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Kerstin und Markus Koch sind nicht nur ein Ehepaar, sondern auch Großmeister im Taekwondo.

Taekwondo

Ein schlagkräftiges Paar

Es ist eine große Herausforderung, Großmeister im Taekwondo zu werden. Lange Erfahrung und intensive Beschäftigung mit der koreanischen Kampfsportart sind nötig, um es bis zum fünften Dan zu schaffen. Doch der Judo-Club Rüsselsheim darf sich glücklich schätzen, gleich zwei Trainer mit einer derart hohen Qualifikation in seinen Reihen zu haben: Kerstin und Markus Koch erwarben gemeinsam im März mit Bravour den fünften Lehrgrad.

„Jetzt dürfen wir uns Großmeister nennen“, sagt Kerstin Koch mit einem strahlenden Lächeln. „Sie hat die drittbeste Prüfung aller 24 Teilnehmer abgelegt“, hebt ihr Mann stolz hervor. Auch ihm gelang bei der höchst anspruchsvollen Bundesprüfung in Dillingen eine sehr gute Leistung, bei der er mit seiner Frau von fünf Dan-Trägern aus dem eigenen Verein unterstützt wurde.

Wer das langjährige Ehepaar kennt, den hat dies jedoch nicht überrascht. Die beiden 48-jährigen gebürtigen Rüsselsheimer, beim JCR schon lange eine Institution in der Taekwondo-Abteilung, verfügen über große Kompetenz und Erfahrung in ihrem Sport, den sie vor allem wegen der Vielseitigkeit lieben. „Taekwondo besteht ja bei weitem nicht nur aus Zweikampf, sondern umfasst auch Formenlauf, Selbstverteidigung, Bruchtest, Grundausbildung und Einschrittkampf“, erklärt Markus Koch.

Gerade den von Technik und Ausdruck geprägten Formenlauf, Poomsae genannt, bei dem vorgeschriebene Bewegungsabläufe gegen imaginäre Gegner zu absolvieren sind („Schattenkampf“), hat Kerstin Koch in jüngeren Jahren intensiv neben dem Zweikampf betrieben. Bis ins Nationalteam war sie berufen worden, gehörte zur nationalen Spitze und feierte mit Bronze bei der Deutschen wie auch der internationalen dänischen Meisterschaft im Poomsae ihre größten Erfolge.

„Drei, viermal in der Woche habe ich da drei bis vier Stunden trainiert. Dann fast jedes zweite Wochenende ein Wettkampf. Und noch voll berufstätig. Das war schon intensiv.“ Mit Anfang dreißig zog sich Kerstin Koch, „erst spät mit 23“ zum Taekwondo gekommen, daher aus dem Wettkampfgeschehen zurück. „2005 sind wir dann für zwei Jahre in die USA gegangen.“

Nach der Rückkehr mit der Familie konzentrierte sich die ZDF-Redaktionsassistentin, mittlerweile Mutter von zwei Söhnen, auf ihre Trainertätigkeit beim JCR und auf die eigene Weiterentwicklung in ihrem Sport, aus dem sie innere Ruhe und mentale Stärke bezieht. „Und den man wunderbar bis ins hohe Alter betreiben kann“, wie sie betont. 2013 hat Kerstin Koch die Leitung der Taekwondo-Abteilung übernommen. Zudem ist sie im Besitz der Prüferlizenz und nimmt regelmäßig Kup- und Dan-Prüfungen ab.

Für ihren Mann steht die Arbeit als Trainer dagegen schon seit jeher im Mittelpunkt. Bereits als Sechzehnjähriger fand Markus Koch nach seiner Fußball-Zeit bei der SSV Raunheim den Weg zum Taekwondo, hat beim JCR bald darauf die Anfänger geschult und seitdem die Abteilung maßgeblich mitgeprägt. Bis heute ist die Sparte stark auf 150 Mitglieder angewachsen, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Viele besitzen verschiedene ethnische Wurzeln, stammen etwa aus China, Südkorea oder der Türkei. „Wir sind eine bunte Abteilung“, freut sich Markus Koch und fügt mit Stolz hinzu: „Mittlerweile haben wir 14 Trainer, die alle schon bei mir trainiert haben.“ Auch seine Frau Kerstin zählte einst zu seinen Schülerinnen. „Nach zwei Jahren bin ich in die Gruppe der Fortgeschrittenen zu Markus gekommen. Und dann wurden wir schnell ein Paar“, sagt die Achtundvierzigjährige schmunzelnd.

Zur damaligen Zeit hat Markus Koch, heute Vizepräsident im Gesamtvorstand des JCR und beruflich als Manager in der Qualitätssicherung bei Opel tätig, nicht nur fünfmal in der Woche als Trainer in der Halle gestanden. Auch betrieb er einige Jahre Zweikampf. 1996 war damit jedoch Schluss, um sich fortan ganz der Entwicklung der Taekwondo-Abteilung beim JCR zu widmen. An seinen letzten Einsatz kann sich der 1,86 Meter große hessische Vizemeister aber noch ganz genau erinnern. „Da habe ich gegen Faissal Ebnoutalib gekämpft, der vier Jahre später bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney Zweiter wurde. „Und“, so fügt der Großmeister augenzwinkernd hinzu, „ich habe nur knapp verloren.“

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