Dr. Johannes Richter ist der Leiter der Schlaganfall-Einheit am GPR-Klinikum in Rüsselsheim. Foto: Ralph Keim
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Dr. Johannes Richter ist der Leiter der Schlaganfall-Einheit am GPR-Klinikum in Rüsselsheim.

Gesundheit

Schlaganfall: Jährlich 600 bis 700 Patienten werden am GPR versorgt

Am Klinikum gibt es dafür eine spezielle Abteilung: die Stroke Unit unter der Leitung von Dr. Johannes Richter.

Rüsselsheim -Der Schlaganfall ist in Deutschland nach Herz- und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter. Etwa 200 000 Männer und Frauen jährlich erleiden laut der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erstmalig, etwa 66 000 Betroffene zum wiederholten Mal einen Schlaganfall. Dabei kommt es zu einer "schlagartig" einsetzenden Durchblutungsstörung des Gehirns.

Am GPR-Klinikum gibt es dafür eine spezielle Abteilung: die Stroke Unit unter der Leitung von Dr. Johannes Richter. "Es kommen jährlich rund 1500 bis 1700 Patienten mit der Verdachtsdiagnose eines möglichen Schlaganfalls zu uns in die Klinik. Viele davon zeigen sehr unklare Symptome", sagt der Mediziner.

Die Zahl der tatsächlichen Schlaganfälle liege bei etwa 600 bis 700 im Jahr. Männer und Frauen seien ungefähr gleich häufig betroffen. Nicht selten berichten Medien über Schlaganfälle bei Kindern. "Diese dargestellten Fälle sind zum Glück sehr selten", unterstreicht Dr. Richter. Als relativ junger Schlaganfallpatient gelte, wer 45 bis 60 Jahre alt ist. Wer mit 30 einen Schlaganfall erleidet, gelte als sehr jung. Das typische und überwiegende Alter der Patienten liege bei über 60 Jahren.

Arzt ist rund um die Uhr anwesend

Der Schlaganfalleinheit am GPR stehen insgesamt acht Überwachungsbetten zur Verfügung, von denen sechs für Schlaganfallpatienten vorgesehen sind. Rund um die Uhr ist ein Arzt anwesend, außerdem ein zweiköpfiges Pflegeteam. Hinzu kommen Physiotherapeuten, Ergo- und Sprachtherapeuten. Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall werden über die Notaufnahme eingeliefert.

"In der Notaufnahme werden sie befragt und körperlich untersucht. Davon abhängig werden die weiteren Untersuchungsschritte eingeleitet", erläutert der Mediziner. Mit Hilfe der Computertomographie soll eine eventuelle Hirnblutung ausgeschlossen oder das Alter eines möglichen Schlaganfalls genauer eingegrenzt werden. "Die CT-Angiographie soll zeigen, ob größere Adern im Gehirn verschlossen sind und ob es möglich ist, diese eventuell durch ein Medikament (Lyse-Therapie) oder einen Katheter wieder zu öffnen." Dies alles sei aber nur in den ersten Stunden nach Beginn der Schlaganfallsymptome möglich.

Suche nach der Ursache

"Dann folgen die medizinische Stabilisierung des Patienten sowie die Suche nach den direkten Ursachen des Schlaganfalls wie einer Engstelle in den Halsschlagadern oder einer Herzrhythmusstörung." Ziel sei zu verhindern, dass der Patient noch einmal einen Schlaganfall erleidet. Wenn der Patient noch unter neurologischen Ausfällen wie Lähmungen und Sprachstörungen leide, werden entsprechende Reha-Maßnahmen oder Hilfen bei der häuslichen Versorgung eingeleitet.

Dr. Richter rät davon ab, seinem Mitmenschen, der möglicherweise einen Schlaganfall erleidet, als erste Maßnahme Aspirin zu verabreichen. "Hiervon ist kein Nutzen zu erwarten. Im Gegenteil, da man zu diesem Zeitpunkt nicht absehen kann, ob eventuell eine Hirnblutung vorliegt, könnte eine Behandlung mit Aspirin sogar schädlich sein." Ralph Keim

Ob ein Schlaganfall vorliegt, lässt sich mit bildgebenden Verfahren klären.

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