In einigen Kommunen ist bereits rund ein Drittel der Grundschüler wieder in die Klassenräume zurückgekehrt. In Rüsselsheim ist diese Quote im Vergleich nicht so stark angestiegen. foto: dpa
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In einigen Kommunen ist bereits rund ein Drittel der Grundschüler wieder in die Klassenräume zurückgekehrt. In Rüsselsheim ist diese Quote im Vergleich nicht so stark angestiegen.

Corona

Schüler bleiben oft noch zu Hause

  • vonAlexander Seipp
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Deutlich mehr Grundschüler kommen in einigen Kommunen wieder in die Klassenräume zurück. Eltern in Rüsselsheim setzen mehrheitlich weiter auf Distanzunterricht. Da gibt es allerdings noch einiges zu verbessern, meint der Schulelternbeirat.

Rüsselsheim -Onlineunterricht, oder doch lieber in Präsenz? Vor dieser Frage stehen derzeit zahlreiche Eltern und Schüler. Und obwohl an den Schulen derzeit kein Regelunterricht abgehalten wird, machen sich immer mehr Schüler auf den Weg ins Klassenzimmer. Ein Drittel der Schüler sollen in manchen Kommunen bereits wieder in der Schule sein.

Man beobachte diese Entwicklung, sagt Roland Lobenstein vom Rüsselsheimer Schulelternbeirat. Einen genauen Überblick über die Zahlen habe er zwar nicht, er gehe aber davon aus, dass sich diese Entwicklung auch in Rüsselsheim vollziehe. "Wir haben am Donnerstag aber ein Gespräch mit Bürgermeister Dennis Grieser zu diesem Thema, dabei erhoffen wir uns mehr Informationen." Tatsächlich scheint dieser Trend bisher aber an Rüsselsheim vorbeizugehen, sagt zumindest die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Birgitta Hedde. "In Rüsselsheim haben wir derzeit eine Präsenzquote von etwa 16 Prozent, in den Grundschulen, in denen das Problem ja häufiger verortet wird, von 20 Prozent."

Dies sei deutlich weniger als in anderen Kommunen. Im gesamten Aufsichtsbereich des Rüsselsheimer Schulamtes liege die Präsenzquote, also der Anteil der Schüler, die in der Schule betreut werden, bei mehr als 30 Prozent. Allerdings gebe es große Schwankungen zwischen den Schulen. Manche hätten eine Präsenzquote von 12, andere sogar von mehr als 36 Prozent.

Trend geht an Rüsselsheim vorbei

Weshalb die Quote in Rüsselsheim so niedrig sei, darüber könne sie nur spekulieren, sagt Hedde. "Ich glaube, es hängt sehr stark an der Kommunikation der Schulen", sagt die Schulamtsleiterin. Viele Rüsselsheimer Bildungsstätten hätten von Anfang an den Eltern deutlich gemacht, dass der Präsenzunterricht nur eine Notlösung sei. Der "richtige" Unterricht, also zum Beispiel in der Grundschule mit Klassenlehrerin im gewohnten Klassenverbund, finde eben online statt.

"Wenn die Eltern dies wissen, dann lassen sie ihre Kinder vermutlich eher zu Hause, anstatt sie in die Schule zu schicken", erklärt Hedde. Denn die soziale Komponente, das Treffen von Klassenkameraden und Freunden, sei auch in der Schule dann nicht gegeben. Aber dies sei eben nur eine Vermutung. Eine spezielle Erlaubnis, dass die Kinder wieder in die Schule gehen dürften, benötigen die Eltern übrigens nicht, bestätigt die Schulamtsleiterin. Maßgaben der Schulen, von denen man immer wieder höre, seien nicht zulässig.

Gründe, die Schüler wieder zurück in die Schule zu schicken, gebe es aber genug, sagt Schulelternbeirat Lobenstein. "Bei vielen Eltern schwingt da sicherlich die Hoffnung mit, dass ihre Kinder in der Schule bessere Lernbedingungen haben als zu Hause", sagt er. Dies sei jedoch oft ein Trugschluss.

Gerade bei Familien mit mehreren Kindern gebe es aber oft etwa keinen eigenen Schreibtisch für das Lernen und einfach zu wenig Platz. "Viele Kinder teilen sich ihr Zimmer mit ihren Geschwistern, Rückzugsorte zum konzentrierten Lernen gibt es also nicht", beschreibt Lobenstein. Dass Eltern da ihre Kinder in die Schule zur Betreuung schicken, sei in solchen Fällen nachvollziehbar.

Hinzu komme, dass Eltern, die zum Beispiel selbst Sprachprobleme haben, etwa bei Fragen kaum aushelfen könnten. In der Schule seien hingegen, auch während der derzeitigen Betreuung, Personen anwesend, die Rückfragen schnell beantworten können. "Die Eltern wollen ja nicht, dass ihre Kinder abgehängt werden, daher schicken sie sie wieder in die Schule."

Doch auch dies sind nur Vermutungen, sagt Hedde zu Lobensteins Herleitung. "Im Main-Taunus-Kreis haben wir beispielsweise eine viel höhere Präsenzquote." Und dies bei einer Bevölkerung, die einen im Durchschnitt höheren Bildungsgrad habe. So einfach wie Lobenstein vermutet, könnte es daher nicht unbedingt sein.

Lobenstein sieht im aktuellen Distanzunterricht vor allem die Kommunikation der Lehrer mehr gefordert. "Hier mangelt es häufig", ist Lobenstein überzeugt. Und kann dies auch an Zahlen belegen. In einer Umfrage fragte der Schulelternbeirat vor kurzem die Situation der Eltern ab. "Nur fünf Prozent der Eltern gaben an, dass sich Lehrer regelmäßig bei ihren Kindern per Telefon über ihren Lernfortschritt erkundigten", berichtet Lobenstein. "Das ist viel zu wenig!" Sowieso schon schwächere Schüler drohten so auf der Strecke zu bleiben.

Hoffen auf mehr Engagement

Lobenstein erhofft sich daher mehr Engagement der Lehrer. Er könne sich etwa vorstellen, dass es bestimmte Sprechzeiten gibt, während denen sich die Schüler bei Fragen telefonisch bei den Lehrern melden können. "Oder jeder Lehrer meldet sich selbst wöchentlich bei den Schülern."

So lange dies sich nicht ändere, könne er es verstehen, wenn Eltern ihre Kinder wieder in die Schule schickten.

"Auch wenn dies aufgrund der offenbar für die Schüler gefährlicheren, neuen Virusmutationen gefährlich werden könnte", sagt Lobenstein. Letztlich müssten dies jedoch alle Eltern selbst entscheiden. "Jede Situation ist unterschiedlich, genauso wie jedes Kind unterschiedlich ist." Von Alexander Seipp

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