Martina Tomenendahl will ihre Mutter besuchen und sich deshalb testen lassen. Sinan Cetin nimmt den Schnelltest vor. foto: Koslowski
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Martina Tomenendahl will ihre Mutter besuchen und sich deshalb testen lassen. Sinan Cetin nimmt den Schnelltest vor.

Corona

Schneller als Minister Spahn

159 haben am ersten Abend das Angebot angenommen: Kreis und DRK bieten seit Dienstagabend kostenlose Tests an.

Rüsselsheim - Martina Tomenendahl will am nächsten Tag ihre Mutter besuchen, die nicht in Rüsselsheim lebt. Sie haben sich bereits seit fünf Monaten nicht mehr gesehen. Ihre Mutter ist über 80 Jahre alt und habe Angst vor einer Ansteckung, erzählt sie.

Da kommt das Angebot des Kreises Groß-Gerau und des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an diesem Dienstag für einen kostenlosen Corona-Schnelltest gerade recht. Tomenendahl weiß, dass der Antigen-Schnelltest nur eine Momentaufnahme ist, sie will sich deshalb bis zur Abfahrt auch nicht mehr unter die Menschen begeben.

Der Kreis und das DRK sind mit ihrem Angebot schneller als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der vom 1. März an kostenlose Schnelltests für jeden ermöglichen will. An diesem Dienstagabend startet ein Programm, das noch bis Ostern laufen soll, erklärt DRK-Kreisverbandspräsident Hans Reinheimer.

In Rüsselsheim an der ehemaligen Zulassungsstelle in der Hans-Sachs-Straße, in Groß-Gerau auf dem Parkplatz des Landratsamts und in Riedstadt-Goddelau an der Halle der Martin-Niemöller-Schule bietet das DRK an drei Tagen in der Woche kostenlose Schnelltest an (siehe Kasten rechts).

Auch wenn der Test nur eine Viruslast für den Moment erkenne, sei es möglich, mit dem Coronavirus infizierte Menschen herauszufiltern, die noch keine Symptome zeigen, aber dennoch Mitmenschen anstecken können, so Reinheimer. Mit einem negativen Testergebnis hätten die Menschen etwa die Möglichkeit, ihre Angehörigen in Seniorenheimen zu besuchen.

Alle Ergebnisse negativ

An der ehemaligen Zulassungsstelle bildet sich bereits vor dem Start eine Schlange vor dem DRK-Wagen, an dem sich die Menschen registrieren lassen müssen. 159 Menschen werden insgesamt an diesem frühen Abend an den drei Stationen getestet. Kein einziger Test fällt positiv aus.

Den Personalausweis müssen die Menschen vorlegen, ein positives Ergebnis wird ans Gesundheitsamt gemeldet, das sich mit dem Betroffenen in Verbindung setzt. Der muss bis zu einem PCR-Test in Quarantäne bleiben.

Ramon Wolf ist der Erste, dem Sanitäter Sinan Cetin im für den Abstrich aufgestellten Zelt das Stäbchen in die Nase schiebt. Er habe jeden Tag viel Kontakt mit Mietern, sagt der Gewobau-Mitarbeiter. Darunter seien auch Menschen, die an Covid-19 erkrankt seien, ihm dies aber nicht immer mitteilten. Jetzt wolle er einfach für den Moment wissen, ob er das Virus in sich trage. Faris Shehabi wertet mit einem DRK-Kameraden im Foyer der ehemaligen Zulassungsstelle die Tests aus. Das Ergebnis nimmt Wolf dann erleichtert entgegen: negativ.

Vorbild für das Angebot

Vorbild für das Angebot sei die Ärztin Lisa Federle aus Tübingen gewesen, die kostenlose Schnelltests angeboten habe, erklärt Reinheimer. Landrat Thomas Will (SPD) habe ebenfalls ein solches Angebot auf die Beine stellen wollen und sich mit dem DRK in Verbindung gesetzt. Die Tests würden über Spenden finanziert, die erst einmal für 6500 Tests ausreichten. Mehr als 50 ehrenamtliche Helfer der Ortsvereine hätten sich für die Tests freiwillig gemeldet. Sie seien in der vergangenen Wochen geschult worden. Gut auch, dass sich die eisigen Temperaturen der vergangenen Tage verabschiedet haben. Denn getestet wird bewusst im Freien. "Wir wollen das Infektionsrisiko verringern", sagt Reinheimer. Von Rüdiger Koslowski

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