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Die Yacht muss auf den Millimeter genau aufsitzen, Kapitän Alexander Welke (links) kontrolliert das Absetzen.

Yachtclub Untermain

Sportboote schweben durch die Luft

Wenn die kalte Jahreszeit anbricht, muss der Yachtclub Untermain seinen Hafen wegen Hochwassergefahr räumen. Die Boote werden mit einem Kran aus dem Hafenbecken gehoben.

„Pass auf die Deichsel auf“, fordert ein Helfer auf. „Wir brauchen ein Kantholz“, stellt der nächste fest. „Einen 17ner Schlüssel soll er mir mal geben“, bittet ein anderer. Viele Leute, viele Hände und viele Aufforderungen. Währenddessen eilt Alexander Welke um seine Yacht herum, einmal von links nach rechts, einmal von rechts nach links. Drückt hier, schiebt dort, haut mit einem Balken das Aufliegeholz in Position.

Wenn die Boote aus dem Wasser gehoben sind, eines nach dem anderen, und Kranführer Winfried Hartwig sie knapp über dem Trailer schweben lässt, wird es immer ein bisschen hektisch. Irgendwie hat jeder Kapitän den Drang, sein Boot in Windeseile auf dem Trailer liegen haben zu müssen. Obwohl das gute Stück doch ruhig in den Gurten hängt.

Welke ist kein Frischling mehr, aber doch noch ziemlich neu beim sogenannten Boote-kranen des Yachtclub Untermain. Denn im Oktober muss der Wassersportverein seinen Hafen wegen der Hochwassergefahr im Winter abbauen. Deshalb werden die Boote aus dem Wasser geholt und in die Winterlager gebracht.

Welke war im Frühjahr das erste Mal dabei, als die Boote mit einem Kran in das Hafenbecken gesetzt wurden. Der sympathische 39-Jährige gesteht ohne Umschweife, dass er auch beim zweiten Mal noch aufgeregt ist, findet aber trotz der Hektik Zeit für ein Gespräch mit dem Echo.

Worauf er bei der Aktion Obacht geben muss? Die Punkte zählt er schnell auf: Die Führungsleinen müssen vom Boot auf die Kaimauer geworfen werden, die Spanngurte müssen vorbereitet werden, die Gurte müssen an der richtigen Stelle um den Rumpf gelegt werden, das Boot darf in der Luft nicht schlenkern, auf dem Trailer muss es auf dem Millimeter genau aufliegen, so dass es beim Transport nicht etwa herunterrutscht.

Um sieben Uhr in der Frühe trudelte Welke bereits im Yachthafen ein, um sein Boot aufzuräumen und vorzubereiten. Aber er hinterlässt einen frischen und fitten Eindruck. Als seine 300 PS starke Yacht endlich sicher auf dem Trailer liegt und mit Gurten gesichert ist, atmet er tief durch. Das Boot muss er jetzt schnell in das nur wenige Meter entfernte Winterlager des Yachtclubs bringen.

Dann packt er bei den anderen Booten mit an. Die Kapitäne helfen sich gegenseitig.

Aber selbst wenn alle Boote aus dem Hafen gehoben worden sind, ist der Tag für Welke noch nicht beendet. Er will sein Sportgerät noch winterfest machen. Er fügt dem Motor Frostschutzmittel zu und spritzt den Rumpf ab, an dem sich Algen abgesetzt und sich Moos gebildet hat. Zum Schluss verpackt er seine Yacht mit Planen, um sie vor Wind und Wetter zu schützen. Der Herr über die in der Luft schwebenden Sportboote ist Winfried Hartwig, seines Zeichens Kranführer, den der Yachtclub angeheuert hat. Er sitzt ziemlich abgeklärt in seiner Führerkabine.

Dennoch muss er natürlich aufpassen. „Das Boot darf nicht an die Wand stoßen, wenn es in den Gurten hängt“, sagt er. Die Boote bringen drei bis sechs Tonnen auf die Waage, das Gewicht muss der Kranführer langsam aufnehmen. Ebenso sachte steuert er das Boot durch die Luft in Richtung Trailer. Beim Absetzen des Bootes auf den Anhänger wartet Hartwig auf die Zeichen der Helfer, die es an die richtige Stelle führen.

Hartwig feiert Premiere, er hebt das erste Mal die Boote aus dem Wasser. „Jede Baustelle ist anders, aber das ist jetzt mal eine richtige Abwechslung. Boote holt man nicht alle Tage aus dem Wasser“, sagt der 56-Jährige.

Es klappt alles problemlos. Auch das Wetter spielt mit. Es fällt kein Niederschlag, der die Boote glitschig machen würde. Wind empfindet der Kranführer als nicht schlimm. „Wir arbeiten nicht in großen Höhen“, stellt er fest und ergänzt schmunzelnd, dass ja unten Wasser ist.

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