Prokurist Holger Gäbler vom HG Bau- und Hobbymarkt über gestiegene Preise und Baustoffknappheit: In den vergangenen 30 Jahren seiner Berufstätigkeit habe er so etwas noch nicht erlebt. FOTO: Rüdiger Koslowski
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Prokurist Holger Gäbler vom HG Bau- und Hobbymarkt über gestiegene Preise und Baustoffknappheit: In den vergangenen 30 Jahren seiner Berufstätigkeit habe er so etwas noch nicht erlebt.

Wirtschaft

Schwere Zeiten für Häuslebauer

Die Preisexplosion bei Baustoffen macht vielen zu schaffen: Der Rüsselsheimer HG Baumarkt hat vorgesorgt. Doch wohin führt die Entwicklung?

Rüsselsheim -Holz, Stahl, Kunststoffe, ob private Häuslebauer, Großunternehmen oder Kommunen: Die Bauherren benötigen Baustoffe für ihre Bauprojekte. Allerdings fehlt es seit einigen Monaten an vielen Materialien, wodurch die Preise extrem in die Höhe geklettert sind.

Der einzige größere Baustoffvertrieb ist in Rüsselsheim das Unternehmen HG Bau- und Hobbymarkt, das seit mehr als 40 Jahren in der Stettiner Straße ansässig ist. 15 Mitarbeiter kümmern sich bei dem von Peter Großkurth geführten Familienunternehmen um die Kunden. Holger Gäbler ist Prokurist. "Die Baustoffe sind knapp", bestätigt er in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Corona-Pandemie spiele bei diesem Problem nach seiner Einschätzung aber keine große Rolle. Vielmehr lägen die Gründe, zumindest bei einigen Baustoffen, bei dem von den USA und China leergekauften Weltmarkt. "Ich wollte gerade Gipskarton und Ständerwandprofile bestellen. Für August ist der Markt erschöpft. Ich kann kein Material bestellen", stellt Gäbler fest. Er sei seit 30 Jahren in der Branche tätig und habe so einen starken Mangel an Baustoffen noch nicht erlebt.

Holzmarkt massiv betroffen

Insgesamt habe das Unternehmen jedoch gut disponiert. Noch gebe es keine Schwierigkeiten, die eigenen Kunden mit Baustoffen zu versorgen. Gäbler schildert das allgemeine Problem: Der Holzmarkt sei ganz massiv betroffen, und zwar von Holzwerkstoffplatten bis hin zu Schnittholz und Konstruktionsholz. Der Grund sei der Ausfall Kanadas als Hauptholzlieferant wegen starkem Schädlingsbefall. Deshalb hätten die USA und China den Weltmarkt aufgekauft.

Die USA hätten riesige Konjunkturprogramme aufgelegt, weiß Gäbler. China baue im ganzen Land, ziehe viele Siedlungen hoch. "Die zahlen auch die Preise", sagt der Prokurist. Die Großsägewerke, die das Holz von den Holzproduzenten weiterverarbeiten, bestimmten die Preise. Habe der Kubikmeter Holz erst 200 Euro gekostet, müssten jetzt bis zu 700 Euro bezahlt werden. Der Bau- und Hobbymarkt, der in der großen Mehrzahl Großkunden und Bauunternehmen beliefert, habe ein Sägewerk ausfindig gemacht, das mit fairen Preisen arbeite und lieferfähig sei. Dennoch seien auch dort die Preise gestiegen.

Inzwischen müsse man acht bis zwölf Wochen auf Holzlieferungen warten, normalerweise seien ein bis zwei Wochen üblich. Holzwerkstoffplatten wollte das Rüsselsheimer Unternehmen jetzt erst einmal nicht bestellen, die Preise seien einfach zu hoch.

Der Einkaufspreis sei von 250 auf 1000 Euro pro Kubikmeter gestiegen. Der Einkauf sei auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Wenn der Preis wieder sinkt, sei das mit Verlusten beim Weiterverkauf verbunden. Das Unternehmen habe ebenfalls eine Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern, bekräftigt Gäbler.

Bei Stahl erkenne er einen ähnlichen Trend. Die Tonne Baustahl habe Anfang des Jahres noch rund 600 Euro gekostet. Inzwischen müssten bis zu 1600 Euro bezahlt werden. Denn China kaufe auch bei diesem Produkt wegen der vielen Bauprojekte den Weltmarkt leer. Gäbler nennt beispielhaft Stahlblechprofile, die als Ständer für die Trockenwände benötigt werden. Die starke Nachfrage könnten die Hersteller hierzulande nicht befriedigen.

Frühzeitig eingekauft

Der Bau- und Hobbymarkt habe den Baustoffmarkt aufmerksam beobachtet und reagiert, indem er frühzeitig die Materialien zu noch moderaten Preisen eingekauft habe. Gleichfalls müsse sich auch der Rüsselsheimer Baumarkt an den aktuellen Marktpreisen orientieren, denn wenn neues Material für die Lager bestellt wird, müssen die aktuellen Preise bezahlt und an die Kunden weitergegeben werden.

Das Problem besonders bei den privaten Hausbauern sei bei den enorm gestiegenen Preisen die Finanzierung. Wenn sich das Baumaterial extrem verteuert, müssten diese unter Umständen nachfinanzieren. Tun die Hausbauer das nicht, liege die Baustelle brach. Muss der Bauherr allerdings seine alte Bleibe verlassen, weil er diese bereits gekündigt hat, er wegen des Baustopps aber noch nicht ins neue Domizil umziehen kann, stehe dieser womöglich ohne festen Wohnsitz da, macht Gäbler auf die weitreichenden Folgen der derzeitigen Preissteigerungen aufmerksam.

Rüdiger Koslowski

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