Roland Glenz hilft, den Alltag für Senioren sicherer zu gestalten. Hier zeigt er eine von ihm beschichtete Musterfliese, die mit einem zusätzlichen Leuchtstreifen auch nachts - zum Beispiel auf der Eingangstreppe vor dem Haus - für Sicherheit sorgt.	FOTO: LORenz
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Roland Glenz hilft, den Alltag für Senioren sicherer zu gestalten. Hier zeigt er eine von ihm beschichtete Musterfliese, die mit einem zusätzlichen Leuchtstreifen auch nachts - zum Beispiel auf der Eingangstreppe vor dem Haus - für Sicherheit sorgt. FOTO: LORenz

Handwerk

Seine soziale Ader ist stark ausgeprägt

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Die Finanzkrise zwang den Informatiker, sich beruflich neu zu orientieren: Roland Glenz installiert heute Anti-Rutsch-Beschichtungen in Badezimmern. Eine enorme Erleichterung, vor allem für Senioren und in der Pflege.

Rüsselsheim - Fast liebevoll fährt Roland Glenz mit der Hand über die helle Fliese. Wenn man nicht ganz nah davor steht, ist das, was die Fliese so außergewöhnlich macht, fast unsichtbar. Erst die Berührung offenbart, was im Zweifel einen Unfall in den eigenen vier Wänden verhindern kann: Eine dünne Beschichtung schafft eine raue Oberfläche, auf der Ausrutschen nicht mehr möglich ist. Roland Glenz hat sich darauf spezialisiert, diese Beschichtung in Bädern oder auf Treppenstufen im Außenbereich aufzutragen, um so Senioren mehr Sicherheit zu bieten.

Ursprünglich kommt der Rüsselsheimer aus der Informatikbranche, aber die Finanzkrise Ende der 2000er Jahre führte ihn auf neue Wege. Glenz absolvierte eine Ausbildung zum Seniorenberater, ließ sich vom Deutschen Sportbund zum Übungsleiter für Seniorensport ausbilden - bis heute gibt er Kurse zu Sturzprophylaxe oder Gleichgewichtstraining.

Die soziale Ader, erzählt seine Frau Ellen schmunzelnd, sei stark ausgeprägt und durchziehe eindeutig die ganze Familie. Auch sie arbeitet im sozialpädagogischen Bereich, gibt Unterrichtseinheiten für Gedächtnistraining. Die beiden erwachsenen Töchter haben ebenfalls soziale Berufe eingeschlagen. Der Familie Glenz ist es wichtig, zu helfen. Dazu gehört auch, dass man sich als älterer Mensch in seiner gewohnten Umgebung sicher fühlt, findet Roland Glenz.

2013 entstand die Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst des GPR-Klinikums, kurz zuvor hatte er sich mit seinem Serviceangebot für Senioren-Sicherheit, bei dem er unter anderem auch Hausnotrufe installiert, selbstständig gemacht. In vielen Privathaushalten und einigen größeren Betreuungseinrichtungen hat er seitdem seine Anti-Rutsch-Beschichtung aufgetragen - eine enorme Erleichterung, berichtet ihm das GPR-Pflegepersonal regelmäßig. "Für viele Senioren ist das reine Kopfsache: Wer weiß, dass er nicht rutscht, duscht und bewegt sich sicherer", so Glenz.

Schnelles Prozedere

Das Prozedere ist verhältnismäßig schnell erledigt: In der vorher professionell von ihm gereinigten Dusch- oder Badewanne beziehungsweise auf den Treppenstufen wird der Bereich abgeklebt, der nicht beschichtet werden soll. "Da fließt dann das Wasser besser ab", sagt Glenz.

Anschließend walzt er die Flüssigkeit, die in der Schweiz entwickelt wurde und TÜV-zertifiziert ist, über die zu beschichtenden Fliesen. "Das Material hält aber überall, auch auf Holz", so der Rüsselsheimer. Acht Stunden lang muss die Schicht trocknen, dann kann sie betreten werden. Nach drei bis vier Tagen kann sie dann regelmäßig mit ganz normalem Badreiniger saubergemacht werden.

Und wenn man aus der Wohnung auszieht? "Dann kann die Beschichtung mit einem speziellen Reiniger wieder entfernt werden", sagt Glenz. Die meisten Vermieter, beispielsweise die Rüsselsheimer Gewobau, hätten damit gar kein Problem.

Weil die Beschichtung als "wohnumfeldverbessernde Maßnahme" gilt, wird sie bei vorhandenem Pflegegrad von der Krankenkasse übernommen - um die Abwicklung kümmert sich Glenz selbst.

Natürlich hat Corona auch Roland Glenz einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. "Der Gesundheitstag ist zum Beispiel ausgefallen", berichtet Glenz. Messebesuche, Beratungen oder Hausbesuche seien erst einmal nicht mehr möglich gewesen. Für die kommende Zeit wünscht er sich, dass alles langsam wieder anläuft.

Die Beschichtung, erörtert er weiter, sei übrigens nicht nur für Senioren sinnvoll. "Wir sind ja noch nicht so alt", das höre er oft. Ein Ehepaar auf einer Messe hätte ihm das auch gesagt, ihn aber keine zwei Wochen später noch einmal angerufen: Ein zum Glück glimpflich ausgegangener Sturz der Ehefrau in der Badewanne hatte beide überzeugt, sich die Beschichtung doch etwas genauer anzusehen und sich letztlich dafür zu entscheiden. Von Stella Lorenz

Mehr Informationen: Auf www.glenz-seniorensicherheit.de informiert Roland Glenz über seine Arbeit.

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