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Die Stadtverordneten werden bald entscheiden müssen, ob das Gebäude saniert oder abgerissen wird. An der Stelle soll ein modernes Bildungszentrum entstehen. Archivfoto: Rüdiger Koslowski

Entwicklung

Soll das Rote Haus erhalten bleiben?

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
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Mehr Platz für mehr Schüler: Die Dezernenten Kraft und Grieser stellen vier Varianten für die Grundschule in Königstädten vor. So viel steht fest: Dafür muss viel Geld in die Hand genommen werden.

Königstädten -Die Zustände an der Grundschule in Königstädten sind hinlänglich bekannt: Es gibt zu wenige Klassenräume für die rund 420 Schüler. Das Raumkonzept ist veraltet. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich eine interfraktionelle Arbeitsgruppe mit diesem Thema, bei der unter anderem die Schulgemeinde und die benachbarte Kita mitwirken. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor, die den Stadtverordneten in der Sitzungsrunde im November vorgelegt werden sollen. Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) und Baudezernent Nils Kraft (SPD) haben die Pläne am Mittwoch in einem Pressegespräch vorgestellt.

Dabei handelt es sich um vier Varianten, die zeigen, wie das Schulgelände bebaut werden könnte. Die Arbeitsgruppe empfiehlt die ersten beiden Varianten A und B. In Variante A wird die Kita Auerbacher Straße im noch zu bauenden Nachbarschafts- und Familienzentrum auf der Überhangfläche des Friedhofs untergebracht und das als "Rotes Haus" bekannte Grundschulgebäude saniert. Dahinter würde dann ein großer Pausenhof entstehen, nördlich davon ein Sportplatz mit Turnhalle, südlich ein geschlossener Verwaltungs- und Klassentrakt. Die Variante B unterscheidet sich darin, dass sie ohne das Rote Haus plant. Das würde abgerissen, um Platz für einen U-förmigen Verwaltungs- und Klassentrakt zu schaffen, den der Pausenhof von der Sporthalle trennt.

Rotes Haus stiftet Identität

"Ich weiß, dass das Rote Haus für viele Bürger identitätsstiftend ist, aber die Schulgemeinde ist sich einig, dass es für die Entwicklung des gesamten Geländes vorteilhaft wäre, wenn es abgerissen wird", sagt Nils Kraft. Keines der bestehenden Gebäude aus den 1970er Jahren sei aus wirtschaftlicher Sicht erhaltenswert, das habe die Prüfung ergeben.

Die Varianten C und D sehen, statt der Auslagerung der Kita, den Bau der Sporthalle auf der Überhangfläche des benachbarten Friedhofs vor. Damit gäbe es zwar keinen geschlossenen Schul-Campus mehr, aber ein kurzer Fußweg sei zumutbar, wenn auch nicht präferiert, so Kraft. Bei Variante C bleibt das Rote Haus erhalten, D plant ohne das rote Gebäude.

Die grobe Kostenschätzung für die vier Varianten unterscheidet sich nur minimal. Für die Umsetzung der Varianten A und B plant die Stadt mit rund 41 Millionen Euro. C und D dürften etwa 200 000 Euro weniger kosten. Miteingerechnet ist eine Zwei-Feld-Halle mit Gymnastikraum, bei einer Drei-Feld-Halle rechnet die Stadt mit etwa 1,2 Millionen Euro Zusatzkosten. Zwei Fragen müssen also beantwortet werden: Auslagerung der Kita oder der Sporthalle? Und Abriss oder Sanierung des Roten Hauses?

Der neue Klassentrakt soll dem Raumbedarf der Grundschule Rechnung tragen, barrierefrei sein und die qualitativen Voraussetzungen für einen inklusiven und ganztägigen Unterricht schaffen sowie digital auf dem neusten Stand sein, nennt Dennis Grieser die Anforderungen an das Bauprojekt. Die veränderte Pädagogik müsse bei den Planungen für die neue Grundschule berücksichtigt werden.

Mehr Platz für den Jugendtreff

Weitere Bedürfnisse gilt es im Zuge des Bauprojekts zu berücksichtigen: Ist das Nachbarschafts- und Familienzentrum in der Nähe des Friedhofs errichtet, werde es Platz für die Kita - und möglicherweise weitere U 3-Plätze - sowie den Königstädter Kinder- und Jugendtreff geben. Das Zentrum soll, ähnlich wie sein Pendant in der Böllenseesiedlung, von einem anderen Bauherren, voraussichtlich der Gewobau, entwickelt werden. Die Stadt müsse folglich Mietnebenkosten für die Räumlichkeiten der Kita zahlen, sollte diese in das Nachbarschafts- und Familienzentrum umziehen.

Nils Kraft hofft, dass der Neu- beziehungsweise Umbau der Grundschule in Königstädten nicht zum Spielball des Wahlkampfs im März 2021 wird. Die Arbeitsgruppe sei sich in den meisten Punkten einig gewesen. Kontroversen erwarten Kraft und Grieser, wenn es um den Erhalt oder Abbruch des Roten Hauses geht. Die Arbeitsgruppe hatte deshalb dem Magistrat empfohlen, zu einer Bürgerversammlung einzuladen, was aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich gewesen sei, so Kraft.

Wenn sich die Stadtverordnetenversammlung auf eine Variante geeinigt hat, folge ein Planungszeitraum von etwa zwei Jahren, schätzt der Baudezernent. Die Umsetzung dauere voraussichtlich sieben bis acht Jahre. Zu bedenken sei dabei, dass der Unterricht während der Bauarbeiten in unterschiedlichen Provisorien fortgesetzt werden muss, was die Planer vor große Herausforderungen stelle. "Aber am Ende werden die neue Grundschule und das Nachbarschafts- und Familienzentrum den Stadtteil aufwerten", sind sich Kraft und Grieser sicher. Dorothea Ittmann

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