Alex König (links), Verdi-Vertrauensfrau bei der Stadtverwaltung, und Erzieherin Petra Geyer richten schwere Vorwürfe an die Stadtverwaltung. Foto: Ralph Keim
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Alex König (links), Verdi-Vertrauensfrau bei der Stadtverwaltung, und Erzieherin Petra Geyer richten schwere Vorwürfe an die Stadtverwaltung.

Mai-Kundgebung

Schwere Vorwürfe gegen die Stadt Rüsselsheim – „Vom Beklatschen allein wird niemand satt“

Zum „Tag der Arbeit“ lautet auch in Rüsselsheim das Motto "Solidarität ist Zukunft". Unterstützung fehle vor allem Erzieherinnen während der Corona-Pandemie, berichtet Verdi.

Rüsselsheim – Nach Corona-bedingter Absage im vergangenen Jahr gab es am 1. Mai in diesem Jahr auch in Rüsselsheim wieder die traditionelle Kundgebung der Gewerkschaften. "Solidarität ist Zukunft" lautete das Motto zum "Tag der Arbeit". Aus den Reihen der Redner vor rund 100 Teilnehmern auf dem Löwenplatz gab es schwere Vorwürfe an die Stadtverwaltung.

Die Stadt lasse als Arbeitgeberin die Erzieherinnen in den städtischen Kindertagesstätten in diesen schwierigen Zeiten der Coronakrise mit den damit verbundenen Verordnungen und Mehrbelastungen, aber auch den gesundheitlichen Risiken alleine. "Wo bleibt unser Gesundheitsschutz?", stellten Alex König und Erzieherin Petra Geyer, beide Verdi-Vertrauensfrauen bei der Stadtverwaltung, als Frage in den Raum.

Vorwürfe gegen die Stadt Rüsselsheim: Erzieher und Erzieherinnen erhalten keine Unterstützung

Die Vorgaben der Stadt - Abstand halten, kein Körperkontakt, regelmäßiges Desinfizieren - würden den Betroffenen einfach mitgeteilt, ohne sich Gedanken zu machen, wie das in einer Kita bei kleinen Kindern funktionieren soll, so der Vorwurf. "Und das alles ohne zusätzliches Personal", so König und Geyer, die ihre Rede gemeinsam hielten.

Oftmals komme es vor, dass neue Anordnungen kurzfristig erst am Sonntagnachmittag kommuniziert würden. "Wir hatten schon vor Corona einen erheblichen Fachkräftemangel zu beklagen. Corona hat in dieser Hinsicht wie ein Brandbeschleuniger gewirkt."

Rüsselsheim: Keinerlei Teststrategien und Fachkräftemangel – Verdi erhebt Vorwürfe

Beide Gewerkschafterinnen warfen der Stadt vor, keinerlei Teststrategien vorweisen zu können. Bedingt durch ihre Tätigkeit habe sie etwa täglich im Prinzip Kontakt zu nicht weniger als 17 Haushalten, zeigte Petra Geyer exemplarisch auf. Die beiden Frauen forderten die Stadt auf, die Erzieherinnen mit ihrer seit mehr als einem Jahr risikobehafteten Tätigkeit endlich wahrzunehmen.

Tamara Zachmann und Michelle Winning von der Verdi-Jugend Rüsselsheim machten ebenfalls darauf aufmerksam, dass es im Erziehungswesen einen massiven Fachkräftemangel gebe. In der Stadt seien in den Kitas knapp 40 Stellen nicht besetzt, und diese Zahl werde in den nächsten Jahren noch weiter wachsen.

Rüsselsheim: DGB fordert bessere Bezahlung für Beschäftigte – „Kohle statt Klatschen“

Die Rede von Bernd Schiffler, Vorsitzender des DGB-Ortsverbands, war ebenfalls von den Auswirkungen der Pandemie geprägt. "Kohle statt klatschen, heißt die Devise, denn vom Beklatschen allein wird niemand satt." Er forderte eine bessere Bezahlung für Beschäftigte in der Pflege und für die Reichen im Land einen steuerlichen Sonderzuschlag als Beitrag zur Linderung der wirtschaftlichen Corona-Folgen.

"Opel und Segula ist, wie schon vor zwei Jahren, wieder ein leidvolles Thema in Rüsselsheim", führte der DGB-Ortsvorsitzende weiter aus. Erneut gehe es um den Abbau von Arbeitsplätzen, inzwischen seien die bei Segula und Opel beschäftigen Männer und Frauen "verraten und verkauft" worden. "Die Politik von Opel und Segula war und ist eine Lüge", übte Schiffler scharfe Kritik Richtung beider Unternehmen.

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1. Mai-Kundgebung in Rüsselsheim: Auch Schulen und Geflüchtete im Fokus

Robert Hottinger, Sprecher des Kreisverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie Lehrer an der Rüsselsheimer Immanuel-Kant-Schule, richtete den Fokus wieder auf Corona und die Folgen - diesmal an den Schulen. "Da zahlreiche Eltern unserer Schüler in Rüsselsheim von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen sind, müssen sie beengt in kleinen Wohnungen leben. Das wiederum erhöht das Ansteckungsrisiko." Dieses Risiko werde an die Lehrer weitergegeben, die mit Corona und den Folgen sowieso schon einer erheblichen Mehrbelastung ausgesetzt seien. Er selbst habe sich mit Corona infiziert, bekannte Hottinger.

Ingrid Reidt von der Katholischen Betriebsseelsorge Südhessen und Mitglied der internationalen Friedensbewegung von Pax Christi, richtete den Blick auf die Situation der Geflüchteten. "An den EU-Außengrenzen müssen diese Menschen seit Monaten in menschenunwürdigsten Verhältnissen ausharren", erinnerte sie an ein Themenfeld, das wegen Corona etwas ins Abseits geraten ist. (Ralph Keim)

Bereits vor einigen Monaten wurden die Arbeitsbelastung und das fehlende Personal während der Corona-Pandemie von den Kitas in Rüsselsheim kritisiert.

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