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Seine eigene Musik vor Publikum aufzuführen, gehört für Fabian Dudek (r.) zu den Glanzlichtern seiner Arbeit.

Musikstipendium

Schritte auf dem Weg zum Lebenstraum

Für Fabian Dudek gab es nie einen Zweifel daran, dass er Musik machen möchte. Das Förderstipendium der Stadt Rüsselsheim ist eine kleine Hilfe auf diesem Weg.

„Was spielen wir?“ – „16“. „Intro, Thema, Solo, Intro und Geraschel am Schluss.“ Die vier jungen Männer nicken sich zu. Sie stimmen sich kurz ab, während sie die Treppe ins Theaterfoyer hochgehen. Knapp 50 Besucher erwarten das „Felix Hauptmann-Trio“ und Fabian Dudek. Der 20-jährige Saxophonist aus Nauheim studiert im dritten Semester Jazz und Populäre Musik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln und bekam nun das Förderstipendium 2015 der Stadt Rüsselsheim verliehen.

Mit seinen Mitstudenten Felix Hauptmann (Klavier), Leif Berger (Schlagzeug) und Alexander Dawo (Kontrabass) besorgte er die jazzige musikalische Eröffnung der Feierstunde. „16“ ist eins seiner eigenen Stücke. „Ich schreibe Ideen auf und mache Songs daraus“, erklärt er. Dabei legt sich Fabian Dudek nicht gerne fest. „Ich spiele vielfältig, am liebsten das, worauf ich Bock habe“, sagt er. Das sind zurzeit oft eigene Stücke, improvisierte Szenen, Musik, die in Richtung Free Jazz tendiert. Aktuell gibt der Student dem Spiel in kleineren Ensembles den Vorrang vor dem Einsatz in Bigbands – obwohl er da reichlich Erfahrung hat und zudem gerade als einer von drei Alt-Saxophonisten ins Bundesjugendjazzorchester aufgenommen wurde.

Der Nauheimer durchlief klassische Stationen musikbegeisterter Kinder und Jugendlicher. Blockflöte, Klarinette und schließlich, als Achtjähriger, erstmals Saxophon-Unterricht. „Ich war durch meinen Vater (Stephan Dudek ist Mitgründer der Rüsselsheimer Jazz-Fabrik) viel bei Konzerten. Den Klang des Saxophons fand ich am schönsten“, erklärt der Junior, warum es dieses und kein anderes Instrument sein sollte. „Das habe ich dann durchgezogen“, sagt Fabian Dudek: bei den „Jungen Musikern“ der Nauheimer Sport- und Kulturvereinigung, dann bei den Swing Kids der Immanuel-Kant-Schule. Er gewann den Landeswettbewerb „Jugend jazzt“ und weitere Preise und hatte „nie Zweifel daran, den Weg der Musik zu gehen“, sagt er.

Ab 2011 erhielt er Saxophonunterricht bei Jazzmusiker Oliver Leicht, heute Mitglied der HR-Bigband. Das waren prägende Jahre für ihn, sagte Bürgermeister Dennis Grieser in seiner Ansprache. Deshalb hielt Leicht auch die Laudatio. Der Lebensweg seines damaligen Schülers deckt sich teilweise mit seinem eigenen. Auch Oliver Leicht stammt aus Nauheim und spielte in der IKS-Bigband Saxophon. Fabian Dudek „war bislang einer meiner besten, talentiertesten Schüler“, versicherte er.

Der junge Mann bereitete sich mit 15 Jahren bei ihm auf die Aufnahmeprüfung als Frühstudierender an der Mainzer Musikhochschule für Jazz und Populäre Musik vor. Mit Erfolg.

Diese Zielstrebigkeit und Zähigkeit beeindruckte die Jury, die seit 25 Jahren das Förderstipendium der Stadt vergibt, genauso wie seine selbstbewusste, schlagfertige Präsentation, berichtete Grieser.

Verstärkend kam hinzu, dass Fabian Dudek nicht nur das gesamte städtische Nachwuchsförderprogramm durchlaufen, sondern es auch durch eigene Projekte (unter anderem Mitwirkender am Theaterstück „Der Raketenfritz“ und am Kultursommer) bereichert hat. Mit dem Stipendium wolle die Stadt jungen Künstlern an der „Schnittstelle zwischen der frühen Entwicklung in der Kulturszene unserer Stadt und einer künftigen Karriere“ unter die Arme greifen, sagte Grieser. Zurzeit ist Fabian Dudek vor allem in der Kölner Jazz-Szene aktiv, bei Besuchen in der Heimat hat er aber auch oft sein Instrument dabei.

Die Fördersumme von 4200 Euro kommt nun aufs Konto. „Fabian Dudek möchte Musik machen, Bands zusammenstellen – das kostet alles Geld“, sagte Oliver Leicht: „Dafür ist ein Stipendium gut.“ Sein früherer Schüler habe sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Ein eigenes, namenloses Stück wie auch eine Variante von Paul Motians „Etude“ ließen die Zuschauer jedenfalls begeistert applaudieren. Fabian Dudek bedankte sich strahlend. „Mit eigenem Zeug aufzutreten ist mein Ziel“, sagt er, davon leben zu können sein Traum. Das „schaffen die wenigsten“, ist ihm bewusst. Aber wer weiß – vielleicht ist er einer von ihnen. hno

Noch bis 15. Februar können sich junge Künstler um das Förderstipendium 2016 bewerben. Voraussetzung ist ein besonderer Bezug zu Rüsselsheim. Infos dazu finden sich auf der Heimseite der Stadt Rüsselsheim im Internet.

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