+

Notheizung streikt

Siedlung Max-Beckmann-Weg muss schon wieder frieren

  • schließen

Die Siedlung Max-Beckmann-Weg kommt nicht zur Ruhe. Nachdem das dortige Blockheizkraftwerk ausgefallen war, streikte nun auch die Notheizung.

Nach und nach kommen immer mehr Nachbarn dazu. Bald haben sich etwa ein halbes Dutzend Menschen um die ehrenamtliche Stadträtin Marianne Flörsheimer versammelt und machen ihrem Ärger Luft. Der Grund für das Treffen lässt sich ein paar Meter weiter an der Eingangstür der Kinderkrippe Arche ablesen. Dort klebt ein Zettel, auf dem steht: „Achtung! Wegen Heizungsausfall muss die Arche geschlossen bleiben.“ Und nicht nur die Krippe ist betroffen. Es ist bereits das zweite Mal innerhalb von kurzer Zeit, dass es Probleme mit dem Blockheizkraftwerk in der Siedlung Max-Beckmann-Weg gibt. Vor rund zwei Wochen mussten die ungefähr hundert Haushalte der Siedlung vier Tage lang ohne Heizung und warmes Wasser auskommen.

Als Ersatz für das defekte Kraftwerk im Keller der Krippe, von wo aus die Siedlung mit Fernwärme versorgt wird, ließ die Ried Wärme- und Haustechnik GmbH, die zur Baugenossenschaft Ried gehört, nebenan eine mobile Heizöl-Anlage aufstellen. Am Dienstagnachmittag begannen Arbeiter damit, die Installation eines neuen Kessels im Kraftwerk vorzubereiten, die am heutigen Donnerstag dann richtig beginnen soll.

„Katzenwäsche“ statt Dusche

Doch während der Vorbereitung ist etwas schief gelaufen. „Im Rahmen der Umbaumaßnahmen kam es zu einer nicht geplanten Unterbrechung der Wärmeversorgung.“ Dabei sei es zu einer noch nicht geklärten Abschaltung der Notbeheizung gekommen, so dass „wir nicht die volle Wärmeleistung liefern konnten“, teilt die Ried mit. Mit „Notbeheizung“ ist die provisorische Heizöl-Anlage gemeint. Grund für ihren Ausfall sei „definitiv nicht“ das Fehlen von Brennstoff gewesen, betont die Ried GmbH. Über die Feiertage werde die mobile Anlage, die Mittwochmorgen wieder in Betrieb genommen werden konnte, in jedem Fall an Ort und Stelle gelassen.

Mehrere der Anwohner, die vor der Krippe mit Stadträtin Flörsheimer sprechen, berichten nichtsdestotrotz von gänzlich kaltem Wasser, das am Mittwochmorgen aus den Leitungen in ihren Wohnungen geflossen sei. Statt zu duschen, hätten sie sich mit einer „Katzenwäsche“ begnügen müssen. „Da muss mal jemand bei der Ried auf den Tisch hauen“, fordert einer Flörsheimer auf. Diese verspricht, die Beschwerden aufzunehmen und an die Ried GmbH weiterzuleiten.

Die Anwesenden wollen ihre Verträge mit der Ried allesamt kündigen. „Das würde ich an Ihrer Stelle auch tun“, sagt Flörsheimer. Im Januar will sie alle Beteiligten an einen Runden Tisch bringen, um über die Zukunft der Energieversorgung in der Siedlung zu beraten.

Ihre Verträge können die Anwohner aber nicht so einfach kündigen. Denn in der Siedlung Max-Beckmann-Weg sind sie dazu verpflichtet, die Fernwärmeversorgung für ihre Häuser von der Ried zu beziehen. Auftrageber der Ried wiederum ist die Stadt. Diese wollte bei der Errichtung des Wohngebiets um die Jahrtausendwende mit der Fernwärme-Pflicht eine besonders umweltfreundliche Energieversorgung sicherstellen.

Zu den Problemen, die es bislang im Betrieb gab, kommt eine unübersichtliche Rechtslage. Wie Anwohner übereinstimmend berichten, läuft Ende nächsten Jahres der zweite, auf zehn Jahre angelegte Vertrag für die Energieversorgung zwischen ihnen und der Ried ab.

Abnahme-Zwang verteidigt

Dabei geht es aber nur um die Festlegung des Energiepreises, der für das Jahr 2017 mit 10,54 Euro pro Quadratmeter eher im unteren Bereich lag, wie Ried-Geschäftsführer Jürgen Unger berichtet. Dass die Ried der Versorger des Gebiets bleibt, stehe nicht in Frage. Unger beruft sich auf die Rüsselsheimer Energiesatzung aus dem Jahr 1999, die dies so vorsehe. Eine Änderung dieser Satzung wäre für die Anwohner wohl die einzige Möglichkeit, aus den Verträgen mit der Ried herauszukommen.

Doch Unger ist überzeugt: Wenn die Stadt die Satzung ändern würde, wäre das „Harakiri“. Kein Unternehmen wäre bereit, mit allen Haushalten Einzelverträge abzuschließen und auf den Abnahme-Zwang zu verzichten. Dieser sei für den Energieversorger eine Gegenleistung für die getätigten Investitionen. Allein 2,6 Millionen D-Mark habe die Ried die Installation des Rohrsystems der Fernwärmeanlage in der Siedlung gekostet.

Von einem geplanten Runden Tisch mit Anwohnern hat Unger nach eigenem Bekunden nur vom „Hörensagen“ etwas mitbekommen. „Das wäre keine Veranstaltung, wo wir uns gemeinsam Lösungen überlegen“, macht er deutlich. Um die Zukunft der Energieversorgung in der Siedlung zu erörtern, halte er Gespräche zwischen Stadt und Ried für sinnvoller.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare