Das nächtliche Theater im tiefen Rot. Was toll aussieht, hat einen ernsten Hintergrund. Fotos: Raklph Keim
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Das nächtliche Theater im tiefen Rot. Was toll aussieht, hat einen ernsten Hintergrund. Fotos: Raklph Keim

Corona-Krise

"Sonst gehen bald die Lichter aus"

Keine Veranstaltungen, keine Einnahmen: Unternehmen für Veranstaltungstechnik setzen auch in Rüsselsheim Zeichen mit der Aktion "Night of Light".

Rüsselsheim-Bundesweit erstrahlten Theater, Philharmonien, Konzerthallen, Schauspielhäuser und andere kulturelle Veranstaltungsstätten in der Nacht zum Dienstag in einem tiefen Rot. Das sah zum Teil wunderschön aus. Doch der Hintergrund ist alles andere als schön: Wegen der Auswirkungen der Coronakrise stehen die Unternehmen für Veranstaltungstechnik am Abgrund. Mit der "Night of Light" machten sie auf die dramatische Situation aufmerksam - auch in Rüsselsheim.

In der Opelstadt war das Theater Mittelpunkt der Aktion. Mitarbeiter der Firmen "Freiraum" Hochhaus und Langhammer, Wave-Audiovision und Alpha Audio & Light sorgten dafür, dass die derzeit ebenfalls geschlossene Spielstätte in einem Licht erstrahlte, wie es die Bürger vermutlich so noch nie gesehen haben. Zahlreiche Passanten blieben stehen und kamen mit den Machern von "Night of Light" spontan ins Gespräch. Hier schaute zu vorgerückter Stunde auch Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) vorbei und drückte seine Solidarität mit den Betroffenen aus.

Die Unternehmer Thorsten Hochhaus, Matthias Langhammer, Peter Buhl und Jörg Hemb berichteten dem Rathauschef von Umsatzrückgängen auf de facto Null in den ersten drei Monaten der Coronakrise, als das öffentliche Leben praktisch stillstand. Wesentlich besser sei es aber nicht geworden. Zur Erinnerung: Veranstaltungen jeglicher Art wurden ab Mitte März abgesagt, Großveranstaltungen sind jedoch auch derzeit und auf absehbare Zeit nicht gestattet.

Jobs auf Baustellen

"Unsere freien Mitarbeiter haben ebenfalls kein Einkommen, unsere fest angestellten Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit, Azubis können vielleicht nicht übernommen werden", schilderten die Firmenchefs ihre Situation. Staatliche Hilfe sei zwar hilfreich. Doch die fließe erst, wenn einem das Wasser bis zum Hals stehe. Mit Jobs auf Baustellen, in Baumärkten, Supermärkten und sonstwo würden Kollegen versuchen, die finanziellen Engpässe zu überbrücken, bekam der Oberbürgermeister berichtet.

Dank unternehmerischer Rücklagen könne man den Rest des Jahres noch überbrücken. "Doch wenn auch noch die Fastnachtsveranstaltungen abgesagt werden, gehen die Lichter ganz aus", brachte es Jörg Hemb, dessen Unternehmen unter anderem für den Fußballbundesligisten Mainz 05 tätig ist, auf den Punkt. Die Firmenchefs machten aber auch auf die Unternehmen aufmerksam, die wegen des Verbots von Veranstaltungen ebenfalls vor dem Ruin stehen, beispielsweise Caterer.

Oberbürgermeister Bausch sicherte den Betroffenen zumindest zu, sie zu einem Gespräch einzuladen und nannte sogar einen konkreten Tag in der kommenden Woche. Dass im Adamshof im Opel-Altwerk die Veranstaltungsreihe "Kultur im Sommer" stattfinde, sei schon einmal ein positives Signal.

Die Unternehmer nutzten die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass es dagegen kein positives Signal sei, wenn bei den Großveranstaltungen in der Opelstadt ortsansässige Unternehmen außen vor bleiben, wenn es beispielsweise um die notwendige Technik gehe.

Nicht wirtschaftlich, aber notwendig

Unter den Besuchern der Aktion war auch Karin Krömer, Leiterin Kultur und Theater bei Kultur 123 und damit mitverantwortlich für das Programm des Stadttheaters. "Wir arbeiten derzeit an einem Konzept, wie wir das Theater möglicherweise Mitte oder Ende September wieder öffnen können", kündigte sie an. Maximal 100 Personen würden dann Einlass finden. "Wirtschaftlich ist das nicht, aber dennoch absolut notwendig", unterstrich Betriebsleiter Eckhard Kunze.

Rot illuminiert war an diesem Abend auch der Adamshof im Opel Altwerk, wo Saxofonist Stephan Völker mit seinem Quartett "Fabulous4" ein Konzert gab. Und das Kulturzentrum "Rind" setzte ebenfalls ein rotes Zeichen der Solidarität. Ralph keim

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