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Martin Luther spricht mit Katharina von Bora über seinen Einfluss auf die Bauernkriege.

Theatergruppe der Luthergemeinde

Die Selbstzweifel des Mönchs

Am Samstag und Sonntag führte die evangelische Luthergemeinde das Stück „Der Fall Luther“ auf. Dabei ging es vor allem um das Leben des Reformators und die Selbstzweifel, die ihn plagten.

Martin Luther sitzt an seinem Schreibtisch. Bei ihm ist seine Frau Katharina von Bora. „Habe ich die Bauern verraten?“, fragt der alternde Reformator. So beginnt „Der Fall Luther“, der von der Theatergruppe der Luthergemeinde am Samstag und Sonntag vor fast voll besetzten Reihen aufgeführt wurde. Das Stück von Karlheinz Komm ist keine leichte Kost und verlangt dem Publikum konstante Konzentration ab. Denn es wird viel geredet, gepoltert und geflucht. Und alles hat einen tieferen Sinn. Vor allem die Worte des Reformators sind dabei von großer Bedeutung und zeigen die schwankenden Gemütszustände, die Luther wohl im Laufe seines Lebens erlebte.

Nach der ersten Szene tritt das fiktive hohe Gericht auf, vor dem sich Martin Luther für seine Rolle in den Bauernkriegen rechtfertigen muss. Der „alte“ Luther sitzt mit den Richtern abseits, während sein Leben auf der Bühne von seinem „jungen“ Selbst nachgespielt wird.

Tatsächlich wurde der historische Martin Luther am 17. April 1521 nach der Exkommunizierung durch Leo X angeklagt und dem Kaiser im Reichstag zu Worms vorgeführt, der ein weltliches Urteil fällen sollte. Dort verteidigte Luther seine reformatorische Lehre und sprach die berühmten Worte „Gott helfe mir, Amen!“. Er weigerte sich, am Folgetag seine Thesen zu widerrufen.

In Bezug auf die Bauernkriege im Jahre 1524/25 war die Sachlage so, dass die Bauern Luther missverstanden hatten. Denn sie glaubten, sich bei ihrem Aufstand gegen die Leibeigenschaft und die Unterdrückung durch die Herrscher „auf das Evangelium der kleinen Leute“ berufen zu können. Tatsächlich war neben den Bauern und Landknechten einer der Hauptanführer des Aufruhrs der Theologe und Reformator Thomas Müntzer. Luther missfiel der Aufstand dagegen sehr, war er doch gegen Gewalt jeglicher Art. Und so unterstützte er in der Realität im Jahre 1525 mit seiner Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ die Herrschaften.

Die Szene auf der Bühne widmet sich nun dem Eintritt Luthers in das Augustiner-Eremiten-Kloster in Erfurt im Jahre 1505. Luther ist dort im sechsten Jahr Mönch, fühlt sich krank, ausgelaugt und von seinem Gott missverstanden. „Ich hasse Gott“, gibt er gegenüber dem Generalvikar des Klosters zu. „Geh studieren und mache deinen Doktor“, empfiehlt ihm der Generalvikar. Ein Rat, den Luther tatsächlich annimmt.

Zwei Jahre später, Luther ist promoviert und Professor an der Universität von Wittenberg, besucht ihn der Generalvikar. „Ich bin glücklich. Ich bin nun ein fröhlicher Christ. Ich habe plötzlich das Evangelium verstanden“, sagt Martin Luther. „Während ich den Brief von Paulus an die Römer las, kam mir die Erleuchtung“, erklärt der junge Luther.

Nach und nach handelt das Theaterstück die wichtigsten Stationen im Leben Luthers ab und geht den Fragen nach: Hat Luther die Begeisterung der Bauern zunächst für sich genutzt und sie später im Stich gelassen, hat er die enorme politische Sprengkraft seiner Gedanken unterschätzt?

Eine wirkliche Antwort gibt das Stück selbst nicht. Es leitet vielmehr das Publikum dazu an, sich seine eigenen Gedanken zu machen.

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