverlässige Autos damals wie heute, natürlich hat sich bei der Technologie etwas getan...“

Wohl wahr. Zuverlässig mussten die Autos, mit denen die Filmhelden über die Leinwand düsten, freilich auch sein. Bei dem zerknitterten Peugeot 403 Cabriolet, in dem Inspektor Colombo umher fuhr, schien das fraglich, für wilde Verfolgungsjagden hatte der schusselige Detektiv zum Glück seine Leute. Der 403, der mit offenem Dach gestern unter einer mächtigen Eiche geparkt war, sah dank guter Pflege jedoch aus wie aus dem Laden. So wie der 1964-er Jaguar E Typ 1 von Thomas Draeger aus Brühl. Draeger weiß um die Geschichte dieses mit 265 PS üppig befeuerten Modells mit der ewig langen Motorhaube, den drei Scheibenwischern und dem knackigen Po, das als Dienstwagen des FBI-Agenten Jerry Cotton in die automobile Filmgeschichte eingegangen ist. Allerdings fragt er sich, wie George Nader immer so schnell aus dem Auto aussteigen konnte. Er, Draeger, habe da andere Erfahrungen gemacht.

Einen bequemeren Einstieg bot da schon die Alfa Romeo Giulia, mit der Privatdeketiv Josef Matula im Dienste häufig wechselnder Advokaten durch Frankfurt eilte. Mehrere Giulias waren gestern da, eine sogar im klassischen Matula-Weiß.

Legendär ist natürlich auch Geheimagent 007, dargestellt von Sir Roger Moore. Der brauchte weder Ferrari noch Aston Martin, bei ihm tat es auch ein einfacher Volvo P 1800. Auch von diesem Bond-Mobil gab es gestern einige zu sehen.

Von Fans umringt

Von Oldtimer-Fans umringt war der 68-er Mustang GT Fastback, offensichtlich im Originalzustand. Der Wagen, den Steve McQueen 1968 in dem Kultstreifen „Bullit“ spektakulär durch San Francisco scheuchte – ein besonders beliebtes Fotomotiv. Das trifft auch auf den „Barockengel“ zu. Der BMW 501 „Isar 12“, mit dem Inspektor Josef Wanninger in den 60-er Jahren in München Bösewichte einfing, hatte hinten Platz für eine komplette Diebesbande.

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