ARCHIV - Drei Schülerinnen laufen am 14.09.2015 in Freiburg (Baden-Württemberg) mit ihren Schulranzen zur Schule. (zu dpa "RMV-Aufsichtsrat berät über Schülerticket" vom 08.03.2017) Foto: Patrick Seeger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
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ARCHIV - Drei Schülerinnen laufen am 14.09.2015 in Freiburg (Baden-Württemberg) mit ihren Schulranzen zur Schule. (zu dpa "RMV-Aufsichtsrat berät über Schülerticket" vom 08.03.2017) Foto: Patrick Seeger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Gymnasium, Real- oder Hauptschule?

Schulwechsel: Informationsabende sollen bei der Entscheidungsfindung helfen

Im November finden die ersten Informationsabende zum Schulwechsel an Grundschulen statt. Bis zum April müssen sich Eltern entscheiden.

Neun weiterführende Schulen und insgesamt sechs Schulformen gibt es in der Stadt Rüsselsheim. Ob Gymnasium, Kooperative oder Integrierte Gesamtschule, Haupt- und Realschule, Privat- oder Förderschule: Rüsselsheimer Eltern haben eine vielfältige Auswahl, wenn es um den Schulwechsel von der vierten in die fünfte Klasse geht.

„Die meisten Eltern wünschen sich das Abitur als Bildungsabschluss für ihre Kinder“, sagt Kristin Becker, Leiterin der Grundschule Königstädten. Dort findet jährlich Mitte November ein Elterninformationsabend statt, bei dem auch Vertreter der drei Bildungsgänge – Haupt- und Realschule sowie Gymnasium – eingeladen werden.

Nach dem Halbjahreszeugnis im Februar vermitteln Beratungsgespräche mit allen Eltern eine Einschätzung des Kindes, danach dürfen die Eltern drei Schulwünsche äußern. In einer Übergangskonferenz kommen die Lehrer dann für jedes Kind individuell zu einer Empfehlung. „Das Kind steht im Vordergrund“, betont Becker.

Decken sich Schulwunsch und Empfehlung nicht, wird eine erneute Beratung angeboten, die aber von den Eltern abgelehnt werden kann. „Der Elternwille zählt“, sagt auch Anja Schwemmer, Vorsitzende des Stadtelternbeirats. Dennoch rät Kristin Becker, die Empfehlungen der Lehrer ernst zu nehmen, denn „sie sind sehr durchdacht, beruhen auf langjährigen Erfahrungen und sind zum Wohle des Kindes“.

Ihre schulinterne Statistik zeigt, dass nur wenige versuchen, entgegen der Empfehlung zu handeln. „Im Einzelfall kann das gutgehen“, weiß Reiner Pilz, Vorsitzender des Landeselternbeirats Hessen. Eine Querversetzung in eine andere Schulform, wenn es dann doch nicht klappt, sei allerdings ein Drama für das Kind. Herausgerissen aus dem frisch erschlossenen sozialen Umfeld belasteten das Kind zusätzlich. Oft gehe mit dem Schulwechsel ein Versagensgefühl seitens des Kindes einher. „Das ist das Schlimmste, was passieren kann“, meint auch Kristin Becker.

„Eigentlich“, sagt Reiner Pilz, „ist es auch zu früh, in der vierten Klasse zu entscheiden, ob das Kind in acht oder neun Jahren das Abitur schafft.“ Das wirke sich auch auf die Kinder aus, meint Anja Schwemmer – auch seitens der Eltern. „Dann heißt es oft: Jetzt gilt es. Die Kinder halten da oft einen enormen Druck aus.“

Bei manchen Eltern sei immer noch ein Bewusstsein dafür da, dass mit einem Hauptschulabschluss nicht so viel werden könne, sagt Pilz. „Der Drang zu den Gymnasien hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen.“ Deshalb müsse man versuchen zu vermitteln, „dass das deutsche Bildungssystem durchlässig ist“ und eine Empfehlung für die Haupt- oder Realschule nicht die Möglichkeit zum Abitur verbaut.

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