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Kreativ: Elroe, Josy, Sanaa und Marie (von links) haben ihren Stand passend zur Fantasy-Buchvorstellung atmosphärisch mit zu Lampen umfunktionierten bunten Wasserflaschen gestaltet.

Kooperation

Beim Jahrmarkt der Bücher wird die Lieblingsliteratur stimmungsvoll in Szene gesetzt

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Seit mehr als 15 Jahren kooperiert die Stadtbücherei mit der Max-Planck-Schule für den Jahrmarkt der Bücher. Sechstklässler stellen Fünftklässlern ihre Favoriten in gemütlicher Atmosphäre vor. Dafür werden viele kreativ.

Mittwoch, 8.30 Uhr: Ein ungewohntes Bild bietet sich beim Betreten der Bücherei, die an diesem Wochentag normalerweise geschlossen ist. Schüler gehen eilig durch die Gänge, Regale werden mit Decken abgehängt, die Jalousien sind heruntergelassen, es ist laut wie selten in der Institution von Kultur123.

Noch gute anderthalb Stunden, dann wird sich das ändern. Denn dann kommt das Publikum: Fünftklässler, die sich auf dem Jahrmarkt der Bücher umschauen dürfen. „Das Projekt gibt es schon seit bestimmt 15 Jahren“, erzählt Lehrerin Judith Löhr, die die heutigen zwei sechsten Aussteller-Klassen der Max-Planck-Schule betreut.

Viel Atmosphäre

Jedes Jahr im Frühjahr stellen – etwa im Wochenrhythmus – jeweils zwei sechste Klassen zwei fünften Klassen ihre Lieblingsbücher vor. Um das Ganze noch spannender zu gestalten, richten sich die einzelnen Gruppen ihre eigenen „Jahrmarktstände“ ein: Mit von zu Hause mitgebrachten Decken, Stellwänden, Plakaten und – ganz wichtig – Taschenlampen und Lichterketten.

„Die bunte oder die graue Seite?“, fragt Sude (12) ihre Freundin Mia (12) vor dem Zeitschriftenregal. Sie klemmen die Fleecedecke fest, verschieben vorsichtig eine Stellwand, bauen einen Vorhang zum Betreten ihrer Höhle ein.

Ein paar Meter weiter haben Cem (12), Talha (13) und Zakaria (13) ihre Ecke schon eingerichtet – nur mit vier Decken statt sechs, die Waschmaschine habe ihren Geist aufgegeben, sagt Cem und lacht. Was an Gemütlichkeit fehlt, machen die Jungs mit Kreativität wett: Für ihr Publikum spielen sie einen Teil des Buches als Theaterstück vor.

Das ausgewählte Buch der Gruppe heißt „Darkside“. Es geht um Jonathan, der seinem vom Vampir Vendetta gejagten Vater retten will. Dabei bekommt er Unterstützung von Carnegie, einem Werwolf – die Jungs übernehmen jeweils eine Rolle. Aufgeregt sind sie nicht, sie freuen sich auf ihren Auftritt. Plötzlich wird es kurz still, weil eine Stimme über den Lautsprecher ertönt. „Wir proben schon mal!“, sagt Eva Süßmilch, stellvertretende Leiterin der Bücherei. Dann gehen alle Lichter aus, Taschenlampen flackern.

Ein tolles Erlebnis

Cem, Talha und Zakaria sind das Testpublikum in einer Höhle nebenan, dort liest Melany gerade vor. Alle sitzen auf dem Boden, es ist eng, aber gemütlich. Im Anschluss an die Vorstellung müssen die Zuhörer ein Quiz ausfüllen – wer die meisten Punkte abräumt, bekommt eine kleine Belohnung.

„Das ist ein tolles Erlebnis für die älteren wie die jüngeren Schüler“, weiß Löhr. Die Fünftklässler sehen schließlich auch, was im nächsten Schuljahr auf sie zukommt, wenn sie mit Vorstellen dran sind. Die Älteren lernten vor allem auch, aufeinander Rücksicht zu nehmen und mit den Jüngeren respektvoll umzugehen. Viele, von denen man das vielleicht so gar nicht erwarte, überraschten auch mit ihrer gelungenen Präsentation. „Und die Fünftklässler kommen im Anschluss oft und wollen die vorgestellten Bücher ausleihen“, sagt Süßmilch.

Hinter ihr haben Elroe (12), Josy (12), Sanaa (13) und Marie (12) ihre Höhle eingerichtet. Bunte Wasserflaschen, auf ihre Handy-Taschenlampen gestellt, passen perfekt zur Stimmung, die ihr Buch „Woodwalkers“ vermittelt. „Es geht um Gestaltwandler, die Mensch oder Tier sein können“, erklärt Marie.

Die vier Mädchen sind bereit. Um kurz vor zehn heißt es für das Publikum „Hereinspaziert!“ – der Jahrmarkt der Bücher kann beginnen.

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