Juniorwahl

Schüler stellen im Ratssaal ihre Fragen an die Direktkandidaten für den Landtag

  • schließen

Bis zur Landtagswahl sind es noch acht Tage. Für die meisten Schüler ist der Zeitpunkt zu früh, um über eine neue Regierung abstimmen zu dürfen. Dass sie sich dennoch für die Politik in Hessen interessieren, zeigten 200 von ihnen jetzt bei einer Fragerunde mit den hiesigen Direktkandidaten.

„Meine Freundin wird in der Schule gemobbt“, erzählt Jimmy. Kürzlich sei sie sogar geschlagen worden. Doch als sie einen Lehrer um Hilfe gebeten habe, sei nichts passiert, erzählt er. Anna-Lena findet es schade, dass so viel Unterricht ausfällt. An ihrem Gymnasium sei das zwar kein großes Problem, dafür aber an der Schule, an der ihre Mutter als Sekretärin arbeitet. Sowohl der Junge als auch das Mädchen wünschen sich mehr Personal für die Schulen.

Der Lehrermangel ist eines der Themen, die am Freitag beim von der städtischen Jugendförderung organisierten Politik-Talk im Rathaus zur Sprache kommen. Neben Jimmy und Anna-Lena haben sich dort noch rund 200 andere Rüsselsheimer Schüler zwischen der achten und zehnten Klasse versammelt.

Sie kommen von der Kant-, der Humboldt- und der Hauptmann-Schule sowie dem Neuen Gymnasium. Dort, wo sonst die Stadtverordneten Entscheidungen für Rüsselsheim fällen, treffen sie auf die hiesigen Direktkandidaten für die Landtagswahl am 28. Oktober – Sabine Bächle-Scholz (CDU), Kerstin Geis (SPD), Michael Tönsmann (Grüne), Marcel Baymus (Linke) und Peter Engemann (FDP). Alexandra Walter, die für die AfD ins Rennen geht, hat ihre Teilnahme abgesagt.

Dass sie noch nicht alt genug zum Wählen sind, hindert die Schüler nicht daran, den Kandidaten jede Menge Fragen zur Politik in Hessen zu stellen. Die haben sie im Unterricht eigens vorbereitet.

In der nächsten Woche, vor dem eigentlichen Urnengang am Sonntag, werden sie bei der sogenannten Juniorwahl ihre Stimme abgeben. Die Politiker mit Fragen zu löchern, könnte dann bei der Wahlentscheidung helfen. Indes scheint Gewalt in der Schule nicht nur für Jimmy ein Thema zu sein. Auch eine der ersten Fragen beschäftigt sich damit. Um gegen Gewalt vorzugehen, müssten Marcel Baymus zufolge nicht nur mehr Lehrer eingestellt werden. Viel mehr würden an den Schulen vermehrt Sozialarbeiter und Psychologen benötigt.

Was die Kandidaten grundsätzlich von der Bildungspolitik in der vergangenen Legislaturperiode halten? Michael Tönsmann, dessen Partei in Wiesbaden mitregiert, verweist darauf, dass viele Lehrer eingestellt worden seien und sich bei der Ganztagsbetreuung viel getan habe. Peter Engemann hält dagegen: „Es fällt zu viel Unterricht aus“. In einem reichen Land wie Hessen dürfe das nicht sein.

Die Schüler wollen von den Kandidaten auch wissen, wie sie es mit dem Wahlrecht ab 16 halten. Schließlich wären einige dann schon alt genug, um ihre Stimme am nächsten Sonntag abzugeben.

Sabine Bächle-Scholz ist dagegen. Manchmal diskutiere sie mit ihrem 15-jährigen Neffen und sei sich nicht sicher, ob „der verstanden hat, was wir wollen“. Michael Tönsmann ist dafür. „Das Wahlrechtsalter wurde schon einmal herabgesenkt, das geht auch noch mal“, sagt Tönsmann.

Wie sich Kinderrechte sonst noch stärken lassen, erklärt Kerstin Geis. Und zwar, indem in den Kommunen Kinder-und Jugendparlamente geschaffen werden. In Nauheim zum Beispiel gibt es bereits ein solches Gremium. „Das wäre doch ein Vorbild für Rüsselsheim“, regt Geis an.

Bei der Fragerunde im Ratssaal geht es nicht nur um Dinge, die die Jugendlichen unmittelbar betreffen. Beim Dieselskandal sind sich die Kandidaten einig, dass die Autobauer für die Schäden der Kunden aufkommen sollen. Bei der Flüchtlingspolitik zeigen sich dagegen Unterschiede. Während Bächle-Scholz abgelehnte Asylbewerber grundsätzlich abschieben lassen will, findet Engemann das bei gut integrierten Geflüchteten „schwierig“.

Und wie ist das Treffen mit den Politikern bei den Schülern nun angekommen? Jimmy und Anna-Lena hat es gut gefallen. „Vieles war für mich neu“, erzählt Jimmy.

Anna-Lena hat schon im vergangenen Jahr bei der Juniorwahl mitgemacht. In fünf Jahren wollen beide dann auch bei der Landtagswahl ihre Stimme abgeben. Dann sind sie endlich alt genug.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare