Isabella Förster (rechts) und Isabell Riemann von Foodsharing Groß-Gerau haben am Sonntagmittag ihren Stand auf dem Parkplatz in der Hans-Sachs-Straße aufgestellt. Ihr Verein gibt Lebensmittel an 70 bis 100 Menschen aus. foto: daniela haman n
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Isabella Förster (rechts) und Isabell Riemann von Foodsharing Groß-Gerau haben am Sonntagmittag ihren Stand auf dem Parkplatz in der Hans-Sachs-Straße aufgestellt. Ihr Verein gibt Lebensmittel an 70 bis 100 Menschen aus.

Soziales

Schlange stehen für Lebensmittel

  • vonDr. Daniela Hamann
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In der Corona-Zeit wächst die Zahl der Bedürftigen auch in Rüsselsheim. Eine Aktion des Vereins Food-Sharing soll die Not etwas lindern.

Rüsselsheim -Die Menschenschlange zieht sich einmal am gesamten Rand des Parkplatzes entlang, der gegenüber dem Schwimmbad liegt. Geduldig warten die Leute am vergangenen Sonntagmittag auf den Beginn der Foodsharing- Aktion.

Um 12 Uhr soll es endlich losgehen. Viele sind jedoch schon mehr als 30 Minuten früher gekommen, um sich einen vorderen Platz in der Schlange zu sichern. Dabei ist genug für alle da.

"Wir erwarten heute etwa 70 bis 100 Menschen, die sich bei uns gerettete Lebensmittel abholen", sagt Isabella Förster vom Verein Foodsharing Groß-Gerau, einer Gemeinschaft, die sich seit langem gegen Lebensmittelverschwendung engagiert.

Im Corona-Jahr habe die Zahl der Leute, die zu den regelmäßigen Aktionen der Lebensmittelretter kommen, zugenommen, bemerkt Förster und vermutet, das liege wahrscheinlich an der Zunahme der Kurzarbeit. "Nicht jeder, der in Kurzarbeit ist, bekommt auch einen Berechtigungsschein für die Tafel. Also nehmen sie unser Angebot wahr, kostenfrei an Lebensmittel zu kommen, die anderswo aussortiert wurden, aber noch gut brauchbar sind. Der Bedarf an Foodsharing-Lebensmitteln ist merklich größer geworden." Das mache sich auch daran bemerkbar, dass die Schränke, die der Verein in verschiedenen Gemeinden im Kreis aufgestellt hat und regelmäßig befüllt, oft wenige Minuten nach dem Auffüllen bereits leer sind.

Oft leere Schränke

"Uns erreichen dazu mittlerweile auch Beschwerden von Menschen, die einen leeren Schrank vorfinden", sagt Förster. Tatsächlich hätten die Mitglieder jedoch keinen Einfluss darauf, wie viel die Menschen aus den Schränken herausnähmen.

Denn das System beruhe auf gegenseitigem Vertrauen und dem Motto, dass nur so viel genommen werden soll, wie zu dem Zeitpunkt benötigt wird. Mit der Zahl der Menschen, die in diesen schwierigen Zeiten auf kostengünstige- oder kostenfreie Lebensmittel angewiesen sind, sei jedoch auch die Anzahl derjenigen gestiegen, die sich nun ehrenamtlich für die Rettung von Lebensmitteln engagieren.

"Letztes Jahr haben sich pro Woche etwa drei neue Mitglieder bei uns angemeldet, inzwischen sind es oft sogar fünf pro Woche", so Isabella Förster erfreut. Gleichzeitig suche der Verein jedoch auch weitere Betriebe - wie Lebensmittelläden, Imbisse, Restaurants oder andere Unternehmen, die Essen übrighaben - die das Foodsharing unterstützen möchten. "Wir haben mehr als genug Manpower, um die Sachen verlässlich abzuholen." Ebenso dringend benötige der Verein allerdings auch eine Lagermöglichkeit - am besten eine Halle - im Kreis Groß-Gerau, um die geretteten Lebensmittel und Haushaltswaren bis zu den Ausgabeterminen aufbewahren zu können.

Aktuell lagern die Vereinsmitglieder die Sachen bei sich zu Hause. Die Ausgabe-Aktionen fänden momentan jeden letzten Sonntag im Monat, an verschiedenen Orten im Kreis, statt. "Letztes Jahr haben wir eine Weile lang auch jeden Sonntag ausgegeben. Doch aktuell sind wir wieder auf die Taktung wie vor Corona zurück gegangen."

Immer nur eine Person

Dabei führen die ehrenamtlichen Helfer die Aktion unter strengen Hygieneregeln durch. Es gelte zum einen die Maskenpflicht. Zum anderen werde immer nur eine Person an die drei Stände herangerufen, stelle dann die mitgebrachte Tasche auf den Tisch und die Lebensmittelretter befüllten sie mit Obst, Gemüse, Schokolade und Backwaren. An diesem Sonntagmorgen sind Steiger voller Bananen darunter, Kartoffeln, Tomaten, frischer Brokkoli oder Orangen. Aber auch abgepackte Kekse, Konserven, Margarine oder Marmelade in Gläsern.

Während die Aktion läuft, sind weitere Helfer unterwegs, um nicht verkaufte Backwaren bei den Bäckereien im Umkreis abzuholen. "Da kommt noch weiterer Nachschub", meint Isabella Förster.

Das Netzwerk werde immer größer, so die Organisatorin. Inzwischen arbeite der Verein eng mit fast allen Tafeln im Kreis zusammen. Und das sei auch gut so. Denn es gehe dabei vor allem um den Umweltschutz und darum, etwas gegen den Massenkonsum und die Überproduktion zu tun.

Doch wir verteilen die geretteten Lebensmittel auch an Obdachlosenunterkünfte und an Senioren, die in dieser Zeit nicht so gerne einkaufen gehen wollen. Das passt für uns alles sehr gut zum Konzept."

Von Daniela Hamann

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