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Für Sittmann ist nächstes Jahr Schluss

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Das ist ein Paukenschlag: Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) tritt bei der Anfang nächsten Jahres anstehenden Bürgermeisterwahl nicht mehr an. Die Entscheidung hat das politische Trebur aus der österlichen Feiertagsruhe gerissen.

Es erinnert ein wenig an den TV-Auftritt von US-Präsident Lyndon B. Johnson, der am 31. März 1968 in seiner Ansprache an die Nation zunächst ausschweifend seine Erfolge herausstellte. Am Ende teilte Johnson eher beiläufig mit, dass er bei der anstehenden Präsidentenwahl auf keinen Fall erneut als Kandidat zur Verfügung stehe.

Im März 2018 wiederholt sich das so ähnlich in Trebur. Unter dem Betreff „In eigener Sache“ ist von Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) eine unerwartete Mail mit einem zweiseitigen Rückblick auf seine bisherige Amtszeit eingegangen. Am Ende der Ausführungen dann der Hammer: „Für die nächste Bürgermeisterwahl werde ich nicht mehr kandidieren. Dies ist meine eigene persönliche Entscheidung.“

Sittmann nennt private Gründe für seinen Verzicht: Seine Familie habe in den knapp fünf Jahren seit seinem Amtsantritt im Juni 2013 zu oft auf ihn verzichten müssen. „Ich habe daher entschieden, mich in Zukunft mehr meiner Familie zu widmen und diese in den Vordergrund zu stellen. Auch möchte ich nach Ende meiner Amtszeit die Möglichkeit nutzen, nach fast 30 Jahren Arbeit in Kommunalverwaltungen neue berufliche Wege in anderen Bereichen einzuschlagen“, heißt es von Sittmann weiter.

In seinem Schreiben stellt er zunächst seine Erfolge heraus: nach knapp 20 Jahren wieder ein ausgeglichener Haushalt, die bevorstehende Ansiedlung von Aldi, die Ansiedlung eines Wochenmarktes, die Weiterentwicklung des früheren Mitsubishi-Geländes, mehr Transparenz gegenüber den politischen Gremien und schließlich die Verschwisterung mit der rumänischen Stadt Jimbolia. Nach Sittmanns Meinung sind diese Erfolge meist im politischen Krawall untergegangen.

Respekt gezollt

Die Entscheidung hat das politische Trebur unsanft aus der bereits eingetretenen Osterruhe gerissen. Die CDU musste vor den Feiertagen noch schnell eine Stellungnahme formulieren: Der persönlichen Entscheidung des Bürgermeisters sei Respekt zu zollen, teilte Vorsitzender Constantin Mussel mit. „Wir haben mit ihm in schwierigen Zeiten, auch bei manchen inhaltlichen Differenzen, vertrauensvoll zusammengearbeitet.“ Sittmann habe den Vorstand vorab informiert. „Die CDU wird nun in ihren Gremien das weitere Vorgehen beraten.“

Die SPD zollt der Entscheidung ebenfalls Respekt und gibt bei der Gelegenheit schon einmal Informationen zu ihrer Kandidatensuche preis. „Wir haben schon Gespräche mit zwei potenziellen Kandidaten geführt“, teilte Fraktionsvorsitzender Willi Rühl mit. Beide seien nicht aus Trebur, einer habe allerdings bereits abgesagt. Möglich sei auch die Unterstützung eines Kandidaten aus einem anderen Lager.

GLT überrascht

Die GLT zeigt sich überrascht. „Für den Bürgermeisterwahlkampf bedeutet das, dass nun alles offen ist. Die GLT wird nicht alleine mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen gehen, wie es letztes Mal der Fall war“, teilte Fraktionsvorsitzende Sonja Mars mit. Mit der Ankündigung sollten sich die Fraktionen zusammensetzen und schauen, ob es nicht einen gemeinsamen Kandidaten geben könne. „Die GLT wird jedenfalls nicht die Füße hochlegen und beim Wahlkampf nur zuschauen.“

Hart ins Gericht geht die FDP mit Sittmann: „Der Verzicht auf eine erneute Kandidatur ist im Sinne der Bürger, da nun die Chance besteht, den drückenden und lähmenden Stillstand in der Gemeindeverwaltung durch einen Neubeginn an der Spitze endlich zu beenden“, so Fraktionsvorsitzender Stephan Dehler, der Sittmann aber auch dankt. „Wir sind allerdings sehr verwundert über seine Sicht auf die zurückliegende Legislaturperiode.“ Denn die Mehrheit der aufgezählten Erfolge, ging nicht auf ihn zurück, sondern sei von den Fraktionen in der Gemeindevertretung initiiert und vorangebracht worden. Der Wochenmarkt gehe auf einen Antrag der FDP zurück, ebenso die Verschwisterung mit Jimbolia.

„Mit Respekt nehmen wir die Entscheidung von Bürgermeister Sittmann zur Kenntnis“, kommentierte Martin Kämper, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Wir sind ihm dankbar, dass er besonders beim Start der Freien Wähler Trebur in die Kommunalpolitik für unsere Fragen immer ein offenes Ohr hatte“, fügte Kämpfer noch hinzu.

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