+

Königstädter Hofkonzerte

Der Siegeszug lokaler Kulturarbeit

Politik und Kultur – in Königstädten lässt sich das eine schwer vom anderen trennen. Denn die Gründung der Königstädter Hofkonzerte ist eine Idee der Unabhängigen Königstädter Liste (UKL), die kulturelle Angebote in den Stadtteil bringen wollte.

Der Kulturverein „Königstädter Hofkonzerte“ blickt im ausklingenden Jahr auf zwei Jahrzehnte zurück. So lange gibt es die Hofkonzerte nämlich schon, auch wenn die Kulturarbeit ihre Anfänge bereits einige Jahre zuvor hatte. Und zwar weniger in der Kultur, als vielmehr in der Politik.

1989 wurde die Unabhängigen Königstädter Liste (UKL) gegründet. Damals trat die UKL zum ersten Mal bei den Wahlen für den Ortsbeirat an und war erfolgreich. Die UKL-Akteure machten es sich zur Aufgabe, das kulturelle Angebot im Stadtteil zu stärken; sie wollten unter anderem beim Rüsselsheimer Kultursommer mitmischen. Gefallen habe dies nicht allen in der Stadt, wie sich Helga Schug, Mitbegründerin der Liste und viele Jahre lang Ortsvorsteherin, erinnert. „Man war halt nicht daran gewöhnt, dass die Bürger mitreden dürfen“, erinnert sie sich und fügt an: „Der Ortsbeirat ist das niedrigste politische Gremium. Wenn die Leute da nicht mitreden dürfen, wo denn dann?“ Die freie Meinungsäußerung vor den Sitzungen hatte die UKL für die Ortsbeiräte durchgesetzt. Eine Gepflogenheit, die bis heute beibehalten wird.

Auch gegen Widerstände setzten sich die Königstädter durch – politisch wie auch kulturell. Besonders gefragt war beispielsweise der Jazzfrühschoppen im kleinen Saal der Krone; er wurde schließlich aufgrund der vielen Besucher in den größeren Kaisersaal verlegt.

Langsam aber stetig mehrten sich die kulturellen Veranstaltungen im Stadtteil. Zu den Jazzfrühschoppen kamen Vorträge. Professor Metzner berichtete über die Bismarck-Eiche, als sie im 100. Jahr den Bismarckplatz schmückte. Auch die Quetschekuchenfeste waren bestens besucht. 1993, vier Jahre vor der offiziellen Gründung des Vereins „Königstädter Hofkonzerte“, trat die Ried-Blues-Band Saure Gummern in der Hofreite Stannarius auf.

Am 27. Januar 1997 gründete sich dann der Verein zur Förderung von Kunst, Kultur und Brauchtum. Die Idee: Veranstaltungen sollten abwechselnd in verschiedenen Hofreiten des Stadtteils stattfinden. Verbindendes Element war die Liebe zum Stadtteil und zur Kultur, ganz unabhängig von Vereinsstrukturen. „Die Hofkonzerte gründeten sich als Zusammenschluss von Menschen aus dem Stadtteil, die kulturell etwas auf die Beine stellen wollten“, fasst es Schug in eigene Worte.

Derzeit gehören 72 Mitglieder zu den Hofkonzerten, viele davon helfen bei Organisation und Durchführung von Veranstaltungen. „Zu den Helfern gehören auch Nichtmitglieder“, unterstreicht Wolfgang Einsiedel, der wie Schug zu den Gründungsmitgliedern gehört. Viele Ideen konnten mit dem Verein realisiert werden. So wurden 1999 Aktien für den Königstädter Bären angeboten. Die drei aus Sandstein gehauenen Bären zieren heute das Einkaufszentrum in Königstädten.

Passend zu dieser Initiative entstand eine Broschüre, in der erzählt wird, weshalb die Königstädter auch „die Bären“ genannt werden. Eben diese Geschichte wurde auch als Theaterstück mit Laiendarstellern aus dem Stadtteil aufgeführt und bildet nur eine von vielen ortsgeschichtlich inspirierten Theateraufführungen, wie sie in den vergangenen Jahren gezeigt wurden. „Der Verein strebt an, auch lokale Künstler zu unterstützen“, berichtet Andreas Beckhaus, seit 2011 Vorsitzender der Hofkonzerte. Auch der lokale Bezug zu den Angeboten sei sehr wichtig. Führungen rund um die Ortsgeschichte bringen den Königstädtern den Stadtteil näher und würden gut angenommen.

2010 war die Erstnennung der Kirche vor damals genau 800 Jahren Thema des Theaterstücks „Die Kersch bleibt im Dorf“. Kindermusical und Krimi-Dinner in der ehemaligen Käserei Einsiedel folgten. 2012 fand der erste Königstädter Kunst-Kilometer (KKK) statt. Ein Jahr später ließen die Hofkonzerte einen alten Brauch, den Ausruf von Glücks- und Segenswünschen zu Silvester am Wiegehäuschen, wieder aufleben. Auch am 31. Dezember bläst der „Hirte“ erneut in sein Horn. Von 32 bis 1 Uhr feiert der Verein mit interessierten Bürgern das neue Jahr bei Punsch und Glühwein.

2015 fand zum ersten Mal der Hofflohmarkt statt, bei dem der Verein organisierend mitwirkte: Die Hauptakteure waren die Anwohner und ihre Flohmarktangebote vor der Haustür.

2016 lud der Verein zum ersten Weinabend am Wiegehäuschen ein. Auch in diesem Fall waren die Hofkonzerte und dessen Hauptakteure vor allem als Initiatoren gefragt. Nach kurzer Zeit habe sich das Weinfest zu einem Selbstläufer entwickelt, da sich mittlerweile genügend ortsansässige Vereine gefunden haben, die die Verköstigung an jeweils vier Abenden im Jahr übernehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare