Nach 25 Jahren

Der Shantychor Rüsselsheim nimmt mit einem gefeierten Auftritt Abschied von der großen Bühne

25 Jahre lang erfreute der „Shantychor Rüsselsheim“ seine zahlreichen Freunde des maritimen Gesangs. Mit einem Abschiedskonzert beendeten die Sänger nun ihre öffentlichen Bühnenauftritte. Gesungen wird jetzt nur noch beim Stammtisch.

Nur zwei Tage dauerte es, bis die Karten für das Konzert ausverkauft waren. „Wir hatten schöne Plakate gemacht. Aber die mussten wir gar nicht mehr aufhängen“, berichtet Pressesprecher Heiko Cordes. Dass das letzte Konzert in der Stadthalle stattfand, hatte nicht nur damit zu tun, dass der Saal genügend Platz für die rund 380 Gäste bot. Viele Jahre lang kamen dort die Sänger zum Proben zusammen.

Die Stadthalle sei, so Vorsitzender Willi Kaspar, zu einer Art Heimat für die Chormitglieder geworden, weshalb er sich im Namen aller bei Kurt Stolz und seinen Mitarbeitern bedankte. Dieser kam auf die Bühne und erklärte, jetzt, wo er bald in Rente gehe, habe er eigentlich vorgehabt, dem Shantychor beizutreten. Das klappe nun leider nicht mehr. Doch wurde ihm zugesagt, dass es auch weiterhin den Stammtisch in der Stadthalle gebe, wo noch immer gesungen würde. Da könne er dann gerne mitmachen.

Die Tische im Saal waren mit

Sand und Muscheln

geschmückt, auf einer Leinwand hinter dem Chor wurden maritime Fotos, passend zu den Texten der Lieder, gezeigt, und auch das Buffet mit Lachs, Krabben, Matjes und Backfisch war dem abendlichen Fest angepasst.

Auch die Finkenwerder Seemannstracht mit Elbsegler und rotem Halstuch ließ die 27 Sänger auf der Bühne schick aussehen. Marliese Steeg (Gitarre), Hermann Beer und Margot Schneider am Akkordeon begleiteten den Gesang musikalisch. Sonja Guthmann als Chorleiterin gehörte wie stets mit ihrer agilen Art und hundertprozentigem Einsatz zu den Perlen des Ensembles.

Zunächst als Teil der Seglerabteilung des TV Haßloch aktiv, trafen sich immer mehr Freunde von Seemannsliedern, um gemeinsam zu singen.

Erst im November 2002 entstand der eigenständige Shantychor Rüsselsheim, der ein Jahr später ganz offiziell der 50. kulturelle Verein in Rüsselsheim wurde. Bis 2014 traf man sich noch im Schützenhof in Alt- Haßloch, musste aber wegen Schließung die Singabende in den Gesellschaftsraum der Stadthalle verlegen, wo man sich jedoch schnell heimisch fühlte. Neben Auftritten bei privaten Feiern kamen immer häufiger öffentliche Auftritte hinzu. So heißt es in der Vereinschronik: „Als Rüsselsheimer Chor mit gemeinnützigem Status waren wir mehrfach im Jahr in der Stadt präsent, und das auf allen relevanten und publikumsinteressanten Plätzen.“

Auch hessenweit gab es Auftritte, teils auch mit befreundeten Shantychören. Seit ihrer Umwandlung in einen eigenständigen Verein wurden rund 300 öffentliche Auftritte absolviert, die sehr gut besucht waren. Denn auch, wenn Rüsselsheim am Main liegt, sind es bis zum Meer noch einige Kilometer, um maritime Atmosphäre einzuatmen. Da ist ein Shantychor etwas Besonderes. Das Repertoire des Chores umfasst 80 Titel. 27 davon wurden beim Abschiedskonzert gesungen, die vielen Zugaben noch nicht mitgezählt. „Anchors aweigh“, das stets erste Seemannslied bei Auftritten des Shantychors, brachte bereits Stimmung in den Saal der Stadthalle.

Schlag auf Schlag folgten die bekannten Weisen, wobei es immer auch einige Informationen zum vorgetragenen Liedgut gab. „Weiß ist das Schiff, das wir lieben“, meint die Gorch Fock, das berühmte Ausbildungsschiff. Das „Sloop“ des Hits „Sloop John B.“, der durch die Beach Boys berühmt wurde, ist das englische Wort für Schaluppe, und das berühmteste Seemannslied aller Zeiten „La Paloma“ wurde vor 150 Jahren von einem Basken auf Kuba komponiert. Der Chor sei ein wenig in die Jahre gekommen, so dass das Jubiläumskonzert auch gleichzeitig das Abschiedskonzert ist. Stolz sei man auf das Erreichte und sich darin einig: „Wir hatten eine wunderbare Zeit.“

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